Christlich-soziale Partei, eine im J. 1878 vom Hofprediger Stöcker in Berlin Manuner; u Partei. 1 Dez. 1876 traten einige Männer, welche politisch der konservativen, kirchlich der orthodoxen, wirtschaftlich der agrarischen, schutzzöllnerischen oder zunftlerischen Richtung angehörten, zur Gründung eines »Vereins für Sozialreformo zusammen, der den „Staatssozialisto schuf, um in dieser Wochenschrift durch öffentliche Erörterungen ein sozialreformatorisches, zur wirksamen Bekämpfung der Sozialdemokratie geeignetes Programm Labzuklärend. Der Verein wie sein Organ erreichten den gewünschten Zweck nicht, sondern siechten nur mehrere Jahre hin, um dann ganz zu verschwinden, wohl aber gelang es einem der Gründer, dem Hofprediger Stöcker in Berlin, schon im Jan. 1878 die öffentliche Aufmerksamkeit dadurch in meist sympathischer Weise zu erregen, daß er den sozialdemokratischen Agitatoren, wie namentlich dem wüsten Most, in ihren urch wielzeithen kräftig entgegentrat. Ermutigt durch vielseitigen Beifall, entschloß sich der orthodoxe und rednerisch Iebeiter Geistliche sofort, eine achristlich-soziales Arbeiterpartei zu gründen, welche zwar in geistigem Zusammenhange mit dem „Verein für Sozialreformo bleiben, aber sich doch darin von demselben unterscheiden sollte, daß sie sich auf ein abgeschlossenes Programm stellte. Dieses Programm zerfiel in einen allgemeinen und einen besondern Teil. Der letztere stellte aus den konservativen, liberalen und sozialistischen Programmen eine Reihe sozialpolitischer Forderungen usammen: Gründung obligatorischer Fachgenossenschaften, Regelung des Lehrlingswesens, gewerbliche Schiedsgerichte, obligatorische Witwen⸗ und Wai-Normalarbeitstag, Fabrikgesetze, Wiederherstellung der Wuchergesetze, progressive Einkommen⸗ und Erbschaftssteuern u. s. w. Im allgemeinen Teile des ritlich sozi wurde dagegen als Kennzeichen der ristlich-sozialen Partei «der christl. Glaube und die Liebe zu König und Vaterland » en Wider-Dieses Programm erregte nicht nur heftigen Widersten V von liberaler Seite, sondern auch die schwerten Bedenken konservativer Sozialpolitiker, denen Goltz, Scheel, Laveleye u. a. lebhaften Ausdruck gaben; ja selbst der preuß. Oberkirchenrat richtete einen Erlaß an die evang. Geistlichkeit, in welchem er sie dringend vor der Beteiligung an diesen Agitationen warnte. Stöcker aber ließ sich durch nichts beirren, sondern bemühte sich, auf der Grundlage eines Programms die Arbeiter zu sammeln. Nach em Erlaß des Sozialistengesetzes im Herbst 1878 wurde der ursprüngliche Zweck der christlich-sozialen Agitation, die Bekämpfung der Sozialdemokratie, teilweise hinfällig. Indessen Stöcker richtete ihre Spitze nunmehr gegen die liberale Weltanschauung, welche er in eibenen Den bekämpfte. Trotzdem wurde sein Treiben in den Kreisen der Konservativen und der Regierung nach wie vor vielfach mißtrauisch betrachtet und die christlich-soziale Den pe würde vielleicht auf ein weiteres Dasein haben verzichten müssen, wenn nicht ihr Führer unter Benutzung gewisser Mißstimmungen des öffentlichen Lebens in Berlin sich im Herbst von 1879 auf die antisemitische Agitation geworfen hätte. — wurde Stöcker dadurch in eine Reihe persönlicher Fehden verwickelt, doch aber entwickelte er dadurch die christlich-soziale Partei zu einer gewissen Blüte. Freilich brachte sie es in der Judenfrage zu keinem klaren Programm; ander vr behandelte Stöcker dieselbe bunt durcheinander bald als religiöse, bald als sozial-wirtschaftliche, bald als Rassenfrage. Ebenso fehlt es der christlich-sozialen Partei an einer gegliederten und greifbaren Organisation. — Umfang gab Stöcker 1882 auf 3—4000 wirkliche Mitglieder an; Arbeiter finden sich darunter nicht oder nur in ganz verschwindender Anzahl. Unter den 18 Vorstandsmitliedern ist kein einziger Arbeiter und nur ein Danr die brigen sind Beamte, Fabrianten oder Geistliche.