FeedBonstetten (Karl Viktor von)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bonstetten (Karl Viktor von), ausgezeichneter Schriftsteller, wurde 3. Sept. 1745 zu Bern geboren, wo sein Vater, Karl Emanuel von B., Säckelmeister war. In PMverdun, dann vom 19. Jahre an in Genf erzogen, wo er mit Voltaire und Bonnet der ihm Interesse für psychol. in Leiden, einflößte, bekannt wurde, studierte er zu Leiden, Cambridge und in Paris, und reiste dann nach Italien; 1775 ward er Mitglied des Großen Rats von Bern, 1779 Landvogt zu Saanen, 1787 in Nyon und 1795 Oberrichter in Lugano. Bei ihm lebten Matthisson, Salis und Friederike Brun, und Johannes von Müller schrieb bei ihm die Geschichte seines Vaterlandes. Im J. 1782 5. Dirten seine gehaltvollen Briefe über ein schweiz. Hirtenlando (Basel). Den Umwälzungen in seinem Vaterlande ausweichend, reiste er 1796 nach Italien und folgte 1798 der Einladung seiner Freundin Friederike Brun nach Kopenhagen, wo er bis 1801 lebte und „Kleine Schriftend (4 Bdchn., Kopenh. 1799—1801) erscheinen ließ. Bei seiner Rückkehr 1802 wählte er Genf zum Aufenthaltsorte. Die Resultate seines Forschens über die besten Mittel der Volksernialbild erschienen unter dem Titel «über Nationalbildunge (2 Bde., Zür. 1802). Eine spätere Reise nach Italien veranlaßte ihn zu topogr. Untersuchungen über die zunehmende Verödung der Campagna di Roma in der «Voyage sur la scene des six derniers livres de I'Enéide, suivi de quelques observations sur le Latium moderne (Genf 1804; 2. Aufl. 1813). Seine Recherches sur la nature et les lois de l'imaginationo (2 Bde., Genf 1807) wurden zum Teil durch die verwandten Schriften von Muratori und Bettinelli veranlaßt. In seinen Schriften Pensées diverses sur divers objets du bien publice (Genf 1815), Etudes de Phomme ou recherches sur les facultés de sentir et de pensero (2 Bde., 1821); deutsch von Gfrörer unter dem Titel «Philosophie der Erfahrung, oder Daenp. 2 über den Menschen und seine Vermögenv, 2 Bde., Stuttg. 1828) und „L'homme du Midiset I'homme du Nordo sch 1824; deutsch von Gleich, Lpz. 1825) spricht si eine praktische Lebensweisheit in populärer Darstellung aus. Er starb zu Genf 3. Febr. 1832. Eine Auswahl seiner Schriften veröffentlichte Matthisson (Zür. 1792, 2. Aufl. 1824). Seine Briefe an Matthissono von 1795—1827 gab Füßli (Zür. 1827) heraus. Sein geistig anregendes Walten bis zum J. 1828 läßt sich erkennen aus seinen „Briefen an Friederike Bruno, herausgegeben von Matthisson (2 Bde., Frankf, 1829). Vgl. Steinlen, „Charles Victor de B. Etude biographique et littéraires (Lausanne 1860); Morell, «Karl von B. Ein schweiz. Zeit⸗ und Lebensbildo(Winterth. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 324Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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