Brunnenkresse (Nasturtium officinale), eine zur Linneschen Klasse der Tetradynamia und zur natürlichen Familie der Kreuzblümler gehörige, in der ganzen nördl. Welt, ja bis Afrika häufige Pflanze, überall, wo sich gesundes, klares, langsam fließendes Quellwasser mit schlammigem Grunde findet. Wie andere Kressen (von dem altdeutschen cresso, scharf) enthält sie die sog, Kressenschärfe an ein ätherisches Ol gebunden. Die B. ist gekennzeichnet durch linienförmige Schoten fast von der Länge der Blütenstielchen; durch gefiederte Blätter, von denen die obern drei-bis siebenpaarig, die untern bloß dreizählig, und durch ausgeschweiftstumpfeckige, eiförmige oder elliptische Blättchen, von denen das unpaarige fast herzförmig. Sie Han schon in alter Zeit als heilkräftig, wird aber heute nur als angenehm schmeckende und gesunde Salatpflanze angebaut. Am frühesten geschah dies wohl im Dreienbrunnen bei Erfurt, wo ihr die zwischen hochaufgeworfenen Gemüsebeeten (Zähnen) sich hinziehenden Wassergräben (Klingen) gewidmet sind. Nach dem Muster dieser Kressekultur wurden auf Befehl Napoleons I. ähnliche Anlagen in Frankreich (zwischen Senlis und Chantilly) ausgeführt. Die kultivierte Kresse ist fleischiger, Hende, und von milderm Geschmack als die wildwachsende, und gibt vom Oktober an und den ganzen Winter hindurch bis gegen Ende April ein angenehmes Gemüse und einen pikanten, auch Kranken zuträglichen Salat. Das Quellwasser des Dreienbrunnens friert nie zu, weshalb die Kresse auch im Laufe des Winters bei günstiger Witterung mehrmals geschnitten werden kann. Im August werden die Kresseklingen neu angelegt. Hierbei wird 10 Grund, nachdem die alte Kresse ausgerissen worden, gereinigt, sorgfältig geebnet und wieder bepflanzt, wozu man sich der abgeschnittenen Spitzen der Kressestengel bedient, welche in den Schlamm der Gräben verteilt werden und sich in kurzer Zeit bewurzeln. Auch die Ufer der Gräben werden neu geordnet und befestigt, damit sie nicht zum großen Nachteil der Kultur einfallen, auch fernerhin in peinlicher Ordnung erhalten. Die Ränder der Sohle aber bleiben in einer Breite von 30 em unbepflanzt 0 der Beuf Zug des Wassers befördert wird. Nach der Bepflanzung läßt man das Wasser wieder bis Wa Höhe von 10—12 em in den Graben. Das Wachstum der Kresse wird durch Anwendung einer reichlichen Düngung in der Zeit, wo die neue Pflanzung zu vegetieren beginnt, oder im Oktober, oder auch zu andern Zeiten befördert. Zu diesem Behufe wird das Wasser abgestellt und strohloser Schaf⸗ oder auch wohl Rindermist gleichmäßig über die Fläche verteilt und in den chlamm niedergedrückt. Auch muß die Kresse nach jedem Schnitte unter das Wasser gedrückt und letzteres von allen gelben Blättern, Pflanzenarten oder sonstigen Ungehörigkeiten gereinigt werden, wozu man sich zweier, besonders hierfür geeigneter Werkzeuge bedient, des Patschbrettes und des Schnedt rettes. Eine recht harte Arbeit ist das Schneiden der Kresse bei der oft sehr rauhen Witterung im Herbst oder Winter, wobei der Arbeiter auf einem über die Klinge gelegten Brette sitzt. Es werden immer nur einzelne Büschel, soviel man mit drei Fingern fassen kann, aus der Fläche herausgeschnitten, auf der Stelle mit einer dünnen Weidenrute gebunden, unter das Wasser niedergedrückt und am Abend gesammelt. Die nicht geschnittenen Partien werden für spätere Schnitte aufgespart und können sich mittlerweile kräftiger entwickeln. Bei größerer Kälte wird die Kresse, so oft sich die Spitzen Üüber das Wasser erheben, unter den Spiegel desselben eingedrückt, da sie sonst an Ansehen und zarter ch, . unt verliert.