FeedBrant (Sebastian)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Brant (Sebastian), deutscher Dichter, geb. zu Straßburg 1458, studierte in Basel die Rechte und die klassischen Schriftsteller, erwarb 1484 die Erlaubnis zu lehren und wurde 1489 Doktor beider Rechte und einer der einflußreichsten Lehrer der baseler Hochschule. Auf Empfehlung Geilers von Kaisersberg Huech er in seiner Vaterstadt 1501 die Stelle eines Rechtskonsulenten und zwei Jahre darauf die eines Stadtschreibers. Kaiser Maximilian ernannte ihn zu seinem Rat und lune falzrafen. Ein Streit mit dem Franziskanermönch Wigand Wirth wegen des Do mas der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria entschied sich 1513 zu seinen Gunsten. B. ging 1520 als Abgeordneter der Stadt an Kaiser Karl V. na Gent und starb 10. Mai 1521 zu Straßburg. einen Ruf als Dichter haben weniger seine zahlreichen lat. Poesien als sein deuts geschriebenes Marren-Hei oder das Schiff von Narragoniav (Bas. 1494) egründet, in welchem er die Laster und Thorheiten seiner Zeit, die er einzeln als Narren darstellt, in 113 Kapiteln oder Schiffsladungen mit Witz und Freimut geißelt. Der Vortrag ist im ganzen wenig poetisch, oft zu dlchen kurz und dunkel; doch fehlt es nicht an glücklichen und ½½ Wendungen. Als ein Buch voll gesunden Verstandes, r Welt Moral, geraden und freien Sinnes, vieler Welt- und Menschenkenntniß war es lange ein echtes Volksbuch und so bekannt und geehrt bei allen Klassen, daß Geiler von Kaisersberg zu Straßburg es zum Gegenstand einer Reihe von Predigten machte Es ward sehr oft aufgelegt, zugleich aber auch ala Locher und nicht nur in das Lateinische von Jak. Locher (Bas. 1497), sondern fast in alle europ. Sprachen übertragen. Neue Ausgaben des Werks mit dem Leben des Dichters besorgten Strobel (Quedlinb. 1838), ferner, mit gründlichem Kommentar, Zarncke (Lpz. 1854) und Goedeke (in Deutsche Dichter des 16. Jahrh. », Bd. 7, Opz. 1873); eine lbersetzung Simrock (Berl. 1872). Eine Sammlung Dart lat. Gedichte, wegen literarhistor. Notizen beachtenswert, erschien zu Basel (1498). Außerdem gibt es von B. noch eine Bearbeitung des Freidanko (Straßb. 1508), während die des Rennersv von Hugo von Trimberg (Frankf. 1549) nicht von ar herrührt. Vgl. Zarncke, «Zur Vorgeschichte des ! arrenschiffss (2 Abteil., Lpz. 1868— 71).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 449Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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