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VerkehrBrockhaus 1882

Brest, Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements im franz. Depart. Finistere, einer der wichtigsten AEudsatten ankreichs am Atlantischen Ocean, Endstation der Weatraliich a Westbahn Brest), ist amphitheatralisch an dem Ablerbe zweier Hügel erbaut, auf der Nordseite der eede von B., einem tief ins Land eindringenden Busen, dessen etwa 1650—3000 m breiter, 5 EKm langer Eingang Goulet durch die Pointe-Porzie und Matterien aedect und d geschlossen, durch starke Batterien gedeckt und durch fünf Leuchttürme erleuchtet wird. Die Reede, von 30Km Umfang, kann über 500 Kumsin fassen und ist tief und sicher, indem die umliegenden Anhöhen vor Sturm und Wogen schützen. Der eigentliche oder alte Handelshafen bildet einen langen, schmalen Kanal, welcher in die Stadt eindringt und sie in zwei Teile trennt, das eigentliche B. auf der linken und Recouvrance auf der rechten Seite, und faßt mehr als 100 Schiffe. Ein neuer Handelshafen an dem im Süden der Stadt gelegenen Teile der Reede, welcher 12 km Länge haben und ein bedeutendes Bassin umschließen soll wurde unter Napoleon III. begonnen. Der Kriegshafen, einer der schönsten CEuropas, hat von der Batterie La Rose an, ohne die Krümmungen des Bassins, die Bucht der Pulvermühlen u. s. w., 2875m Länge und wird durch furchtbare Batterien gedeckt, sowie auf der Ostseite, westlich von der Bai von Bertheaume, durch eine auf steilem Felsen erbaute Citadelle, das Schloß genannt. Letzteres, ein mittelalterlicher Bau, steht an der Stelle eines röm. Kastells, erlitt aber seit Vaubans Umbau vielfache Veränderungen. Er hat sieben untereinander verbundene Türme; innerhalb erhebt sich eine andere, durch Gräben abgetrennte Festung, der Donjon, mit großen Sälen und Küchen, Souterrains „Gefängnissen, einer Kapelle u. f. w. Die Stadt selbst, vom Flüßchen Penfeld durchströmt, ist mit bedeutenden Festungswerken umgeben, aus welchen drei Thore führen. Sie ist im ganzen unregelmäßig gebaut und hat infolge ihrer Lage abhängige, enge, dunkle und Paradepi Straßen; nur das Neue Quartier, der Paradeplatz und die Quais am Hafen machen eine Ausnahme. Die 500 m lange Promenade Cours-Bajot mit der Aussicht auf die Reede ist eine der schönsten Frankreichs. Unter den öffentlichen Gebäuden sind neben mehrern Kirchen und Kapellen das Rathaus, die Börse, die Seepräfektur und das Theater bemerkenswert. Interessanter erscheinen jedoch die Gebäude und Anstalten am Hafen, vor allen die 1861 über den Meeresarm vor der Penfeldmündung erbaute Drehbrücke, welche den höchsten Schiffen das Einlaufen in den Kriegshafen erleichtert. Sie ruht auf zwei, 28 müber dem Ebbe-Niveau hohen, 106 m voneinander entfernten Türmen und ist 257 m lang. Die Offnung geschieht durch zwei Arbeiter binnen 10 Minuten. Ferner sind hervorzuheben das Seearsenal, welches täglich 8—9000 Arbeiter beschäftigt, die Werfte und Docks, das herrlichste Marinehospital Frankreichs, die Marinekaserne (La Cayenne) für 3500 Mann, die großartigen Schmieden (Pontanion und des Capucins), die Werkstätte der Neustadt, die Bedie Marine⸗ und Proviantmagazine, die Taudrehereien u. s. w. Der 1858 geschlossene Bagno faßte früher über 3000 Galeerensklaven. B. ist der Sitz eines Tribunals erster Instanz, dreier Raranenegerichte, eines Handelsgerichts, einer