FeedCusanus
ReligionBrockhaus 1882

Cusanus (Nikolaus Chrypffs oder Krebs, von seinem Geburtsort Kues an der Mosel Nikokaus von Cusa oder C. zubenannt), Bischof von Brixen und Kardinal, hat Bedeutung als Kirchenpolitiker und Philosoph. —— J. 1401 geboren, den Eltern wegen harter Len Urich entlaufen, ward C. auf Kosten des Grafen Ulrich von Manderscheid in der Schule der Brüder des gemeinsamen Lebens (s. d.) zu Deventer unterrichtet, begab sich alsdann nach Italien, ward 1424 zu Padua Doktor der Rechte und begann zu Mainz seine Thätigkeit als Rechtsanwalt. Sehr bald jedoch wandte sich C. der Theologie zu, erhielt nach Vollendung der Studien um 1430 die Nlortan:8u ward Dekan des Kollegiatstifts St. Florian zu Koblenz, Propst Münster-Maynfeld und später Archidigkonus und Protonotar zu Lüttich. Vom Miten Legaten Cesarini ward C. im Aug. 1432 als Mitglied des Konzils nach Basel eingeladen und widmete dem Konzil Ende 1433 sein gelehrtes Werk De concordantia catholicao. Wie er hier uerst ühlm daß die Dekretalen des Isidor und ie Erzählung von der Konstantinschen Schenkung auf Fälschung beruhe, so trat er mit großer Entschiedenheit für den Grundsatz ein, daß das allgemeine Konzil über dem Papste stehe und diesen 0 gar absetzen könne, wenn das Wohl der Kirche es verlange. Im Auftrage des Konzils war C. 1435 beim Abschluß der Prager Kompaktaten beteiligt, dagegen fand sein Vorschlag zur Verbesserung des Kalenders, De reparatione calendariio, keine Beachtung und wurde erst 1577 durch den Gregorianischen Kalender wieder aufgenommen. Als 1437 das Konzil mit dem Papste zerfiel, stellte sich C. auf die Seite des Papstes und trat später als Vorkämpfer der päpstl. Suprematie auf. Es läßt sich nicht entscheiden, ob Besorgnis vor einer dauernden Spaltung der Kirche oder Ehrgeiz ihn zu dieser Verleugnung seiner frühern Grundsätze geführt hat. Papst Eugen IV. verwandte den C. zu ehrenvollen Sendungen, 1438 nach Konstantinopel, um die Vereinigung der Hrunh. und röm. Kirche zu betreiben, 1441 nach Frankreich, sowie nach Deutschland zu den Reichstagen zu Mainz (1439), Nürnberg (1439), Mainz (1441), Frank5— (1442), um für die Anerkennung der päpstl. Forderungen zu wirken, und der Abschluß des Frankfurter Konkordats (1447) war besonders sein Werk. Papst Nikolaus V. ernannte C. 1448 zum Kardinal, 1450 zum Bischof von Brixen. Letzteres eschah gegen den Willen des Domkapitels und des andesherrn, Herzog Sigismunds von Ssterreich, und verwickelte C. in einen heftigen, erst nach seinem Tode beendeten Kampf, in welchem er die hierarchischen Lund ahnrich maßlos steigerte und sogar Wortbruch und ähn ahn Mittel nicht verschmahte. Im J. 1451 unternahm C. als päpstl. Legat eine Reise durch ganz Deutschland und die Niederlande, um die Klöster zu strengerer Zucht zurückzuführen. Diese Bemühungen waren von mehr Erfolg als die Versuche, die Hussiten zur röm. Kirche zurückzuführen oder die deutschen Fürsten für einen Krieg gegen die Türken zu gewinnen. C. starb am 11. Aug. 1464 zu Todi in Umbrien. Sein Vermögen und seine Bibliothek vermachte er dem zu Kues begründeten Hospital; an der Schule zu Deventer stiftete er eine Bursa Cusana für 20 arme Studierende. Als Prediger war C. einer der bedeutendsten seiner Zeit und seine Predigten zeigen eine seltene mißt, sind unter K aufzusuchen. Tiefe des Gemüts und Schönheit der Sprache. Als Philosoph nimmt C. eine eigentümliche Doppelstellung ein. Von den Fesseln und Schranken der mittelalterlichen Scholastik hat er sich losgemacht und ringt, an Mystik und Neuplatonismus sich anschließend, mächtig nach neuen Gedanken. Dies Neue klar zu gestalten und konsequent durchzuführen, gelingt ihm jedoch nicht, und so findet man bei ihm allerdings eine Fülle von Keimen und Andeutungen, welche erst spätere Denker weiter geführt haben, aber kein klares, einheitliches System. Auf die geschichtliche Entwickelung der Philosophie hat C. fast nur durch Vermittelung des Giordano Bruno (s. d.) Einfluß gewonnen. Sein philos. Hauptwerk ist De docta ignorantiad (um 1440). C. Schriften erschienen gesammelt Basel 1565, weit korrekter Paris 1514, deutsch von A. Scharpff, Nikolaus von Cusas wichtigste Schriften (Freib. i. Br. 1862). Über sein Leben vgl. A. Scharpff, „Der Kardinal und Bischof Nikolaus von Cusav (Mainz 1843); derselbe, Der Kardinal und Bischo Nik. von Cusa als Reformator in Kirche, Reich und Philosophies (Tüb. 1871); Dux, «Der deutsche Kardinal Nik. von Cusad (2 Bde., Regensb. 