FeedBöttger (Joh. Friedr.) oder Böttcher
AllerleiBrockhaus 1882

Böttger (Joh. Friedr.) oder Böttcher, auch Böttiger, wie er sich zuweilen schrieb, der Erfinder des Meißner Porzellans, wurde zu Schleiz im reuß. Vogtlande 4. Febr. 1682 geboren. Sein Vater, der sehr zeitig starb, war Münzmeister zu Magdeburg und zu Schleiz. Im 15. Jahre kam er als Lehrling in die Zornsche Apotheke zu Berlin und widmete sich mit großem Eifer den chem. Studien. Ein el mitgeteiltes Manuskript über den Stein der Weisen brachte B. auf den Gedanken, das Goldmachen zu versuchen. Ganze Nächte verschloß er sich in Zorns Laboratorium und machte dort chem. Experimente. Dies bewirkte endlich ein so gespanntes Verhältnis zwischen ihm und seinem Chef, daß B. gegen Michaelis 1699 es lben zu fand, sich heimlich aus dem Hause desselben zu entfernen. Als er aber bald darauf in große Not geriet, kehrte er nach Berlin zurück und ward Ostern 1700 unter der Bedingung, seinem bisherigen Thun und Treiben zu entsagen, wieder in die Offizin aufgenommen. Da er seine alchimist. Versuche dennoch heimlich fortsetzte und in Gefahr geriet, als Adept verhaftet zu werden, verließ er Berlin und begab sich Okt. 1701 nach Wittenberg, wo sich der kursächs. Hof seiner annahm. Der Statthalter, Fürst Egon von Fürstenberg, brachte ihn nach Dresden und errichtete ihm zum Zwecke des Goldmachens ein Laboratorium in lenem Palais. Als jedoch B.s Arbeiten ohne Erfolg blieben, versuchte er im Sommer 1704 nach Wien zu entfliehen, wurde aber zurückgebracht und nun unter Drohungen bedeutet, wenn er nicht selbst Gold zu machen versuchen wolle, sein Geheimnis wenigstens schriftlich zu hen uber Infolge dessen übergab B. endlich im desen 1705 August II. einen weitläufigen Aufsatz, dessen bewahrt wu Urschrift in den Archivakten noch aufbewahrt wird, voll mystischen aruchs Als der König, mit B.s Aufsatze und Versuchsproben unzufrieden, sich B. gegenüber sehr 1 Tschnhe und drohend äußerte, nahm der Graf von Tschirnhausen Anlaß, bei dem Könige mit dem schon längst gehegten Wunsche hervorzutreten, eine Fabrik zu errichten, um die im Lande tot und unbrauchbar liegenden Gesteine und Erden 7 3. Sornr Dingen, zu verwenden, und B., dessen Geschicklichkeit er kannte, dabei gebrauchen zu dürfen. Die Unternehmung gelang, und B. brachte aus einem braunroten Thone der meißner Gegend ein Porzellan zu Stande, welches das bereits von Tschirnhausen selbst verfertigte an Dauer und Schönheit weit übertraf. Der glückliche Erfinder ward nun mit Geschenken elassen, u jedoch immer noch nicht auf freien Fuß gelassen, weil man die Anfertigung des Porzellans als Geheimnis behandelt wissen wollte und auch immer noch auf die Erfindung der Goldmacherkunst durch B. * te. Als 1706 die Schweden in Sachsen einfielen, wurde B. nebst drei Gehilfen heimlich nach dem Königstein gebracht. Nach Entfernung der Schweden 1707 ließ man B. und seine drei Gehilfen vom Königstein wieder nach Dresden kommen, wies ihnen eine in o Werkstätte an und fertigte Porzellangefäße in so großer Anzahl, daß, nachdem man sie anfangs als Geschenke an —n Höfe gesandt, zu Ostern 1709 die leipziger Messe mit glasiertem und unglasiertem (auch etwas werben) Porzellan bezogen werden konnte. Man richtete sodann 1710 die Albrechtsburg zu Meißen zu einer großen Porzellanfabrik ein und außerdem wurde Michgelis 1711 eine besondere Werkstatt für das weiße det Rae das bisher noch sehr selten war, gegründet. Na dem Tode des Grafen Tschirnhausen übernahm B. 1708 die Aufsicht und Leitung des Porzellanmachens und ward zuletzt Administrator der Porzellanfabrik. Er ließ sich indes 1716 und 1717 mit Männern in Berlin wegen Mitteilung seiner Künste für Geld in eine Korteponden; ein, die aber 1719 entdeckt wurde und seine Einziehung und Verurteilung zur Folge hatte; doch starb er ri 13. März 1719. Vgl. Engelhardt, Johann Friedrich B., Erfinder des sachf Porzellanse (Lpz. 1837). otthammer, s unter Botten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 386Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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