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GeschichteBrockhaus 1882

Christine, Königin von Schweden, geb. 8. (18.) Dez. 1626, die Tochter Gustav Adolfs und der Prinzessin Marie Eleonore von Brandenburg, erhielt nach dem Willen ihres Vaters als künftige Thronerbin eine mehr männliche als weibliche Erziehung. Nach seinem Tode gaben die Reichsstände der sechsjährigen Königin die fünf höchsten Kronbeamten zu Vormündern, indem sie diese zugleich mit der Landesverwaltung beauftragten. Ausgestattet mit einer lebhaften Einbildungskraft und einem außerordentlichen Gedächtnis, machte sie die schnellsten Fortschritte; sie wurde vertraut mit den alten Sprachen, mit Geschichte, Geographie und Politik; daneben war sie in allen körperlichen Übungen geschickt. An ihrem 18. Geburtstage übernahm sie selbst die Regierung. Sie endigte den 1643 mit Dänemark begonnenen Krieg und erhielt durch den Vertrag zu Brömsebro 1645 mehrere Provinzen. Sodann beschleunigte sie gegen Oxenstjernas Meinung die Wiederherstellung der Ruhe in Deutschland und war hierauf mit Erfolg bemüht, den Handel zu heben und die Wissenschaften zu fördern. Unter den Fürsten, die sich um ihre Hand bewarben, zeichnete sich vor allen ihr Vetter, Karl Gustav von Pfalz-Zweibrücken, aus. Obschon sie seinen Antrag, wie alle übrigen Bewerbungen um ihre Hand, ablehnte, bewog sie doch 1649 die Reichsstände, ihn zu ihrem Nachfoler zu bestimmen, worauf sie sich 1650 mit großer racht krönen ließ. Seitdem veränderte sich ihr Benehmen auf eine auffallende Weise; sie vernachlässigte ihre alten Minister und hörte auf den Rat mißt, sind unter K aufzusuchen. ehrgeiziger Lieblinge, wie Tott, de la Gardie, Pimentelli u. a. Als infolge dessen Unzufriedenheit im Lande entstand, erklärte die Königin, die Regierung niederlegen zu wollen. Doch brachte sie Orxenstjerna wieder von diesem Entschlusse ab. Seitdem leitete C. die Regierung wieder mit mehr Energie. Dabei beschäftigte sie sich eifrig mit den Wissenschaften, kaufte Gemälde, Münzen, Handschriften, Bücher, unterhielt mit vielen Gelehrten Briefwechsel und berief Descartes, Grotius, Salmasius, Bochart, Vossius, Meibom u. a. nach Stockholm, wo die Königin mit ihnen in vielfache Verbindung trat. Das steigende Mißvergnügen des Volks rief jedoch bald von neuem bei ihr den Entschluß hervor, der Krone zu entsagen. Upsala und legte vor diesen (6. Juni) die Zeichen der königl. Würde ab, um sie dem Prinzen Karl Gustav zu übergeben. Sie behielt sich ein bestimmtes Einkommen, völlige Unabhängigkeit ihrer Person und die höchste Gewalt über alle diejenigen vor, die zu ihrem Hofstaate gehörten. Schon den folgenden Tag reiste sie ab und ging über Dänemark und Hamburg nach Brüssel, wo sie feierlich einzog und einige Zeit lebte. Hier trat sie insgeheim und nachher zu Innsbruck öffentlich zur kath. Religion über. Von Innsbruck reiste sie nach Rom, wo sie in Amazonenkleidung zu Pferde mit vielem Glanze einzog. Bei der Firmung uoch Papst Alexander VII. fügte sie ihrem Namen no den Namen Alessandra bei. Im J. 1656 ging sie nach Frankreich, wo sie zu Fontainebleau, Compiegne und Paris verweilte. Sie wollte die Vermittlerin zwischen Frankreich und Spanien werden; allein Mazarin lehnte diese Vermittelung ab und wußte ihre Abreise zu beschleunigen. Ihr ahre war besonders deshalb merkwürdig, weil sie hier im königl. Schlosse zu Fontainebleau 10. Nov. 1657 in Gegenwart des Paters Lebel nach abgehaltenem Gerichte ihren Oberstallmeister, Marquis konaldeschi (s. d.), hinrichten ließ, der ihr ganzes Vertrauen besessen hatte, jetzt aber des Hochverrats von ihr beschuldigt wurde. Der franz. Hof gab ihr sein Mißfallen zu erkennen, und es vergingen zwei Monate, ehe sie es wagen durfte, sich in Paris öffentlich zu zeigen. Nachdem sie 1658 nach Rom zurückgekehrt, geriet sie in arge Geldverlegenheit, weshalb Papst Alexander VII. ihr eine Pension von 12000 Scudi gewährte. Nach dem Tode Karl Gustavs (1660) unternahm die Königin eine Reise nach Schweden. Da der Kronprinz noch sehr jung und kränklich war, erklärte sie, im Falle seines Todes den Thron in Anspruch nehmen zu wollen, wurde jedoch genötigt, eine förmliche Entsagungsakte zu unterzeichnen. Infolge dessen verließ sie Stockholm, kehrte zwar 1667 nach Schweden zurück, ging aber, ohne die Hauptstadt erreicht zu haben, nach Hamburg, als sie hörte, daß man ihr die öffentliche Ausübung ihrer Religion nicht zugestehen werde. Im folgenden Jahre bewarb sie 10 um die poln. Krone, aber ohne Erfolg. Endlich kehrte sie nach Italien zurück, wo sie den Rest ihrer Tage zu Rom in Beschäftigung mit Künsten und Wissenschaften verlebte. Sie stiftete eine Akademie, brachte kostbare Sammlungen von Handschriften, Münzen und Gemälden zusammen und starb 19. April w1689. C. ward in der Peterskirche beigesetzt, und der Papst ließ ihr ein Denkmal errichten. Zum Haupterben setzte sie den Kardinal Azolini, ihren Intendanten, ein. Ihre Bibliothek kaufte Papst Alexander VIII., die Gemälde und Antiken Odescalchi, der Neffe Innocenz' XI., und einen andern Teil ihrer Gemälde 1722 der Herzog von Orléans. Sie hat auch einige kleine Werke hinterlassen, die meist in Arckenholz' Memoiren der Königin C.y (deutsch, 4 Bde., Berl. 1751-60) enthalten sind. Die Die der 1762 unter ihrem Namen erschienenen Briefe ist nicht erwiesen. Vgl. Grauert, C., Königin von Schweden, und ihr Hof' (2 Bde., Bonn 1837— 42); Woodhead, Memoir of C. Queen of Sweden (2 Bde., Lond. 1863).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 362Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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