FeedChätillon-sur-Seine
ErdkundeBrockhaus 1882

Chätillon-sur-Seine, die Hauptstadt eines Arrondissements im Depart. Cöte-d'Or (Burgund), im Mittelpunkte einer bergigen Landschaft an der obern Seine, an der Französischen Ostbahn und der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn, ist Sitz eines Tribunals erster Instanz und eines Handelsgerichts, hat ein Collége und eine öffentliche Bibliothek von 16000 Bänden. Die Stadt zählt (1876) 4994 E., welche Gerberei, Papierfabrikation und lebhaften Handel mit Getreide, Wein, Holz, Leder, Tuch, Leinwand,‚ Eisen und Eisenwaren treiben, von deren Fabrikation in der nähern und fernern Umgebung C. der Mittelpunkt ist. Zu C. residierten mehrere Herzöge von Burgund, von deren Burg auf dem die Stadt beherrschenden Felsen gegenwärtig noch Trümmer vorhanden sind. n neuerer Zeit ist die Stadt durch den vom 5. Febr. bis 19. März 1814 uch Lenanf Congreß von Chätillon historisch bekannt geworden, auf welchem sich die verbündeten Mächte, während ihre Heere auf dem franz. Boden siegreich vordrangen, noch einmal mit Napoleon I. in Unterhandlung über den Frieden und die Grenzen Frankreichs setzten. Von seiten Englands war der Mininister Rmden . von Ssterreich Graf Stadion, von Preußen W. von Humboldt, von Rußland Graf Rasumowski abgesandt, und für Napoleon unterhandelte der Minister des Auswärtigen, General Caulaincourt, Herzog von Vicenza. Den Unterhandlungen dienten die 27. Nov. 1813 zu Frankfurt gemachten Vorschläge zur Grundlage. Napoleon forderte einen Waffenstillstand und erklärte sich bereit zur Auslieferung aller festen Vlätze nißt, sind unter K aufzusuchen. in den von Frankreich abzutretenden Ländern. Die Verbündeten verlangten einen vorläufigen Friedensschluß und sicherten Frankreich unter der Bedingung die alten Grenzen zu, daß ihnen sechs der wichtigsten Grenzfestungen ausgeliefert würden. Caulaincourt hatte von Napoleon unbeschränkte Vollmacht erhalten, und der Friede würde vielleicht zu Stande gekommen sein, wenn nicht Napoleon, durch die anscheinend günstigen Erfolge seiner Waffen bewogen, die Vollmacht zurückgenommen und seine Bedingungen im Vertrauen auf sein erneutes Gluck höher gespannt hätte. Infolge des Rückzugs des verbündeten Heers auf das rechte Seineufer trug Schwarzenberg 19. Febr. Napoleon einen Waffenstillstand an. Gleichzeitig wurde dem letztern durch einen Eilboten aus C. der von sämtlichen Bevollmächtigten der Verhündeten unterzeichnete Entwurf eines vorläufigen Friedens übersandt, welcher die Bedingung enthielt, daß Paris bis zum völligen Friedensschlusse von den Verbündeten besetzt werde. Diese Bedingung beleidigte den Stolz Napoleons so sehr, daß er alle Vorschläge verwarf, mit Ssterreich aber besondere m diete Versuche anzuknüpfen versuchte. Nachdem diese Versuche gescheitert waren, gerieten die Verhandlungen zu C. völlig ins Stocken. Die Verbündeten bestimmten daher den 10. März als die letzte Frist, bis zu welcher Napoleon den Friedensentwurf entweder annehmen oder einen entsprechenden Gegenentwurf einreichen sollte, und als Caulaincourt die Unterhandlungen hinzuziehen suchte, bewilligte man noch eine Frist von fünf Tagen. Endlich, 15. März, wurde von Napoleon ein Friedensentwurf übergeben, nach welchem er auf Holland verzichtete, mit Ausschluß von Belgien nebst der Schelde und Nimwegen, dagegen Italien nebst Venedig als Königreich für Eugen Beauharnais und dessen Erben, das linke Rheinufer für Frankreich und Entschädi-Rancie. für seine Brüder und Verwandten verangte. Mit der achten Konferenz am 19. März wurden darauf die Unterhandlungen zu C. abgebrochen. In einer am 25. März, während die Heere der Verbündeten schon auf dem Marsche nach Paris begriffen waren, zu Vitry gegebenen Erklärung rechtfertigten die letztern die Fortsetzung des Kriegs. Im Deutsch-Französischen Kriege überfiel bei C. 19. Nov. 1870 eine Abteilung des Garibaldischen Korps unter Ricciotti Garibaldi die daselbst stehenden deutschen Truppen, meist Landwehr, die sich unter harten Verlusten auf Chäteau-Villain im Depart. Obermarne zurückziehen mußten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 212Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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