Chätellerault (im Mittelalter Castrum Heraldi, Castellum Airaldi), Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Departement Vienne, in dem frühern Oberpoitou, an der Eisenbahn von Orléans nach Bordeaux und an der hier schiffbar werdenden Vienne, über welche eine 1565—1609 erbaute steinerne Brücke zur Vorstadt Chäteauneuf führt, in einer sehr fruchtbaren Gegend, 32 Km im NN0O. von Poitiers, ist Sitz eines Tribunals erster Instanz, eines Friedens⸗ und eines Handelsgerichts, hat mehrere durch ihre Bauart bemerkenswerte Kirchen, wie die 1863 restaurierte Kirche St.⸗Jacques und die Kirche St.⸗Jean Baptiste von 1496, ein Departementsgefängnis und eine Börse und zählt 15244 E. Dieselben verfertigen viel Eisen- und Stahlwaren, besonders Messer und Scheren, außerdem Spitzen, Leder, Kerzen, lithographische sowie Mühlsteine, Uhren, Quincaillerie- und Bijouteriewaren, falsche Diamanten, unterhalten Pachs⸗ und Leinwandbleichen, Essigsiedereien und Mühlen, und treiben starken Handel mit Wein, Branntwein, Pflaumen, Spargel, Futtersamen, Mehl, Holz, Salz, Schiefer, Eisen- und Stahlwaren. Auch befindet sich hier eine große Waffenfabrik mit fünf Ateliers, die 1800 Arbeiter beschäftigen. C. bildete mit seinem Gebiete die Vizegrafschaft Chätelleraudois, deren Herren im 14. Jahrh. ausstarben, worauf sie nach und nach an verschiedene Häuser, zuletzt an das Haus Bourbon fiel. König Franz I. erhob sie zum Herzogtum für den Connétable Franz von Bourbon; dann wurde sie 1538 mit der Krone vereinigt, durch Heinrich III. aber verpfändet, sodaß sie wieder in Privatbesitz überging. Beim Ausbruch der Revolution besaß sie der Herzog de la Tremouille.