FeedBrüllaffe
TierreichBrockhaus 1882

Brüllaffe (Mycetes) bildet eine Gattung der plattnasigen amerik. Affen, welche sich durch einen äußerlich als großer Kropf hervortretenden und mit der Luftröhre in Verbindung stehenden Apparat auszeichnen, der aus dem merkwürdig angeschwollenen und in eine Knochenblase verwandelten IZungenbeine und dem nach hinten ungemein hohen, dem Zungenbeine zum Schutze dienenden Unterkieferknochen besteht. Dieser Apparat fängt die Stimme wie ein Resonanzboden auf und gibt ihr eine Stärke, welche alle h, ie 1 bertrift. Der Schädel ist Ihiich diesnn die Nasenscheidewand breit, wderhh sich die Nasenlöcher seitlich öffnen, die Vorderhände Ruh „aber der Daumen nicht entgegensetzbar, die Nägel nicht platt, sondern kurz und gewölbt, das Haar von der Handwurzel bis zum Ellbogengelenk nach hinten gerichtet und der Schwanz lang, ein unten am Ende unbehaarter Kltzames Ein 2 Kinnbart gibt ihnen ein seltsames Aussehen. Die B. sind die größten amerik. Affen, von gedrungenem Bau, mit muskelreichen Gliedern versehen und von einem traurigen, grämlichen Naturell. Sie sind in Südamerika die gemeinsten Affen, von Guaiana bis Paraguay ausgebreitet und leben in den dichten Urwäldern meist zu 10—12 Stück zusammen auf den Bäumen, von denen sie fast nie auf den Boden herabsteigen. Das äußerst stark dröhnende, rauhe, aber doch mehr klagende Geschrei einer solchen Gesellschaft kann in diesen Wäldern wohl „5 Stunde weit gehört werden. Ihre Nahrung besteht aus Blättern, Knospen und Früchten. Die Weibchen, deren immer in Dun zu einem Männchen gehören, werfen nur ein Junges. Da das Fleisch der B. schmackhafter, fetter und weißer als das anderer Affen ist, so werden sie oft geschossen. Auch das Fell wird benutzt. Der größte und gewöhnlichste dieser Affen ist der rote B. (M. seniculus, M. ursinus), auch Predigeraffe oder Alouatte genannt, welcher in Südamerika einen großen Verbreitungsbezirk hat. Sein Körper ist bis zu 50 em lang und der Schwanz noch etwas länger. Die Farbe ändert vom glänzenden Rostrot bis ins Kastanienbraun und felbst Schwarzbraun ab, und die Haare stehen auf der Oberseite ziemlich dicht, unten aber viel dünner. Das Gesicht ist bläulich-schwärzlich, mit dünnen, zerstreuten Borstenhaaren besetzt, am Kinn mit einem starken, zugespitzten, bräunlichen Barte geschmückt; auf dem Vorder⸗ und Hinterkopfe ist das Haar gegen den Scheitel gerichtet. (S. Tafel: Affen der Neuen Welt, Fig. 1.) Kaum weniger groß ist der schwarze B. oder Caraya (M. niger) mit schwarzem Pelz und braunrotem Gesicht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 620Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Tierreich 6