Bouille (frz.), der Zollstempel auf Wollwaren. ouillé (Frangois Claude Amour, Marquis de), ausgezeichneter franz. General, geb. 19. Nov1739 auf dem Schlosse Cluzel in der Auvergne, wurde als Waise von seinem Oheim Nicolas de B., dem Almosenier Ludwigs XV. erzogen und trat, 14 J. alt, bei dem Regiment ohan-Rochefort in franz. Dienste. Kaum 16 J. alt, wurde er Hauptmann in einem Dragonerregimente und machte in Deutschland den Siebenjährigen Krieg mit. Hier zeichnete er sich im Gefecht bei Grünberg 21. März 1761 aus und wurde zum Oberst befördert. Seit 1765 in Martinique in Garnison, wurde er 1768 Gouverneur der Insel Guadeloupe und verwaltete dieses Amt so ausgezeichnet, daß er bei der Annäherung des Kriegs mit England zum Generaltgouverneur von Martinique und Ste.⸗Lucie und 1zum Obergeneral aller franz. Streitkräfte in diesen eeren erhoben wurde. Als 1778 der Krieg wirklich ausbrach, nahm er den Engländern die Insel Dominique weg. Bei dem verunglückten Angriff des Grafen d'Estaing auf das von den Engländern besetzte Ste. Lucie rettete er 1778 die franz. Armee vor völligem Untergange. Als 1781 in Martinigue der franz. Admiral Grasse mit bedeutenden Unterstützungen für die Amerikaner anlangte, benutzte B. diese Macht, um die Insel Tabago wegzunehmen. Nach Grasses Abgang mit seinen Verteidigungsmitteln der Antillen auf 10000 Mann nebst vier Kriegsfahrzeugen beschränkt, nahm er durch Überfall die engl. Insel St.⸗Eustache, worauf nach einigen Tagen auch die Inseln Saba und St. Martin in seine Gewalt fielen. Nach der Rückkehr des Admirals Grasse 1782 landete B. mit 6000 Mann auf der engl. Insel St.⸗Christoph und zwang die starke Festung Brimstone-Hill zur lüöbergabe, worauf sich ihm auch die Ram Newis ergab. Zur Belohnung erhielt er den Rang eines Generallientenants. Nach Frankreich zurückgekehrt, machte B. 1784 eine Reise 0⸗ Inden . und dann nach Holland und Deutschland. In den J. 1787 und 1788 wurde er vom König zum Mitglied der Notabeln, 1789 zum ersten Befehlshaber in den lothring. Bistümern und 1790 zum Obergeneral der Ostarmee ernannt. Durch seine Charakterfestigkeit verhinderte er damals die Auflösung der Armee und schlug 31. Aug. 1790 eine Meuterei in Nancy blutig nieder. Die Nationalversammlung und der König dankten ihm dafür; doch den Marschallstab, den letzterer verleihen wollte, schlug er aus. Als Ludwig XVI. 1791 beschlossen hatte, aus Paris nach Montmedy zu fliehen, wurde B. in das Geheimnis gezogen, sodaß er die Flucht durch Truppenaufstellung unterstützte. Nachdem der König aber in Varennes gefangen genommen worden war, schrieb B. von den Niederlanden aus an die Nationalversammlung, stellte die Flucht des Königs als eine Entführung und sich als den Urheber dar, und in der That wurde ihm der Prozeß als Hochverräter gemacht und ein Preis auf seinen Kopf gesetzt. Infolge davon ging er nach Koblenz zu den Brüdern des Königs, 1791 zu der Konferenz nach Pillnitz, trat dann in die Dienste Gustavs III. von Schweden und diente nach der Ermordung desselben in dem Korps des Prinzen von Condé. Später zog er sich nach England zurück, wo er der Regierung in dem westind. Kolonialwesen ratend zur Seite stand. In dieser Zurückgezogeneit schrieb er seine Mémoires sur Ia Lrolution rancaiser (engl., Lond. 1797; deutsch, Hamb. 1798; franz. 1801). B. starb zu London 14. Nov. 1800. Vgl. Gabriel, Louis XVI, le Marquis de B., et Varennes (Par. 1874), und R. de Bouillé, Essai sur de B.5 (Par. 1853). — Louis de B., Sohn des vorigen, wurde in der preuß. Ritterakademie erzogen und stand 1790 — 91 seinem Vater bei dem zur Rettung des Königs geplanten Unternehmen treu zur Seite, trat 1806 in die franz. Armee, stieg rasch zum Generallieutenant auf, mußte 1812 wegen eines Augenleidens den Dienst verlassen und starb 1850. Er schrieb «Vie du prince Henri de Prussen (Par. 1809).