Buch, althochdeutsch puoh, mittelhochdeutsch buoch, im Lateinischen liber (d. i. Bast, weil man in der ältesten Zeit auf Bast schrieb), heißen mehrere zu einem Ganzen verbundene Blätter oder Bogen Papier. Das Wort ist entlehnt von der Buche, von welcher Stäbe und Brettchen in ältester Zeit am geeignetsten zum Einritzen von Vocher und Buchstaben befunden wurden. Die Bücher der Alten, meistens auf jenes schöne Material geschrieben, das man aus dem feinsten Baste der ägypt. Papyrusstaude bereitete, waren, nachdem man die einzelnen Streifen dieses Materials aneinander geleimt, um einen Cylinder gerollt und hießen da⸗ * Volumina, Rollen. Nächst dem Papyrus aber enutzte man das Pergament (Membrana), das namentlich seit dem 7. Jahrh. das ausschließliche Schreibmaterial wurde, weil der Papyrus nach der Eroberung Agyptens durch die Araber nicht mehr zu bekommen war. Es ward vorzugsweise zusammengebrochen und ähnlich wie unsere Bücher gebunden oder wenigstens übereinandergelegt; auf diese Weise bildete es die sog. Codices. Da das Pergament kostspielig war, rieb man auch die schon gebrauchten Blätter mit Bimsstein ab, um sie wieder benutzen zu können. (S. Palimpsesten.) Das Baumwollpapier, erst seit dem 9. Jahrh. gebräuchlich, wurde durch das Leinenpapier im 13. Jahrh. verdrängt. Die Alten statteten ihre Bücher mit mancherlei Zierat aus. Den Papyrus beschrieb man nur auf einer Seite; die dazu bereitete Schwärze (Ktramentum), die sich auf . in erculanum gefundenen Rollen sehr gut gehalten hat, wurde mit dem in a (Calamus) aufgetragen, das man am besten in Agypten, Knidos und auf dem Anaitischen See zu finden glaubte. Die Rückseite wurde mit Safranfarbe oder Cedernöl gefärbt. Durch den Cylinder, um welchen die Rolle gewunden und woran sie an dem einen Ende befestigt war, wurde ein Stäbchen gesteckt, dessen beide Enden mit elfenbeinernen oder metallenen Knöpfen und Zieraten aller Art versehen waren. Die Ränder der Rolle wurden, nachdem man sie mit Bimsstein geglättet hatte, schwarz gefärbt, das Gardaber in einer Rolle von purpurn⸗ oder gelbgefärbtem Pergament, manchmal auch in einer Kapsel oder Lade von Cedernholz geborgen, woran der Titel des Werks, auf einen schmalen Streifen Pergament mit uug die Farbe geschrieben, zu lesen war. Aber auch die ½½½½ —— hatten ihre eigentümlichen Verzierungen, wie Miniaturbilder, purpurne Färbung des Pergaments, worauf man dann Buchstaben in Gold oder Silber setzte u. s. w. Der nach %½ heutigen Art gefertigte Einband wurde selbst mit schönen Elfenbein⸗ und Metallarbeiten, ja mit geschnittenen und Edelsteinen ausgeschmückt; in späterer Zeit ward hiermit ein Luxus getrieben, den Hieronymus im 4. Jahrh. bitter tadelt. Im 12. 2 des Mittelalters wurde dies alles anders. Die hereinbrechende Verwilderung vernichtete die der alten Zeit; ja vom 7. bis 11. Jahrh. war sogar der Mangel an Büchern so groß, daß man oft in einer ganzen Stadt auch nicht ein einziges B. fand, und daß selbst reiche Klöster nichts als ein Meßbuch hatten. Auch diese Meßbücher des spätern Mittelalters allnen sich aus durch kunstvolle Einbände mit metallenen Verzierungen oder mit kunstreich ausgeschnittenen Lederdecken, die gegenwärtig von unsern Kunstmuseen sehr gesucht und geschätzt sind. nische Mufeun Exemplare besitzt 3. B. das Germanische Museum in Nürnberg. Die noch auf unsere Zeit gekommenen ältesten Kataloge der Büchersammlungen einzelner Klöster sind Zeugnisse der äußersten Bücherarmut. Indes entwickelte sich bald auch an diesen Stätten jene oft sogar ne ausdrückliche Gesetze der Ordensregel gebotene Rührigkeit im Abschreiben der Bücher, welcher man die Erhaltung von so vielen Werken des Altertums verdankt. Am größten und gewaltigsten war freilich die Umänderung im Bücherwesen, welche durch die