Braun (Jul.), Kunst⸗ und Kulturhistoriker, geb. in Karlsruhe 16. Juni 1825, besuchte das dortige Lyceum, studierte seit 1843 in Heidelberg und Berlin erst Theologie, dann Kultur⸗ und Kunstgeschichte, und zwar in der von Ed. 95 in seiner 4Geschichte hunserer abendländ. Philosophiey vertretenen Richtung, die die gesamte occident. und orient. Kultur auf eine gemeinsame ägypt. Wurzel zurückführt. Von 1850 an unternahm er Reisen durch Italien, Sicilien, Agypten, Palästina, Kleinasien und Griechenland, an welche sich ein Aufenthalt in Paris und London anschloß. Im J. 1853 habilitierte sich B. in der philos. Fakultät zu Heidelberg und veröffentlichte bald darauf sein erstes Werk: «Studien und Skizzen aus den Ländern der alten Kultur. Vierzehn Vorlesungen» (Mannh. 1854), eine Art Vorläufer seiner größern Arbeit, der 4Geschichte der Kunst in ihrem Entwickelungsgange durch alle Völker der Alten Welt hindurch auf dem Boden der Ortskunde nachgewiesen» (2 Bde., Wiesb. 1856 —58; neue Ausg. 1873), worin er mit rücksichtsloser uttpiarpun gegen die Vertreter der selbständigen Entwickelung der hellen. Kultur die Ansicht verfocht, daß alle Grundformen der griech.⸗röm. Kunst im Nilthale erfunden, von dort nach Mesopotamien und dann weiter durch Kleinasien nach Hellas «geschoben» worden seien. Dieselbe Tendenz verfolgt mit gleicher Heftigkeit der Polemik gegen die Vertreter anderer Ansichten sein äteres Werk: «Naturgeschichte der Sager (2 Bde., ünch. 1864 — 65), worin er die — religiösen Anschauungen der semit., griech., ital. und nordischen Völker auf einige wenige in Grund. entstandene Ideen, die nach ihm das geistige Grundkapital der ganzen Menschheit ausmachen, zurückzuführen sucht. Seine akademische Stellung in Ungen als gab B. 1860 auf und siedelte nach Tüingen als außerord. Professor, von da 1861 nach München über, wo er schriftstellerischen Arbeiten lebte, die Werke 4Histor. Landschaften v ½ 1867) und Gemälde der mohammed. Welt» (Lpz. 1870) veröffentlichte, später an der Akademie der Künste Vorträge hielt und 22. Juli 1869 starb. Brann (Karl), Parlamentarier und Schriftsteller auf politischem und volkswirtschaftlichem Gebiete, wurde 20. März 1822 zu Hadamar in Nassau geboren. Er besuchte das Gymnasium zu Weilburg und studierte dann in Marburg klassische Philologie und Geschichte, später in Göttingen die Rechts⸗ und Volkswirts aft. In Nassau widmete er sich 1844 zunächst der richterlichen Laufbahn, ging aber, da er wegen seiner schriftstellerischen und polit. Thätigkeit mißliebig wurde, 1849 zur Advokatur über. Nach der Einverleibung Nassaus wurde das wiesbadener Oberappellationsgericht, an welchem B. als Anwalt rezipiert war, nach Berlin verlegt, wohin er im Herbst 1867 mit übersiedelte. Von 1849—66 war B. Mitglied des nassauischen Abgeordnetenhauses und wirkte schon 1849 für die deutsche Einheit. Im J. 1851 wurde die nassauische Verfassung umgestoßen, und die Opposition enthielt sich von da ab der 1o 6 B. beharrte jedoch auf seinem Posten und blieb der Führer der Liberalen im Landtage. Nach der Einverleibung Nassaus wurde B. (von Wiesbaden) in den Norddeutschen Reichstag und den preuß. Landtag, ebenso später (von Gera und Glogau) wiederholt in den Deutschen Reichstag gewählt. Im Norddeutschen Reichstage wirkte er hauptsächlich zur Vereinigung der Liberalen aus den alten und den neuen