FeedBoyneburg oder Boineburg
GeschichteBrockhaus 1882

Boyneburg oder Boineburg, ein altes freiherrl., in dem einen Zweige gräfl. Geschlecht, dessen Stammhaus B. im Kreise otenburg des preuß. Regierungsbezirks Kassel gelegen ist. Durch die beiden Brüder Heimbrod und Konrad zerfiel das Geschlecht 1221 in die beiden Hauptstämme von der Weißen und von der Schwarzen Fahne, die beide noch in Blüte stehen. Der Weiße Stamm schied sich in der 14. Generation mit den beiden Söhnen Johann Sigmunds (gest. 1721) in zwei Aste. Der ältere derselben, gestiftet von Freiherr Johann Adolf von B. (gest. 1763), erhielt aus dem Erbe das Schloß und Gericht Stedtfeld im jetzigen Kreise Eisenach des Großherzogtums Sachsen-Weimar, teilte sich aber wiederum in zwei Zweige, einen ältern, in der Burg zu Stedtfeld, und einen jüngern, im Oberhaus zu ere Ai, 6 welche beide noch blühen. 2) Der jüngere Ast, begründet von Ludwig Bernhard von B., erbte ein Dritteil des Schlosses B. in Niederhessen sowie das Rittergut Deubach bei Eisenach und zerfiel in die beiden ebenfalls noch blühenden Zweige zu Deubachshof und zu Wichmannshausen. Unter den ältern Gliedern des Weißen Astes sind zu nennen: Kurt von B., der Kleine Hesse genannt, geb. 1487, gest. 1567, der sich namentlich bei der ECroberung Roms 1527 als General aller deutschen Landsknechte unter rundsberg und Karl von Bourbon auszeichnete. — ohann Christian von B., geb. zu Eisenach 12. April 1622, studierte in Jena, Helmstedt und Marburg, war in seinem 23. 8. 05 hess. Geheimrat, dann hess. Gesandter bei der Königin Christine von Schweden, später Geheimrat und Kämmerer der Kurfürsten von Mainz und der Pfalz, und lebte zuletzt als Privatmann der Wissenschaft. Er starb 8. Dez. 1672 zu Mainz. B. ward zu vielen wichtigen diplomatischen en Hahl herwo zugezogen und tand mit einer großen Zahl hervorragender Perönlichkeiten in Verbindung. Sein Briefwechsel mit Prüschenk wurde von Struve (Jena 1706), der mit Diederich von 4½½½ (Nürnb. 1703) und der mit Conring von Gruber (2 Bde., Hannov. u. Gött. 1715) herausgegeben. Bei ihm bekleidete Leibniz die Stelle eines vWuhelm vo — Sein 21Ror Sohn, Philipp Wilhelm von B., geb. 21. Nov. 1656 zu Mainz, 6n, Leibniz zum Lehrer und Führer auf seinen Reisen, begann seine diplomatische Laufbahn in mainzischen Diensten und erwarb sich als Gesandter in Wien die Gunst Kaiser Leopolds, der ihn zum Reichshofrat und Kämmerer ernannte. Nachdem er die Wahl zum Koadjutor des Kurfürsten von Mainz ausgesch agen und 1699 mit Erfolg für die Vermählung Josephs I. mit Amalie von Braunschweig-Lüneburg gewirkt, nahm er 1702 die W zu an, das er zur blühenden Stadt erhob. Er starb 22. Febr. 1717 kinderlos. Mit ihm erlosch die gräfl. Würde, die er 1697 vom Kaiser Leopold für seine Linie eralten hatte. — Gegenwärtiges Haupt der Ludwigchen Linie des Schwarzen Stammes * Freiherr otho von B. geb. 31. März 1855. — Von dessen Großoheimen ist 9. erwähnen: Freiherr Moritz Heinrich von B., geb. 2. Okt. 1788. Derselbe trat 1804 in die preuß. und 1807 in die westfäl. Armee und wohnte den meisten Feldzügen unter Napoleon I. bei. Am 22. Aug. 1813 ging er mit dem Regiment, das er als Oberstlieutenant befehligte, zu den Österreichern über und blieb in österr. Diensten, in denen er 1832 als Generalmajor zu Temesvär, 1842 unter Beförderung zum Feldmarschalllieutenant zum Divisionär zu Ofen aufrückte. Am 11. Mai 1848 übernahm er an Lederers Stelle die Leitung des ungar. Generalkommandos, das er jedoch im Juli mit einer Stellung in Galizien vertauschte. Hier beteiligte er sich 1. Nov. an der Seite des kommandierenden Generals Baron Hammerstein an der Unterdrückung des zu Lember ausgebrochenen Aufruhrs. Einige Jahre darau trat er mit dem Range eines Generals der Kavallerie in den Ruhestand und starb zu Wien 20. Sept. 1868. — Ein Vetter des letztern, Freiherr Karl Wilhelm von B.⸗Lengsfeld, geb. 27. Aug. 1785, großherzogl. hess. Kammerherr, Helt marschall und Major der Kavallerie a. D., erhielt 1859 und 1860 in Hessen-Darmstadt und Sachsen-Weimar die Erlaubnis zur Wiederaufnahme der der Grafe Würde und ward auch in Bayern bei der Grafenklasse immatrikuliert. Derselbe starb 24. März 1865 zu Darmstadt. Sein Sohn, Graf Sigismund von B.⸗Lengsfeld, geb. 13. April 1827, großherzogl. sächs. Oberschenk, ist das gegenwärtige Haupt des gräfl. Zweigs des Geschlechts.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 418Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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