Erfindung der Buchdruckerkunst im 15. Jahrh. hervorgebracht wurde. Vgl. Arnett, An inquiry into the nature and form of the books of the ancientso (Lond. 1837); Birt, „Das antike Buchwesen in seinem Verhältnis zur Die künstlerische Ausstattung des B. in seiner jetzigen Gestalt, als aus zusammengefalteten Blättern bestehend, beginnt mit dem frühesten Mittelalter und bezieht sich Lauftöcs auf das Außere, den Einband, wie auf das Innere, die Verzierung des Textes. Schon die ersten Einbände, die erhalten sind, zeigen, daß man die höchste Kunstübung an sie verwendete. Buchdeckel aus der Karolingerzeit, z. B. das zu den deutschen Reichskleinddien gehörende Cvangeliarium Karls d. Gr., zeigen die hölzernen Decken mit Metallplatten von Gold oder Silber belegt und diese mit getriebener Arbeit, mit Edelstein und Email verziert. Andere Reiefs geschnitzte Elfenbeintafeln mit a die Bue eliefs aus dem 10. und 11. Jahrh. Da die Bücher im Mittelalter gelegt und nicht wie heute auf die schmale Seite gestellt und in die Repositorien eingeschoben wurden, so konnten sie zur größern Festigung bronzene Ecken und Mittelstücke erhalten, die mit Laub, Figuren und Knöpfen versehen und so zu weiterer Verzierung benutzt wurden. Das Leder selbst, welches den Überzug der Holzdecken bildete, wurde seiner160 figürlich wie ornamental verziert, und zwar in leichtem Relief durch Schneiden, Heben und Punzieren, welche Arbeit im nassen Zustande des Leders ausgeführt wurde. Später, als nach Erfindung der Buchdruckerkunst die Bücher so m dieselbe nismäßig sich vervielfachten, führte man dieselbe Ornamentation in minder künstlerischer Art durch Pressen mit größern Stanzen aus, in welche die Verzierung vertieft hineingeschnitten war. Zahlreiche Beispiele dieser Art, sowohl in Pergament oder Schweinsleder wie in gewöhnlichem Leder, sind noch aus dem 15. und 16. Jahrh. Wprnae Sie sind zum Teil mit den Porträts der Reformatoren und anderer berühmter Persönlichkeiten verziert. Als die Buchdruckerei die Büchersammlungen reicher und dichter zu füllen begann, entstand die eigentliche Buchbinderei als besonderes Gewerbe. Es ging aber auch mit dem Bucheinband eine Veränderung vor sich. Zur Platzersparung legte man die Bücher nicht mehr, sondern stellte sie aneinander und schob sie hinein. Damit mußten die metallenen Eckstücke und Mittelverzierungen hinwegfallen. An ihre Stelle trat die mit der Hand ausgeführte Goldpressung von Arabesken, Linien, Bändern, deren Motive großenteils den goldverzierten Waffen der Orientalen entlehnt wurden. Von ihnen sind noch der heutigen Typographie die „Züges, freilich ziemlich sinnlos verändert, geblieben. Die Goldpressung blieb die Hauptverzierung im 17. und 18. Fahrh.; sie veränderte nur den ornamentalen Stil. Die berühmtesten Einbände dieser Art aus dem Anfang dieser Periode sind die des franz. Bücherfreundes Grolier. Im 18. Jahrh. trat unter chines.⸗japan. Einfluß vielfach buntes Papier an die Stelle des Leders zur Bedeckung der lächen; dann folgten für Prachtbände Samt, Atas, Seide. Mit diesem unsolidern Material trat auch ein Verfall der Buchbinderei ein; erst in neuester Zeit ist wieder ein Umschwung zum Bessern eingetreten. Namentlich sind es Diplome, Ehrenadressen und ähnliche Ehrengaben, welche kostbaren Einband erhalten, und alsdann benutzt man zur Verzierung Metallstäbe und Metallornamente mit Edelsteinen und Email, Elfenbeinschnitzerei, Malerei u. s. w. Die einfachere Art des farbigen Leders mit goldener Handpressung im Genre Grolier ist zuerst wieder mit Erfolg von Frankreich und von England aufgenommen worden, welches letztere Land den Leder imitierenden Kaliko-oder Leinwandeinband für die gewöhnlichen Arbeiten ainglelte hat. Das geschnittene oder durch Pressung in Relief ehobene Leder wurde