Provinzen Preußens und aus den nichtpreuß. Ländern zu einer einheitlichen (der nationalliberalen) Partei. Seine volkswirtschaftlichen Bestrebungen begann er schon in der Zollvereinskrisis von 1852. Kurz darauf eröffnete er in wirksamen Broschüren den Kampf gegen die Beschränkungen der Verehelichungs⸗, Gewerbe⸗ und Niederlassungsfreiheit, gegen die Zinstaxen und Wucherstrafen und gegen das feudale π. des Richnn von Thurn und Taxis. In Gemeinschaft mit Michaelis, Prince-Smith, Wolff, Faucher, Lette, Schulze-Delitzsch, Emminghaus, Böhmert, Lammers u. a. gründete er 1858 den Volkswirtschaftlichen Kongreß, dessen ständiger Präsident er seit 1859 ist, und etwas später die 4Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft und Kulturgeschichtev, das Organ der Freihandelsschule in Deutschland. Im Herbst 1879 siedelte er als Rechtsanwalt beim Reichsgericht nach Leipzig über. Mit Lasker, Forckenbeck, Bamberger u. a. trat er 1880 aus der nationalliberalen Partei aus und loß sich den sog. Sezessionisten an, welche den wirtschaftlichen Reformplänen des Fürsten Bismarck vom Standpunkte der Freihandelsdoktrin den entschiedensten Widerstand entgegensetzen. Neben seinen in der „Vierteljahrsschrifto erschienenen volkswirtschaftlichen Abhandlungen hat B. auch eine Reihe jurist., geschichtlicher, fhhurt und polit. Aufsätze in Zeitschriften veröffentlicht. Am bekanntesten von seinen Schriften sind seine „Bilder aus der deutschen Kleinstaaterei» (Erste Folge, 2 Bde., Lpz. 1869; Zweite Folge, 2 Bde., Berl. 1870; 2. Aufl., 5 Bde., Hannov. 1875; 3. Aufl. 1881), «Vier Briefe eines Süddeutschen an den Verfasser der Vier Fra-Den eines Ostpreußeno (Dr. Joh. Jacoby in Königserg), die in drei Auflagen (Lpz. 1867) erschienen, (Frankfurts Schmerzensschreiv, die in zwei Auflagen (Cps 1868) verbreitet wurde, „Gegen Gervinuso (Lpz. 1871), (Während des Kriegs. Erzählungen, Skizzen und Studieno (Lpz. 1871), Mordgeschichten» (2 Bde., Hannov. 1874), polit. und soziale Novellen aus der deutschen RKadurgers⸗ «Aus der Mappe eines deutschen Reichsbürgers v (3 Bde., Hannov. 1874), die gesammelten Schriften ethnolog., kulturgeschichtlichen, jurist., polit. und bilder» (Stuttg. 1875), «Reisestudien (Stuttg. 1875). An die «Bilder aus der deutschen Kleinstaatereiv schließen sich die «Kulturgeschichtlichen Novelleno (Lpz. 1881) und «Doktor Sackauer. Neue Bilder aus der deutschen Kleinstaaterei (Lpz. 1881); an die «Reisestudien 4Eine türk. Reise v (3 Bde., Stuttg. 1876 —78) und «Reiseeindrücke aus dem Südosteno (Stuttg. 1878), die Deutschen Landschafts⸗ und Städtebilder» (Glogau 1881); endlich „Die Wisbyfahrt (Lpz. 1882), eine Schilderun der Reise des Hansischen Geschichtsvereins na Wisby auf Gotland und den andern Niederlassunen der alten KHansa in der Ostsee. Mit dem uche »Von Berlin nach Leipzig» (Lpz. 1880) wandte sich B. wieder dem Gebiete der Rechts⸗ und Kulturgeschichte zu; sein Buch: »Der Diamanten5918 0 (Berl. 1881) geißelt das Treiben des Her8 arl von Braunschweig, während sein neuestes Werk „Von Friedrich d. Gr. bis zum Fürsten Bismarcko (Berl. 1882) eine Darstellung der wirtschaftspolit. Geschichte Preußens und Deutschlands gibt, welche ihre polemische Spitze gegen die Reformpolitik des Reichskanzlers richtet. Die Schriften wie die Reden B.s zeichnen sich durch frischen Humor und Schlagfertigkeit aus.