Handelskammer, des Präfekten des 2. Marine-Arrondissements, mehrerer anderer Marine⸗ und Militärbehörden sowie mehrerer Konsulate. Die Stadt hat eine Bank, mehrere Assekuranzen, ein Marine-Observatorium, einen Botanischen Garten, ein Lyceum, eine Schiffahrts-und eine EielremeSchute Schule, am Bord des Schiffes Inflexible eine Schule für 4—600 Schiffsjungen, außer dem Marine⸗ ein Civilhospital, ein Waisenhaus für Matrosenkinder, eine Stadtbibliothek von 25000 Bänden, außer welcher noch eine Marine⸗ und die Bibliothek der Ecole de Santé, erstere von 18000, letztere von 10000 Bänden, vorhanden sind; ferner eine Societé d'Emulation, eine Akademische, eine Litterarische, eine Ackerbau⸗ und andere Gesellschaften. Die Stadt zählt (1881) 64 599 CE., welche hauptsächlich für die Marine arbeiten. Im übrigen beschränkt sich die Industrie auf Fabrikation von Lichten, Backsteinen, Wachstuch, wasserdichter Leinwand, Matrosenhüten, auf Seilerbahnen, Lohgerbereien, Bierbrauereien und Fischerei. Der Handel, welcher jetzt hauptsächlich in Ausfuhr von Weizen, Butter, Eiern, Gemüse, Früchten, Sardinen und in Einfuhr von Kohlen, Jute, Cement, Holz, Eis, Hanf, Wolle, Speck besteht, verspricht einen bedeutenden Aufschwung zu nehmen, seitdem die Eisenbahnverbindung mit Nantes, Rennes und Paris hergestellt ist, wenn erst der neue Hafen vollendet sein wird. Die Reede steht in Schiffahrtsverbindung mit Port-Launay, Chäteaulin, Quimper, Nantes und Landernau, und nach Havre ist ein regelmäßiger Paketbootdienst eingeführt; 1873 waren 276 Segel- und 294 Dampfschiffe, mit 39981 t Gehalt, außerdem 1395 franz. Küstenfahrer, wovon 55 Dampfer von 54255 t, eingelaufen. Der Wert der Einfuhr belief sich auf 16½ Mill. Frs., die Ausfuhr auf 11430000 Frs. B. ist zwar ein altertümlicher Ort, seine Wichtigkeit begann aber erst im 17. Jahrh. Schon zu Anfang der fränk. Herrschaft stand hier ein altes Schloß, das ein Werk der Römer gewesen sein soll. Im 11. Jahrh. wurde dasselbe von dem Herzog von Bretagne stark befestigt und der Ort x elös erweitert. Später bemeisterten sich die Engländer der Stadt auf lange Zeit, bis sie wieder in den Besitz der Herzöge von Bretagne kam. Bedeutung erlangte sie erst, als 1631 der Kardinal Richelien den Hafen reinigen und befestigen und ein Arsenal und Werfte für Kriegsschiffe erbauen ließ. Der Minister Colbert, der die hölzernen Werfte in steinerne verwandelte, erhob B. zum königl. Kriegsdan ir welchen Ludwig XIV. 1680—88 durch Vauan in starken Verteidigungszustand setzen ließ, sodaß die Engländer, als sie 1694 denselben bei einer Landung wegzunehmen suchten, mit bedeutendem Verluste zurückgeschlagen wurden. Während des franz. Revolutionskriegs wurde auf der Reede von B. 1. Juni 1794 die franz. Flotte unter Villaret-Joyeuse von den Engländern unter Howe geschlagen. Sechs Linienschiffe fielen den Engländern in die Hände, und ein siebentes ward in den Grund gebohrt. In die Reede von B. mündet die Aune, welche mit dem Blavet, dem Oust, der Vilaine und Erdre künstlich verbunden ist, wodurch die im ganzen über 370km lange Wasserstraße, der Canal de Nantes à B., hergestellt wird. Vgl. Levot, Histoire de la ville et du port de B.v (2 Bde., Brest 1865).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 522Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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