dagegen zuerst wieder in Wien mit Erfolg angewandt. Die Tafel: Büchereinbände gibt eine charakteristische Auswahl kunstvoller Einbände früherer Jahrhunderte. Ebenso früh und fast früher noch als der Einband erhielt auch der Text seine künstlerische Verzierung mit Miniaturen. Die Pergament-Arabeske als Schmuck der Manuskripte zeigt schon im 6. und 7. Jahrh. in den irländ. Schriften eine außerordentliche Vollendung und einen höchst originellen Stil, dessen Haupteigentümlichkeit in den künstlichsten Bandverschlingungen besteht. Von roherer Art sind die Verzierungen der gleichzeitigen lombard. Schule und der fränk. denegt er karoling. Zeit. Namentlich von den letztern sind die figürlichen Darstellungen interessanter als die Ornamente. Bedeutender sind die byzant. Manuskripte bis zum 12. Jahrh. Einen schr eigentümlichen Stil mit sorgfaltiger Ausführung zeigen auch die armen. Manuskripte. Auch die mohammed. Schrift entwickelte in den Büchern eine höchst farbenreiche Ornamentation von zierlichster Ausführung, aber ohne die aufeinanderfolgende Vielseitigkeit der Stilweisen occidentalischer christl. Manustripte. Im Occident zeigen die Initialen in jedem Jahrhundert und öfter eine andere Art ihrer Verder Kun die nur ganz im allgemeinen der Geschichte er Kunst zur Seite gehen, niemals von der Architektur die Ornamente entlehnen, vielmehr sich mit ihrem Charakter an die Art und Eigentümlichkeit der Schrift anlehnen. So herrschen zur Zeit des roman. Stils runde, großgeschwungene Züge mit Verschlingungen vor, bei denen eine Zeit lang der Drache oder Lindwurm mit den Windungen seines Schwanzes und Halses die Hauptrolle spielt. Zur Zeit der Gotik treten spitzere Züge auf gleich den Buchstaben; die Arabeske wird oft äußerst fein, klein und zart. Sehr mannigfach wird die Verzierungsart im 15. Jahrh. Die großen Antiphonalen und andere Pergamentfolianten zeigen großgeschwungene Ranken mit stilisierten Blättern und Blumen; die burgund. Schule (in mancher Beziehung die erste dieser Zeit) zeichnet sich durch naturaliische Nachahmung von Früchten, Blumen, Vögeln und andern Tieren, sowie durch die äußerste Feinheit und Vollendung der Malerei aus. Eine große Veränderung brachte die Buchdruckerkunst. Sie verlangte natürlich Ersatz der gezeichneten oder gemalten Arabeske durch eine andere Vernerung, die sich auf der Buchdruckerpresse zugleich mit dem Drucke herstellen ließ. Das war zugleich der Untergang der eigentlichen Miniaturmalerei, soweit sie die Bücher zu verzieren hatte. Anfangs sparte man in Prachtdrucken noch den Raum für gemalte Initialen auf, man ersetzte aber bald die Malerei durch Holzschnitte oder Druckerschwärze. Die Renaissance bietet in dieser Art noch sehr schön gezeichnete Initialen, aber man verlor den Geschmack daran und beschränkte sich auf Bildillustrationen, teils durch den Holzschnitt, teils durch den mühsam eingedruckten Kupferstich. Damit ging die innere Buchverzierung für eine Weile zu Grunde. Erst in neuester Zeit gelangt auch sie mit dem wiedererweckten Holzschnitt zu erneuter Bedeutung. Vgl. Lempertz, Bilderhefte zur Geschichte des Bücherhandelsp (13 Hefte, Köln 1853—65); Le Roux de Lincy, 4Recherches sur Jean Groliero (Par. 1866); Libri, Monuments inédits de Pornement des livreso (Lond. 1862); Julien, Album des reliures artistiquesb (Par. 1869); Michel, Lasreliure frangaise (Par. 1880); Zähnsdorf, «The art of bookbindingo (Lond. 1880). Wienh (frz. main; engl. quire) hieß früher im Papierhandel eine Lage von 24 Bogen Schreib- oder 25 Bogen Druckpapier; 20 B. machten ein Ries, 10 Ries einen Ballen; seit 1877 versteht man unter Neubuch eine Lage von 100 Bogen für beide Papiersorten. (S. unter Papier.) — Beim Handel mit Blattgold und Blattsilber nennt man B. eine Anzahl von 12—25 Blättern.