Calonne (Charles Alexandre de), Generalkontrolleur der Finanzen unter Ludwig XVI. von Frankreich, wurde 20. Jan. 1734 zu Douai geboren, wo sein Vater erster Präsident des Parlaments war. Er wurde Generaladvokat am Gerichtshofe zu Artois, dann Generalprokurator beim Parlament zu Douai und hierauf Requétenmeister. Als die Nachfolger Neckers, die Minister Fleury und Ormesson, ihre Amter niederlegten, weil sie nicht im Stande waren, die zerrütteten Finanzen zu ordnen, wurde C. 1783 unter dem Einflusse des Gra⸗ — Artois und des Ministers des Auswärtigen, ergennes, zum Generalkontrolleur des Schatzes ernannt. In dieser Stellung wußte er für die übermitie z Bedürfnisse des Hofs stets Wepch Geldmittel zu schaffen. Die Mittel, deren er sich zur Erlangung des Geldes bediente, waren sehr einfach: er negoziierte, wenn auch unter den ungünstigsten Bedingungen, Anleihen über Anleihen und ließ die Steuern mit großer Härte eintreiben. Das Parlament machte zwar Gegenvorstellungen; doch der König befahl die Einregistrierung der Anleihen, und man mußte gehorchen. Als alle Mittel erschöpft waren, trat C. 1786 mit dem Plane einer Verfammlung von Notabeln hervor. Seine Absicht ging dahin, die Steuerprivilegien der Vornehmen und Reichen zu vernichten, die Fronen und den Salzzoll aufzuheben und eine gleichmäßige Verteilung der Steuern zu erlangen. Obschon das Volk und der Adel die Pheronnete Erdoch der Generalstaaten forderten, so eröffnete C. doch 2. Febr. 1787 die Versammlung der Notabeln, vor welcher er mit der Eröffnung hervortrat, daß das jährliche Defizit zu einer Höhe von 115 Mill. angewa sen sei und * die Regierung von 1776—86 ungefähr 1250 Mill. geborgt habe. Die Notabeln gingen nicht auf die Pläne ein, die er zur Reorganisation der Finanzen vorschlug, sondern sen, die von ihm Rechenschaft. Unter den Angriffen, die man von allen Seiten auf ihn richtete, 4 er an, daß das Defizit bis in die Zeit des Abbé Terray zurückdatiere, wo es 40 Mill. betragen, daß Necker 40 andere hinzugefügt und daß er selbst nicht umhin gekonnt habe, es noch um 35 Mill. zu erhöhen. Es entstand hierauf ein Streit zwischen Necker und C in welchem der erstere nachzuweisen suchte, daß während seiner Verwaltung die Einnahme des Staats die Ausgabe um 10 Mill. überstiegen hätte, und obwohl Necker hierbei die Kosten für den amerik. Krieg nicht einrechnete, so stimmte ihm doch die Versammlung bei, nur um C. zu stürzen. Auch der Hof ließ ihn nun fallen. C. ging nach England und eröffnete von hier eine Fehde mit Necker, in der er viel Geist und Gewandtheit zeigte; aber die Schuld einer schlechten Verwaltung konnte er nicht von sich abwälzen. Als sich 1789 die Generalstaaten versammelten, begab er sich nach Flandern, in der Absicht, dort gewählt zu werden „was aber nicht geschah, und nun trat er in einigen Schriften gegen die Revolution auf. Dann ging er e land, wo er bei den emigrierten rinzen eine gro ze Thätigkeit entwickelte. Als die Bourbons durch die Kriegsereignisse jede Aussicht auf den Thron verloren hatten, kehrte er nach England zurück, hielt aber, von seiner Partei verleugnet, 1802 um die Crlaubnis zur Rückkehr nach Frankreich an, die ihm Bonaparte auch bewilligte. Doch starb C. schon 30. Okt. 1802. Unter den Schriften Cis über den Zustand Frankreichs und 95— Finanzen hat besonders das Tableau de I; Europe en novembre 1795 »„ (Lond. 1796), das ihn den Bourbons verhaßt machte, ein allgemeineres Interesse.