FeedChristian II.
GeschichteBrockhaus 1882

Christian II., König von Dänemark und Norwegen, Herzog von Schleswig-Holstein, Sohn des Königs Johann, geb. zu Nyborg auf Fünen 2. Juli 1481, regierte seit 1501 als Statthalter in Norwegen und folgte nach dem Tode des Vaters, 20. Febr. 1513, als Herrscher durch Wahl der Stände in Dänemark und Norwegen und der einen Hälfte von Schleswig-Holstein, während die andere Hälfte sein Oheim, Herzog Friedrich, beherrschte. Schon als der hatte C. in Bergen einen Liebeshandel mit der schönen Holländerin Dyveke (s. d.) angeknüpft, deren Mutter, Sigbrit Willums von Amsterdam, die einflußreichste Ratgeberin des jungen Königs wurde. Er vermählte sich 1515 mit der Riederländerin Elisabeth (Isabella), der Schwester Kaiser Karls V. C. hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, den unterdrückten Bürger⸗ und Bauernstand zu heben und eine selbständige Handels- und Gewerbthätigkeit zu begründen. Dadurch kam er zunächst in Konflikt mit den deutschen Hansestädten, welche bis dahin unter dem Schutze ausgedehnter Privilegien fast ausschließlich den skandinav. Norden mit den Produkten ihrer Industrie versorgt und den Ausfuhr⸗ und Zwischenhandel daselbst monopolisiert hatten. Aber auch der dän. Adel fand sich durch die Reformen in seinen Vorrechten und materiellen Interessen bedroht. In Schweden war C. 1497 zum Thronfolger gewählt worden, aber 1501 hatten die Schweden sich wieder von der Union mit Dänemark und Norwegen ermißt, sind unter K aufzusuchen. losgesagt und die Regierung einem Reichsverweser aus dem Geschlecht der Sture übertragen. Nach mehrern mißlungenen Expeditionen unterwarf C. 1520 ganz Schweden. Aber unmittelbar nach der Huldigung hielt C. ein furchtbares Gericht über die vornehmsten Männer Schwedens (Stockholmer Blutbad vom 8. bis 10. Nov. 1520). Die Folge war ein neuer Aufstand unter Führung des Gustav Wasa (s.d.), welcher mit der definitiven Losreißung Schwedens von der Kalmarischen Union endigte. Nun erklärten auch die Hansestädte, voran Lubeck und Danzig, den Krieg, der Adel in Jütland empörte sich und bot dem Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein die dän. Krone an. C. floh im April 1523 mit seiner Familie und seinen Schätzen von Kopenhagen nach den Niederlanden, während sein ganzes Reich binnen wenigen Wochen dem neuen König Friedrich I. (gest. 1533) huldigte. Die Restaurationsversuche C.s blieben erfolglos. Ein Heer, das er noch 1523 in Deutschland werben ließ, lief bald wieder wegen Geldmangels auseinander. Bei einem zweiten Versuch auf Norwegen (1531) ward er selbst gefangen. Zwar kämipfte in dem Kriege, der nach dem Tode Friedrichs I. über Dänemark hereinbrach (der sog. Grafenfehde, 1534 - 36), nochmals eine Partei für die Wiedereinsetzung C.s, aber sie unterlag, und der König blieb bis an seinen Tod in Gefangenschaft. Er ward zuerst auf dem Schloß Sonderburg auf Alsen im Gewahrsam gehalten, wo man ihn mit grausamer Strenge behandelte, erst seit 1550 in milderer Haft auf dem Schloß Kallundborg auf Seeland, wo er 4. Febr. 1559 starb. C. hinterließ keine männliche Nachkommenschaft. Von seinen beiden Töchtern ward Dorothea an den Kurfürsten Friedrich UI. von der Pfalz, Christine erst mit Franz Sforza, dann mit Herzog Franz von Lothringen verheiratet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 356Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6