FeedCamerarius (Joachim)
GeschichteBrockhaus 1882

Camerarius (Joachim), eigentlich Liebhard, berühmter deutscher Humanist, geb. zu Bamberg 12. April 1500, ward 1515 von seinem Vater, welcher als Stadtrat und in Ban Kämmerer (daher der Name Camerarius) in amberg in Ansehen stand, nach Leipzig gebracht, wo er die alten Sprachen studierte; 1518 ging er nach Erfurt, schloß sich an Coban Hesse an und ward Professor der griech. WMchan 1521 begab er sich nach Wittenberg, wo er Melanchthons Freundschaft erwarb. Nach einer Reise zu Erasmus na Basel, 1524, und einer andern durch Preußen, 1525, ward C. 1526 auf Melanchthons Empfehlung Lehrer des Griechischen und der Geschichte am Gymnasium zu Nürnberg. Im J. 1530 begleitete er die nürnberger Gesandten auf den Reichstag zu Augsburg und stand hier Melanchthon treu zur Seite. Iun J. 1535 folgte er einem Rufe des Herzogs von ürttemberg an die Universität zu Tübingen, um deren Reorganisation er sich sehr verdient machte; 1541 übertrugen ihm die Herzöge Heinrich und Moritz von Sachsen auf Melanchthons Rat die Neuordnung der Universität Leipzig und des sächsischen höhern Schulwesens. Wegen seiner Mitwirkung am Interim ward C. vielfach angegriffen, nahm jedoch als Abgeordneter Teil an den Reichstagen zu Augsburg, 1555, un zu Regensburg, 1556. Von Kaiser Maximilian 11., der ihn 1569 nach Wien berief, um sich uber verrmißt, sind unter K aufzusuchen. 55* schiedene kirchliche Angelegenheiten mit ihm zu be⸗ —— wurde er mit großer Aufmerksamkeit achen delt und reich beschenkt. C. Schritt Leipzig 17. April 1574. Die Zahl seiner Schriften ist sehr groß. Nächst den Biographien des Cobanus Hessus (1553) und des Fürsten Georg von Anhalt (1555) ist vorüglich die Biographie Melanchthons (1556; neue Ausg. von Strobel, Halle 1777) und die Sammlung der Melanchthons en Briefe (Lpz. 1569) zu erwähnen. Noch immer sind auch seine KCommentarii linguae Graecae et Latinae- (Bas. 1551) nicht ohne Wert. Nach seinem Tode erschienen seine welche interessante Beiträge zur Zeitgeschichte geben. — Sein Sohn Zoach im C., einer der gchttesten Arzte und Botaniker seiner Zeit, geb. zu Nürnberg 5. Nov. 1534, studierte zu Wittenberg, Leipzig und Breslau Medizin und bereiste dann Italien. Seit 1564 praktizierte er in Nürnber wo er die Stiftung einer mediz. Lehranstalt veran ßte, deren Dekan er bis an seinen 11. Okt. 1598 erfolgten Tod war. Er legte sich einen botan. Garten an und kaufte von Kasp. Wolf in ürich die kostbare botan. Bibliothek und die Handschriften Konr. Gesners für 150 Fl. Darunter befand sich auch eine Sammlung von 1500 in Holz geschnittenen Pflanzen, welche er zum Teil bei der Herausgabe des Epitome Matthioli de plantis ete.v (Frankf. 1586; deuts von Handsch unter dem Titel 4 en Werten Frankf. 1586) benutzte. Von seinen übrigen Werken sind zu nennen: De re rustica opuscula nonnullas (Nürnb. 1577), der Katalog der Pflanzen seines Gartens unter dem Titel Hortus medicus et philosophicuso (Frankf. 1588) und „Symbolorum et emblematum ex re herbaria desumtorum centuria una (Nürnb. 1590—97).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 868Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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