FeedBudäus
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Budäus, eigentlich Guillaume Bude, franz. Gelehrter, geb. zu Paris 1467, war der Sohn des Jean Budé, Herrn von Yere und Villiers, Oberprokurator beim Kanzleramt und Maitre des Requétes. B. studierte zu Paris und Orléans die klassischen Litteraturen, zugleich auch Mathematik unter Tanaquil Faber, und unter einem Vetter des berühmten Laskaris die griech. Sprache. Unter seinen vielen gelehrten Werken philos., philol. und jurist. Inhalts werden am meisten geschätzt die Abhandlung „De asse et partibus ejuso (Par. 1514), worin er sehr gründliche Aufklärungen über die alte Münzkunde gibt, und die „Commentarii linguae Graecaen (Par. 1519), welche das Studium der griech. Litteratur in Frankreich wesentlich förderten. Sein Stil im Lateinischen sowohl als im Französischen ist kraftvoll, aber oft rauh und durch riech. Konstruktionen verwickelt. Ludwig XII. schidte ihn in seinen Angelegenheiten nach Rom, und Franz I. brauchte * zu verschiedenen Verandlungen; auch stiftete letzterer auf B. Veranlasung das Collége de France, und unter B. und askaris' Anleitung die Bibliothek zu Fontainebleau. Durch B. allein ließ sich Franz I. von einem gänzlichen Verbote der Buchdruckerei abhalten, auf welches die Sorbonne 1533 angetragen hatte. Er starb als königl. Bibliothekar 23. Aug. 1540. Seine sämtlichen Werke erschienen zu Basel 1557 (4 Bde.); sein Leben beschrieb L. Regius (Par. 1540). B. war unter dem Verdachte der Hinneigung zum Calvinismus Eund mr Seine Witwe zog sich nach Genf zurück und trat dort offen zum Calvinismus über, während ihre Söhne in Frankreich der Sache der Reformation dienten. Nach der Bluthochzeit mußten alle Mitglieder der Familie Bude flüchten. Ein Teil wandte sich nach der Schweiz und führte den alten Namen fort. Das bekannte Voltairesche Gut Ferney war vor und nach Voltaire in ihrem Besitz; der letzte Besitzer war Graf Bude de Boissy. Ein anderer Teil der Familie ließ sich unter dem Namen Budde in Pommern nieder. Erst Johann Franz B. änderte nebst seinen Brüdern den Namen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 688Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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