Chopin (Fredévic Francois), ausgezeichneter Pianist und Komponist, geb. 1. März 1809 zu Zelazowa-Wola bei Warschau, stammte aus einer wenig bemittelten Familie franz. Herkunft. Er erhielt im Alter von neun Jahren Klavierunterricht durch den Böhmen Zywny, und seine Fortschritte machten den Fürsten Radziwill auf ihn aufmerksam, welcher für seine Ausbildung Sorge trug. Mit 16 Jahren studierte er unter Elsner (Direktor des warschauer Konservatoriums) die Komposition, machte sodann einige Reisen nach Deutschland und trat 1829 in Wien öffentlich auf. Nach längerm Aufenthalt daselbst begab er sich 1831 nach Paris, wo er von seinen emigrierten Landsleuten eifrig unterstützt wurde. Von Paris aus verbreitete sich nun sein Ruf in alle Länder. Schon 1837 zeigten sich indes bei dem Künstler Symptome eines Brustleidens, welches, nachdem er trotz Kränklichkeit im Frühling 1848 noch eine Konzertreise nach London unternommen, 17. Okt. 1849 seinen Tod herbeiführte. Das Klavierspiel C.s war ausgezeichnet durch Feinheit und Grazie des Vortrags, in Verbindung mit einer Technik von höchster Vollendung. Bezüglich des Klaviersatzes in seinen Werken ist er entschieden schöpferisch zu nennen. Seine Art der Figuration beruht auf ganz anderm Grund und System als bei der durch Hummel, Moscheles und Kalkbrenner zum Abschluß gelangten wiener Schule des Klavierspiels. Namentlich sind es seine (Etudeno, in welchen er die Eigentümlichkeit seiner Leistungen dargelegt hat. Der Zauber, welchen seine Kompositionen ausüben, hat hauptsächlich seinen Grund in der glücklichen Mischung des romantischen und national-poln. Elements. Doch möchten kaum alle, besonders in seinen letzten Werken vorkommenden Bizarrerien und Extravaganzen aus diesen beiden Clementen, sondern vielmehr aus der ungesunden Atmosphäre der damaligen franz. Romantik zu erklären sein. Am ungezwungensten und frischesten spricht sich sein Naturell in den Stücken kleinerer Form (den Mazurken, Walzern, Notturnen, Polonaisen und Impromptus) aus, wie denn auch die überwiegende Zahl seiner Kompositionen in dergleichen Stucken besteht. In den größern Werken (den Konzerten, einem Trio, den Sonaten, Balladen u. s. w.) ist er öfter unebenmäßig weitschweifig und läßt die eigentlich tiefere musikalische Bildung vermissen. Die Werke kleinern Umfangs schrieb er hauptsächlich in seiner Jugend, und es ist bei seiner eigenartigen Entwickelung erklärlich, daß er über das bis zum 25. Jahre Geleistete später nicht »rmißt, sind unter K aufzusuchen. hinauskam. Sein Leben beschrieb Schucht (Lpz. 1880), F. Liszt französisch (3. Aufl., Lpz. 1882; deutsch von La Mara, Lpz. 1880) und grundlicher Karasowski (3. Aufl., Dresd. 1881).