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Recht & StaatBrockhaus 1882

Burse, die Burs 20 ein der deutschen Sprache ursprunglich fremdes Wort, entstand aus dem mittellat. (ursprünglich griech.) Wort bursa, welches eigentlich Tasche, Beutel, Säckel, bezeichnete (daher in den Klöstern Bursarius (s.d.]J, der Säckelmeister), in der zweiten Hälfte des Mittelalters aber, mit dem Entstehen der Universitäten, eine ad besondere Bedeutung erhielt. Als in Paris infolge milder Stiftungen Gebäude errichtet wurden, in welchen arme Studierende emeinschaftlich, aber unentgeltlich (später jedoch auch gegen Bezahlung) Wohnung und Unterhalt nebst Unterricht erhielten, bezeichnete man einesteils diese Gebäude, als Sitz der Säckelgemeinschaft, andernteils auch eine Freitelle in denselben mit dem Namen bursa. Die zusemmemvohnenden Studenten (Bursiati oder Bursarii) standen unter strenger Aufsicht des Vorstehers und der Lehrer, durften ohne Erlaubnis nicht ausgehen, mußten sich vorschriftsmäßig kleiden und sollten nur Latein untereinander sprechen. Auf den Universitäten in Deutschland fand das Wort ebenfalls Eingang: Wobn bezeichnete B. hier nur eine — e Wohnung mehrerer Studenten unter Aufsicht eines Magisters. Es waren dies gewöhnlich rivatunternehmungen einer graduierten Person, der die Aufgenommenen für Wohnung, Nahrung und andere Bedürfnisse zu zahlen hatten. Unterricht wurde in den B. in der Regel nicht erteilt, sondern die Studenten mußten an den allgemeinen Vorlesungen der Universität teilnehmen. Seit Mitte des 15. dutr. begann das Inbuv der B. zu verfallen und auf den deutschen niversitäten, die seit dem 16. Jahrh. gegründet wurden, kamen dieselben schon nicht mehr zu Stande. Von den Universitäten aus drang das Wort B. auch in die Sprache des gewöhnlichen Lebens. Es findet sich bei vielen Schriftstellern seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrh., das ganze 16. hindurch und teilweise noch im 17. in der allgemeinen Bedeutung von Rotte oder Schar von Kriegern, Handwerksgesellen und andern Personen, welche gemeinschaftlich zu leben, insbesondere aber auch zu zechen pflegten. Später, etwa seit Mitte des 17. Jahrh., verliert das Wort seine kollektive Bedeutung und tritt mit Veränderung des Geschlechts in die von Knabe, junger Mensch, Bursche, jedoch mit dem Nebenbegriff des Dienenden uber, in der es noch geenwärtig gebraucht wird. Auf den Universitäten heißen Burschen speziell die im dritten und vierten Semester stehenden Mitglieder einer Verbindung. Das Wort Börse (s. d.) geht auch auf das lat. bursa zurück, lehnt sich aber zunächst an das ital. borsa an.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 762Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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