Chatib ist der von allen islamit. Sprachen aufgenommene arab. Titel eines zu den bevorzugtern Ulema zählenden mohammed. Kultusbeamten, welcher Freitags beim Mittagsgottesdienst in der Moschee von dem Minber, einer lediglich diesem Zweck dienenden Kanzel, herab vor der versammelten Gemeinde die Chutbeh, d. i. die Fürbitte für den Sultan, zu sprechen hat. Ein C. ist immer nur an einer Hauptmoschee, Dschami(lgleichsam Kathedrale), angestellt, und nur in einer solchen findet sich ein Minber; letzteres nimmt ausnahmslos die Stelle zur Rechten des Mihräb, d. i. der Gebetnische, den vornehmsten Platz des heiligen Raumes, ein. Der C. folgt in der islamit. Hierarchie unmittelbar auf den Scheich der Moschee; er hat also den Rang vor den Imamen. Seine Ernennung erfolgt durch ein Hattischerif des Sultans, während die übrigen Bediensteten der Moschee vom Scheich-ul⸗-Islam, dem Groß-Mufti, ihre Bestallung erhalten. Da im Orient die Erwähnung in der Chutbeh von jeher als äußeres Zeichen der Souveränetät betrachtet wurde und also polit. Bedeutung hatte, so genießt der C. eines besondern Ansehens. In der Chutbeh selber, einem ziemlich langen, mit lauter Stimme vorzutragenden Gebet, werden vier Teile unterschieden; zunächst Lob Gottes (Hamdele), dann Segensspruch über den Propheten (Ssalwele), dann arab. Vorlesung aus den traditionellen Aussprüchen Mohammeds (Hadis), und endlich Fürbitte für den regierenden Sultan und seine Armee.