Brüder des gemeinsamen Lebens oder Brüder vom guten Willen, auch Hieronymianer oder Gregorianer nach Hieronymus und Gregor d. Gr., die sie als Patrone betrachteten, hieß eine christl. Brüderschaft, welche von Geert Groote, geb. zu Deventer 1340, gest. daselbst 1384, und Florentius Radewins (Radewynzoon, d. h. Sohn des Radewin), geb. 1350 zu Leerdam in Südholland, gest. 1400 in Deventer, um 1376 gestiftet wurde. In diese Vereinigung, welche eine Nachahmung der ersten Christengemeinden sein wollte, wurden Männer ohne Unterschied des Alters und Standes aufgenommen. Sie führten in eigenen KFraterhäuserne ein klösterliches Leben mit gemeinsamem Besitz, gemeinsamer Tracht, gemeinsamen Mahlzeiten und gemeinsamer Erbauung, doch ohne durch ein Gelübde gebunden zu sein, übten eine Hrenon Ascese, beschäftigten sich mit Arbeit, besoners mit Abschreiben von Büchern, mit Gebet und Erziehung der Jugend. Das ernste Streben nach ersönlicher Frömmigkeit ließ sie an manchen Mißräuchen der Kirche Anstoß —.— —— kam es zu keiner Trennung. Es gab verschiedene Amter, doch ohne hierarchische Ordnung; an der Spitze jedes Rektore stand ein Rektor. Alljährlich kamen die ektoren zu gemeinsamer Beratung zusammen. Der Rektor des Haupthauses zu Deventer wurde „Vaterd genannt. Außer den Brüderhäusern gab es auch Schwesternhäuser. Einem solchen Hause stand eine Pflegerin, Martha genannt, vor; über alle t die Maufocht. führte eine Obermartha zu Utrecht die Aufsicht. Trotz der gehässigen Feindschaft, welche sie von den Bettelmönchen erdulden mußten, wurde ihre Vereinigung von mehrern Päpsten, auch von dem Konzilium zu Konstanz anerkannt und sch vo Die Anzahl ed Brüderhäuser . ich vorzüglich in den Niederlanden und ganz Norddeutschland, aber auch in Italien, Sicilien, Portugal so, daß im J. 1430 deren schon 45, etwa 30 Jahre später aber mehr als 130 gezählt wurden. Das letzte entstand 1505 zu Cambrai. Später traten viele der Brüder der Reformation bei, andere ihrer Stiftungen nahmen die Jesuiten in Besitz. Für den Unterricht ist die Wirksamkeit der Bruder des gemeinsamen Lebens von besonderer Bedeutung gewesen. Zwar hegten die Stifter gegen alle Wissenschaften, welche nicht unmittelbar raktischen und moralischen Wert hatten, Geringschätung, desto eifriger aber wurde von ihnen der Volksunterricht gefördert. An manchen Orten errichteten sie in ½ h an an selbst Schulen, an andern schlossen sie sich an andere schon bestehende ulen an, unterrichteten darin, unterstützten die Schüler und verteilten Bücher. Nach dem Wiederaufblühen der ininn in Italien entzogen auch sie der dadurch entstandenen geistigen Bewegung sich nicht, besonders in Deutschland und den Niederlanden. Nächst den Stiftern der Brüderschaft sind von Hieronymianern hauptsächlich zu nennen Gerhard Zerbold von — welcher besonders für den Gebrauch der Muttersprache in religiösen Dinen gewirkt hat, der berühmte Verfasser der Nachlolge Chriti Thomas a Kempis, und der gelehrte Kardinal Nikolaus Cusa. Vgl. Delprat, «Die Brüderschaft des gemeinsamen Lebenso (deutsch von % Lpz. 1840). rüder vom guten Willen, christl. Brüderschaft, s. Brüder des gemeinsamen Lebens.