FeedBurnet (Gilbert)
GeschichteBrockhaus 1882

Burnet (Gilbert), ein berühmter engl. Gelehrter, Geistlicher und Staatsmann, geb. 18. Sept. 1643 u Edinburgh, Sohn eines Mannes, der für den Anglitanismus ins Exil gegangen war, während der Bruder seiner Mutter, Anhibald Johnstoun, einer der n 9h. der covenantischen Partei war und mit dem Leben dafür büßte, bildete in sich eine Richtung aus, die inmitten der beiden alten Parteien hinlief und eine Uberleitung des presbyterianischen Systems in die 1660 restaurierte Kirche anstrebte. Es ist dies der sog. Latitudinarismus, der auf Kirche und Staat in England von mächtigem as d. geworden ist. B. gab dieser Gesinnung als Pfarrer von Saltoun und als Professor in Glasgow Raum, bis er darüber mit dem Statthalter Schottlands Lauderdale, einem Mitglied des Cabalministeriums, der die Presbyterianer mit dem Hasse des Renegaten verfolgte, zerfiel. Der Versuch, diesen durch Denunziation im engl. Parlament zu ttian schlug gegen B. selbst aus. Er mußte Schott and verlassen und in London eine untergeordnete Stellung als Kaplan des Master of the rolls suchen, die ihn jedoch mit den vornehmsten olit. Kreisen in Berührung brachte. Seine Zwiscenstellung zwischen den prot. Parteien brachte ihn sogar in gute Beziehungen zu Karl II., der in dieser Zeit ebenfalls eine neutrale Haltun zu behaupten suchte. Jedoch hatte die Toleranz 5³ eine Grenze: die des Protestantismus selbst. Der Katholizismus hatte in ihm einen seiner schärfsten Gegner, und die History of the reformation of the church of Englando, die er damals herausgab, gehört zu den größten litterarischen Erscheinungen des antipapalen Geistes. Erklärlich daher, daß B., der weder Shaftesburys und Monmouths noch Russells Ideen billigte, obgleich er letztern bewundert und zum Tode vorbereitet hat, mit Jakob II., der die Wiederherstellung des Katholizismus als oberstes Ziel seiner Regierung betrieb, auseinander kam. Er ging auf Reisen nach dem Kontinent, und bald nach dem Haag an den Hof ilhelms von Oranien. Hier gelangte er nun in das engste Vertrauen des Prinzen und der Prinzessin, mit denen er vor andern die große Expedition des J. 1688 vorbereitet hat. Dieselbe führte ihn nach England zurück, und als Freund der Ködes 7 Bischof von Salisbury und Mitglied barlaments gehörte er zu den einflußreichsten Stelhmahheiten des Staates. Trotz seiner neutralen seitens der im Unterhanse herrsch uden Whin⸗ 975 Kränkung, daß sein Hirtenbrief In den 17 t des Königs auf den Thron als 10 Haßnaf Recht 88rt Erbanspruch seiner Oemahlin auf das Nocht der Eroberung in einem gerechten Kriege zurüchgeführt war, zur Verbrennung durch Henkershand verurteilt wurde, ein Spruch, den freilich das Oberhaus kassierte. Die Reaktion der Tories im Beginn der Regierung Annas, welche sich auch in der Opposition des niedern Klerus gegen den Latitudinarianismus der Bischöfe zeigte, trieb ihn dann mehr und mehr zu den Whigs, was bei der neuen Erhebung der Tories unter enem und Bolingbroke 17106 sich wieder zu seinem Nachteil wandte. In dem Moment, als die Regierung der neuen, hannov. Dynastie unter Georg I. sich der whigitischen Richtung wieder annahm, starb B. (17. rärz 1715). Für seine Mistory of the reformation of the church of Englands (3 Bde., Lond. 1679—1714; neu herausg. von Pocock, 7 Bde., Lond. 1865, und Ausgabe in 1 Bd., Lond. 1873) wurde ihm der Dank des Parlaments votiert. Seine History of his own time, von seinem Sohne Thomas B. herausgegeben (2 Bde., Lond. 1723 —24; neue Ausg., mit den in der ersten unterdrückten Stellen und Anmerkungen, 6 Bde. Orf. 1823, und 2 Bde., Lond. 1847), so viel Unrichtiges und Parteiisches sie auch enthält, doch die beste Quelle zur Geschichte der engl. Revolution.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 757Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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