FeedCastellio (Sebastian) oder
ReligionBrockhaus 1882

Castellio (Sebastian) oder, wie er selbst sich nannte, Castalio, humanistischer Theolog, geb. 1515 zu St.⸗Martin du Fresne in Savoyen, studierte die alten Sprachen zu Lyon, ward in Straßburg mit Calvin bekannt und von diesem als Rektor einer Schule nach Genf gezogen. Bald zeigten sich jedoch Meinungsverschiedenheiten. C. faßte das Hohe Lied als Liebeslied auf und erklärte sich gegen die im genfer Katechismus vorgetragene Deutung der Höllenfahrt Christi, wonach dieselbe sich auf die Schrecken des Gewissens beziehe, welche Christus wegen unserer Sünde ertragen habe. Deshalb wurde ihm ein Predigtamt verweigert und ihm bedeutet, er möge die Stadt verlassen. C. begab tißt, sind unter K aufzusuchen. sich 1544 nach Basel und hatte hier mit der rößten Not zu kämpfen, bis er im J. 1553 als rofessor der griech. Litteratur angestellt ward. Der Streit mit den Genfern ging noch fort und wurde von Calvin und Beza mit leidenschaftlicher Heftigkeit Peliu An der pseudonymen Schrift Martinus Bellius' De non puniendis gladio haereticiso gegen die calvinischen Ketzergerichte hat C. wohl Anteil gehabt, dagegen hat er es bestimmt in Abrede gestellt betreffs zweier anonymer Schriften gegen Calvins Prädestinationslehre. Die Genfer aateitn bekämpften ihn deshalb mit größter Heftigkeit, beschwerten sich auch über ihn beim baseler Rat, fodaß dieser ihm 1563 die Weisung erteilte, die Theologie andern zu überlassen und sich auf sein Amt zu beschränken. Dazu bot auch Veranlassung die von C. besorgte Übersetzung und Herausgabe der anstößigen «Dialoger Bernardin Ochinos. Sein Hauptwerk ist die Übersetzung der Bibel in lat. und in franz. Sprache. Die lat. Übersetzung vom J. 1551, dem König Eduard VI. von England gewidmet, läßt freilich über dem Streben nach einem reinen, klassischen Ausdruck den biblischen Gedanken bisweilen etwas zu kurz kommen, zeigt aber sonst eine gründliche Gelehrsamkeit. Die franz. Übersetzung vom J. 1553 nähert sich mehr der alltäglichen Volkssprache und trifft daher in den meisten Fällen die biblischen Gedanken weit richtiger. C. starb 23. Dez. 1563. Vgl. Mähly, „Sebastian C. (Basel 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 52Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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