FeedBöttiger
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Böttiger (Joh. Friedr.) „s. Böttger. „Böttiger (Karl Aug.), Archäolog und vielseitiger Schriftsteller, geb. 8. Juni 1760 zu Reichenbach im sächs. Vogtlande, erhielt seine gelehrte Bildung zu Schulpforte und widmete sich dann zu 386 Böttiger (Karl Wilh., Historiker) Leipzig, besonders unter Morus und Reiz, philol. Studien. Nachdem er hierauf +* 1781 als Hauslehrer zu Dresden gelebt, ward er 1784 Rektor zu Guben, 1790 in Bautzen und im Okt. 1791 durch Herders Vermittelung Direktor des Gymnasiums zu Weimar. In dem Kreise ausgezeichneter Männer, welchen zu jener Zeit der Herzog Karl August und die Herzogin Amalie um sich versammelt hatten and B. die beste Aufnahme, und trat namentlich n nähere Beziehungen zu Wieland. In Weimar veröffentlichte B. eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten, darunter eins seiner Hauptwerke: Sabina oder Aun 25 einer reichen Römerin (Lpz. 1803; 2. Aufl., 2 Bde., 1806), und (Griech. Vasengemälde (Heft 1—3, Weim. u. Magdeb. 1797— 1800), redigierte das „Journal des Luxus und der Modeno unter Bertuchs Namen von 1795— 1803 und schrieb vieles für dasselbe, war daneben 1797 — 1809 fast der alleinige Herausgeber des „Deutschen Merkur v, zu dem Wieland nur den Namen lieh, gab au sechs Jahre lang das Journal „London und Paris ganz allein heraus und gehörte fortwährend den thätigsten Mitarbeitern an der augsburger «Allgemeinen Zeitungo, für die er seit * Begründung bis 1806 804 faln litterarische Beiträge lieferte. Im J. 1804 folgte B., welcher in der letzten Zeit seines weimarer Aufenthalts zu Schiller, Goethe und Herder nicht in den besten Beziehungen stand, einem Rufe als Studiendirektor der kurfürstl. Pagen mit dem Hofratscharakter nach Dresden, wo er 1814 zum Studiendirektor bei der königl. Ritterakademie befördert und ihm Adlite die Oberinspektion über das Museum der Antiken und die Mengsschen Gipsabgüsse übertragen ward. Bei der gänzlichen Umgestaltung der Ritterakademie 1821 ward er zwar seiner Stelle als Studiendirektor entbunden, verblieb aber im Genusse seines vollen wiichen Im J. 1832 wurde er Mitglied des Französischen Instituts. B. starb 17. Nov. 1835 in Dresden. Von seinen archäol. und kunsthistor. Arbeiten nd noch zu nennen: „Ideen zur Archäologie der alereiv (Tl. 1, Dresd. 1811), «Kunstmythologien (Dresd. . (Vorlesungen und Aufsätze zur Altertumskunden (Altenb. u. Lpz. 1817), Amal-Aunst (3 Bde., Lpz. 1821—25) und 4Ideen zur 5, 2 Leacbeite » (Bd. 1, Dresd. u. Lpz. 1826; Bd. 2, bearbeitet von Sillig, 1836). Die von ihm in lat. und deutscher Sprache verfaßten zahlreichen Gelegenheitsschriften und die in Journalen zerstreuten Aufsätze wurden von Sillig in KOpuscula et carmina latina o (Dresd. mari und «Kleine Schriften archäol. und antiquarischen ANs (3 Bde., Dresd. 1837.—38) zusammengestellt. Aus B.s Nachlaß gab sein Sohn Karl Wilhelm B. „Litterarische Zustände und Zeitgenossen (2 Bde., Lpz. 1838) heraus; auch verfaßte derselbe «Karl August B., eine achlnß beünd Skizzer (Lpz. 1837). B.s brieflicher Nachlaß befindet sich auf der dresdener Bibliothek und steht durch seine letztwillige Doöttia: der wissenschaftlichen Benutzung offen. öttiger (Karl Wilh.), Historiker, Sohn des vorigen, geb. 15. Aug. 1790 zu Bautzen, besuchte das Gymnasium zu Gotha, studierte seit 1808 in Leipzig Theologie, war dann Hauslehrer in Wien, wo er sich — 6 Studien zuwandte, und habilitierte sich, nach em er 1815 — 16 in Göttingen unter Heeren Geschichte studiert hatte, 1817 an der Universität zu Leipzig, wo er 1819 eine außerord. Pro-Icrift der Geschichte erhielt. Seiner Habilitationsrift über Heinrich den Löwen ließ er die aus-Alaend Biographie (Hannov. 1819) desselben olgen. Im J. 1821 ging B. als ord. Professor er adetde Ot⸗ nach Erlangen, wo ihm 1822 auch die zweite Stelle an der Universitätsbibliothek übertragen wurde. Er starb daselbst 26. Nov. 1862. B.s akademische Vorträge wie seine litterarische Thätigkeit waren weniger auf gelehrte Forschung als auf populäre und Derbreitn Geschichtsdarlenen gerichtet. Große Ver 1 fanden von einen Schriften besonders die A Aufl. Fr Geschichte fur Schule und Hauso (12. Aufl., Frankf. 1856) und die »Deutsche 859, N. für Schule und Hausp (5. Aufl., Frankf. 1855). Für die von Heeren und Ukert herausgegebene «Curop. Staatengeschichtey schrieb er eine 4Geschichte des Kurstaats und Königreichs Sachseno (2 Bde., Hamb. 1830— 31; Register von Möller, Hamb. 1836). Sonst sen noch zu nennen: «Geschichte Bayerns nach einen alten und neuen Bestandteilen „ (2. Aufl., Erlangen 1837), 4«Geschichte des deutschen Volks und des deutschen Landeso (8 Bdchn., 3. Aufl., Stuttg. 1845), «Die allgemeine Geschichte von 1815 —505 (Frankf. 1854) und «(Die Weltgeschichte in Biographienv (Bd. 1—8, Berl. 1839—46). Auch gab B. eine Biographie feines Vaters (Lpz. 1837) und aus dessen Nachlaß Litterarische Zustände und Zeitgenosseno (2 Bde., Lpz. 1838) heraus.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 387Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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