Bosheit bezeichnet den Willen und die Neigung, einem andern absichtlich und auf überlegte eis Schaden zuzufügen, besonders wenn dieses mit heimlicher Tücke geschieht (wie z. B. bei schlauem Betrug oder Meuchelmord). Am höchsten steigt die B., wenn sie Freude daran findet, den andern in seinen Plänen, Absichten und Arbeiten zu kreuzen, oder ihm seine Werke zu zerstören, ohne daß dieser eine Veranlassung dazu gibt. Der dabei Hrenden Mutwille als die Schadenfreude über fremden Verlust in Verbindung mit dem Neide und der Mißgunst als dem Ärger über Dunmnne Gewinn, bilden das volle Widerspiel der humanen und guten Gemütsstimmung, welche das Mitleiden bei fremdem Leide, die Mitfreude bei fremdem Wohlergehen ist. Die B. kann durch die auf ihre Ausübung verwendete Verstandeskraft und Willensstärke zur imposanten Erscheinung werden, wie sie z. B. von Shakspeare in Richard III. gezeichnet worden ist. Sie kann infolge dessen Bewunderung einflößen, welche an ein schauerliches Gefühl grenzt, nie aber kann sie uns mit Achtung und ebenso wenig mit Zuneigung erfüllen. Das geheimnisvoll Anziehende, was die B., z. B. bei heimlich verübten Verbrechen, für die Einbildungskraft und die Neugierde hat, beruht darauf, daß sie nicht ein Natürliches ist, wie die einfache Leidenschaft einerseits und das Gute anderer eits, sondern aus einem unnatürlichen Mißbrauch der Innd ralkot des Guten, der besonnenen Überlegung und kaltblütigen Selbstbeherrschung, zu verkehrten Zwecken entspringt. Weil die B. etwas Aufregendes und Empörendes an 10 hat, so dient die scherz⸗ — nachgeahmte B. (Neckerei und feine Malice) häufig dazu, die Konversation und den Umgang pikanter zu machen und vor Eintönigkeit zu bewahren.