1847). Üüber seine polit. Stellung vgl. Alb. Jäger, Der Streit des Kardinals Nik. von Cusa mit dem Herzog Sigismund von Ssterreicho (2 Bde., Innsbr. 1861); Stumpff, «Die polit. Ideen des Nik. von Cusap (Köln 1865); Clemens Brockhaus, Gregor von Heimburge² (Lpz. 1861); derselbe, WNicolai Cusani de concilii universalis potestate sententia explicaturo (Lpz. 1867). über seine Philosophie ogl. Clemens, «Giordano Bruno und Nik. von Cusas (Bonn 1847); Zimmermann, Der Kardinal Nik. von Cusa als Vorläufer Leibnitzenso (Wien 1862); R. Falkenberg, «Grundzüge der Philosophie des Nik. C. mit besonderer Berücksichtigung der Lehre vom Erkenneno (Bresl. 1880). Quscüta, Linnésche Pflanzengattung, welche nach einigen zur Familie der Convolvulaceen gehört, nach andern die Hauptgattung einer eigenen kleinen Familie, der Cuscuteen, bildet. Ihre Arten sind blattlose Schmarotzergewächse mit fadenförmigen, schlingenden Stengeln, welche sich mittels reihenweise gestellter Saugwarzen an andere lebende Pflanzen anheften, sich von deren Saft, den sie aufsaugen, ernähren und dadurch denselben verderblich werden können. Das gilt besonders von der sog. Flachsseide (C. Epilinum L.), welche auf dem Flachs schmarotzt und bisweilen bedeutenden Schaden auf Flachsfeldern macht, und von der sog. Kleeseide (C. Epithymum Sin.), welche auf Klee schmarotzt und die einmal befallenen Pflanzen so aussaugt, daß sie absterben. Die gemeinste Art, C. europaea L., auf allerhand Kräutern und Sträuchern, besonders auf Hopfen und Nesseln vorkommend, richtet auf . doch wird bier ebenfalls ziemlichen Schaden an; doch wird hier die Nährpflanze meistens nicht getötet, sondern nur in ihrer Entwickelung gestört. Die meisten Arten finden ich in Nordamerika, einige in Europa, Südafrika, ustralien, China, Indien. Da die Kleeseide und Hanfseide an vielen Orten ganz bedeutenden Schaden anrichten und sich sehr leicht über ganze Fluren verbreiten können, so ist in mehrern deutschen Staaten durch Gesetz bestimmt worden, daß Landwirte, auf deren Ackern sich die genannten Schmarotzer finden, die davon befallenen Pflanzen durch Ausroden oder Abbrennen vernichten müssen. Um das Saatgut von den Samen der Schmarotzer zu reinigen, benutzt man besondere, zu diesem Zwecke konstruierte Siebe. ushing (Caleb), amerik. Jurist und Politiker, eb. in Salisbury in der Grafschaft Essex im Staate assachusetts 17. Jan. 1800, ließ sich 1821 zu Newburyport in demselben Staat als Advokat nieder, widmete sich aber auch ebenso eifrig litterarischen Studien als polit. Bestrebungen. Während er von seinem Staate in die Gesetzgebende Versammlung als Abgeordneter und Senator gewählt wurde, schrieb er vortreffliche Artikel für die North American Reviewo. Im J. 1829 besuchte er für die nächsten zwei Jahre Europa und hielt sich besonders in Spanien auf, welches er in zwei Bänden (Reminiscences of Spaino (1833) ausführlich beschrieb. Von 1834 bis 1842 wurde C. von dem nördl. Distrikt Esser als Abgeordneter in den Kongreß gesandt, wo er anfänglich den Whigs, später den Demokraten ang 4* Seine Ernennung zum Schatzsekretär durch den Präsidenten Taylor wurde vom Senat nicht bestätigt. Im Sommer 1843 ging er als Vereinigter-Staaten-Kommissar nach China und schloß hier den ersten Vertrag mit der kaiserl. Regierung ab. Nach seiner Rückkehr