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GeschichteBrockhaus 1882

Bourbon (Charles, genannt der Connétable von), aus einer jüngern Linie des Hauses B., Sohn des Grafen Gilbert von Montpensier, geb. 17. Febr. 1490, vereinigte durch die Vermählung mit Susanne, Erbin des letzten Trägers der ältern Linie von B., Herzogs Peter von B.⸗Beaujeu, als der mächtigste Vasall der franz. Krone ein Gebiet, dess en Einkünfte man auf 120000 Ecus berechnete und in dem er fast wie ein deutscher Fürst herrschte. Unter Ludwig XII., der jene Ehe selbst vermittelte, nahm der tapfere, freigebige, leutselige Herzog auch am Hofe und im Staate eine große Stellung ein, und selbst unter Franz I., der ihn gleich im Anfange seiner Regierung zum Connétable ernannte, wußte er sich mehrere Jahre als der erste Mann des Reichs zu behaupten. Die Siege bei Agnadel und Marignano sowie die darauf folgende Eroberung Mailands waren großenteils ihm zu verdanken. Allmählich aber änderte sich das gute Verhältnis. Eine B. feindliche Partei, an der Spitze die Alencons, gewann bei dem Könige die Oberhand; B. ward aus Mailand zurückberufen, von den 421 Conneabte ten ausgeschlossen, und felbst der Titel Connetable ward ihm verweigert. Als Susanne 1522 starb, schien er der 2n0 bereits genug gedemütigt, um einen großen Schlag gegen ihn zu wagen. Trotzdem ihn seine Gemahlin zum Erben ihrer Gerechtsame bestimmt hatte, trat des Königs Mutter, Luise von Savoyen, als Nichte Herzog Peters, demnach Mitglied der ältern Linie, und neben ihr die Krone selbst mit Ansprüchen hervor. Die Sage hat den Bruch B.s mit Franz anders . verschmähte Liebe seitens des Herzogs habe die begehrliche Königin-Witwe zur Rache getrieben. In der 7 genügt aber die Aussicht für B., zu einem kleinen Grafen von dönigtund e hinabzusinken, um seinen Abfall von König und Staat zu erklären. Er beschloß, mit 2 88 Karls V. und Heinrichs VIII. von England die Rechte und Güter wiederzuerlangen, die in dem schon begonnenen Prozeß ihm verloren u gehen drohten. In Aug. 1522 knüpfte er eine Interhandlung mit beiden an, die auf eine Invasion Frankreichs vom Rhein, den Pyrenäen und dem Kanal her und auf eine Schilderhebung B.s hinausliefen. Noch aber war nichts in Gang gebracht, als schon alles verraten war und B. über Besangon in die Grafschaft Pfirt fliehen mußte. Die Einfälle der Verbündeten B.s, welche dann wirklich in Frankreich erfolgten, scheiterten, und da die Franzosen ihrerseits in Italien einbrachen und die Entscheidung des Kriegs sich dorthin 20 so mußte auch B. über die Alpen gehen. Als ckaiserl. Statthalterv war er unter den Befehlshabern Karls V., welche im Frühjahr 1524 bei Gattinara siegten und die Franzosen aus Italien verdrängten. Er führte das siegreiche Heer über das Gebirge, besetzte Antibes, Frejus, Toulon, ließ sich als Grafen von Provence unter engl. Lehnshoheit huldigen und unternahm die Belagerung Marseilles. Da die Stadt widerstand, gab er mit Unwillen seine Zustimmung zum Rückzuge, der im Sept. unvermeidlich wurde. Das Unglück, welches jetzt die kaiserl. Waffen traf( ranz ging wieder über die Alpen und bedrängte Pavia aufs äußerste), machte B. nicht verzagt. Von dem Erlös seiner Juwelen warb er einen Teil der deutschen Landsknechte, die bei Pavia 24. Febr. 1525 das franz. Heer zersprengten und den König selbst zum Gefangenen machten. Es wäre nun im Sinne B.s gewesen, den Einfall in Gbewerh zu erneuern, aber der Umschwung der Parteiverhältnisse nach dem Frieden von Madrid hielt 70 mit den kaiserl. Heeren in Italien gefesselt. Er war neben Georg von Frundsberg Führer der span.⸗ deutschen Söldnerhaufen, welche am 6. Mai 1527 Rom erstürmten und plünderten. Die Greuel der Verwüstung sah B. nicht mehr. Einer der ersten fiel er durch eine Kugel beim Erklettern der Mauern. Es heißt, er sei noch lebend vor die Peterskirche getragen und da auf dem Platze im vollen Gefühl des Siegs verschieden. Wer ihn erlegt hat, ist ungewiß. Neben andern hat Benvenuto Cellini die Ehre beansprucht, den glücklichen Schuß 9 an zu haben. Er wurde in Gaeêta begraben. .Berl. 1852). Bourbon (Luis Maria von), Infant von Spanien, Kardinal und Erzbischof von Toledo, geb. 22. Mai 1777, war der Sohn des Infanten Luis, eines Bruders Karls III., der vom — 17⁵⁴ die Erlaubnis erwirkte, seine geistliche Würde niederzulegen und sich zu verheiraten. B. erhielt 1800 den Kardinalshut und das Bistum Sevilla, später das Erzstift Toledo. Während der franz. Occupation wurde er zum Präsidenten der Regentschaft von Cadir erwählt, in welcher Stellung er die Dekrete der Konstituierenden Versammlung der Cortes sanktionierte; so befindet sich sein Name unter der Konstitution von 1812 und unter dem Dekret, das die render . aufhob. B. fiel 1814 bei dem zurückehrenden Könige in Ungnade und wurde daher verabschiedet. Bald danauf wurde er auch als ein entschiedener Konstitutioneller in seine Diöcese verbannt, der Verwaltung wie der Einkünfte seines Stifts beraubt. Nach der Revolution vom März 1820 ließ der König jedoch B. rufen und machte ihn zum Präsidenten der provisorischen Regierungsjunta. Bei der Organisation der konstitutionellen Regierung erhielt er eine Stelle im Staatsrat, starb aber schon 19. März 1823.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 403Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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