trat er energisch für den mexik. Krieg ein, wurde bei dessen Ausbruch Oberst eines Freiwilligenregiments, im Felde aber dem Stabe des kommandierenden Generals Taylor beigegeben, in welcher Stellung er zum Brigadegeneral avancierte. achdem C. in seinem Geburtsstaate wieder verschiedene untergeordnete Stellungen bekleidet hatte, trat er von 1853 bis 1857 als Generalstaatsanwalt in das Kabinett des Präsidenten Pierce. Vor Ausbruch des Bürgerkriegs hielt C. zu dem äußersten Flügel der Sklavenhalter und präsidierte dem demokratischen Nationalkonvent in Baltimore, welcher Breckinridge zum Präsidentschaftskandidaten ernannte; nach Beginn der Feindseligkeiten aber trat er für die Union ein. Im J. 1866 ward er mit zwei andern bedeutenden Advokaten beauftragt, die Gesetze der Vereinigten Staaten zu revidieren und zu kodifizieren; 1872 wohnte er als einer der Bundeskommissare in Genf der Konferenz zur Schlichtung der Alabama-Ansprüche bei. Als Frucht seiner dortigen Thätigkeit veröffentlichte er 1873: «The Treaty of Washingtono, worin er den Charakter und die Haltung des engl. Schiedsrichters Sir Alexander Cockburne scharf kritisierte. Im J. 1874 ging er als Gesandter nach Spanien, wo er die Streitigkeiten wegen des Schiffes Virginius beilegte. Er kehrte 1877 in seine Heimat zurück und wohnte bis zu seinem 2. Jan. 1879 erfolgten Tode zu Newburyport in Massachusetts. Eushman (Charlotte Saunders), die bedeutendste amerik. Schauspielerin, 23. Juli 1814 zu Boston geboren, entwickelte frühzeitig eine große Neigung für dramatische Poesie und Musik, glänzte von ihrem 15. Jahre an in Privatkonzerten und erregte allgemeine Bewunderung durch ihre ausgezeichnete Stimme. Um dieselbe Zeit erhielt sie einen tüchtigen Lehrer in dem aus Europa angelangten Mäder. Sie debütierte 1835 als Gräfin in Figaros Hochzeito und erntete so stürmischen Beifall, daß Mäder sie bei seiner Abreise nach Neuorleans für seine Oper engagierte. In Neuorleans erfuhr jedoch die Sängerin einen Unfall, der ihre Zukunft zu vernichten drohte. Sie verlor infolge des klimatischen Wechsels ihre Stimme. Doch der mißt, sind unter K aufzusuchen. Schauspieler Barton führte sie ihrem eigentlichen Berufe entgegen, indem er sie zur Tragödin bildete. C. trat zuerst als Lady Maebeth auf; mehrere Abende hintereinander mußte die Vorstellung wiederholt werden. Nach dem Schluß der Saison ging C. nach Neuhork, von da nach Philadelphia, dann wieder nach Reuyork, während welcher Zeit sie ihren Ruf fest begründete. Sie durchreiste hierauf mit dem berühmten Macready die nördl. Staaten und segelte endlich im Winter 1845 nach England. Mit ihrer jüngern Schwester Susan, die auf ihr Anraten sich gleichfalls der Bühne gewidmet hatte, erntete sie als Romeo, während Susan die Julie spielte, dann als Lady Macbeth, als Rosalind und als Königin Katharina in London den lebhaftesten Beifall. C. blie 2U Werr Jahre in England, und als sie 1849 aus den Vereinigten Staaten wieder dahin zurückkehrte, erneuerten sich ihre Triumphe. Ihr Vaterland besuchte sie wiederholt 185758, bei welcher Gelegenheit sie ihre Kunstreisen bis nach Californien ausdehnte, und zog im letztern Jahre nach Rom. Im J. 1860 nach Amerika zurückgekehrt, betrat sie die Bühne nur selten und zog sich 1866 gänzlich von ihr zurück; am 7. Nov. 1874 erschien C. zum letzten mal auf dem Theater und starb 18. Febr. 1876 in Boston. Vgl. die von E. Stobbing veröffentlichten ⸗Memoiren und Briefwechsel C.so (Boston 1878). — Ihre Schwester Susan, geb. 1822, gleichfalls eine tüchtige Schauspielerin, mit welcher sie in England jahrelang gemeinschaftgespielt hatte, vermählte sich 1848 mit James Sheridan Muspratt, Professor der Chemie in Liverpool, wo sie 10. Mai 1859 starb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 724Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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