FeedClajus (Joh.)
GeschichteBrockhaus 1882

Clajus (Joh.), der Altere, eigentlich Klai, geb. 24. Juni 1535 zu Herzberg in Kursachsen, besuchte die Fürstenschule Grimma und die Universität Leipzig, war von 1560 bis 1568 an der Schule zu Goldberg in Schlesien als Lehrer der Ton- und Dichtkunst und des Griechischen angestellt, dann kurze Zeit Rektor zu Frankenstein in Schlesien, studierte hierauf in Wittenberg Theologie, wurde 1570 als Rektor nach Nordhausen und 1573 als Prediger nach Bendeleben bei Weißensee in Thüringen berufen, wo er 11. April 1592 starb. Unter seinen zahlreichen Schriften befinden sich acht Bücher deutscher und sechs Bücher lat. Gedichte, eine Ausgabe von Luthers Kleinem Katechismus in deutscher, lat., griech. und hebr. Sprache, und besonders eine Grammatica Germanicae linguae (Lpz. 1578), eine der frühesten Arbeiten auf diesem Gebiete, an welcher C. zwanzig Jahre lang mit hingebendem Fleiße thätig gewesen war. C. wendet darin die Formen der lat. Grammatik auf die deutsche Sprache an. Vgl. Perschmann, 95. 1840 C.“ des Altern Leben und Schriften (Nordh. 1874). Johann C., der Jüngere, geb. 1616 zu Meißen, wurde in Wittenberg als Student der Theologie zum Dichter gekrönt und ging 1644 nach Nürnberg, wo er 1647 Lehrer an der Schule zu St. Sebaldus wurde. Seit 1650 Prediger in Kitzingen, starb er daselbst 1656. C. war neben Birken und Harsdörfer eins der Häupter der Nürnberger Dichterschule. Gemeinschaftlich mit letzterm gründete er die unter dem Namen Pegnitzorden (s. d.) bekannte Dichtergesellschaft und verfaßte das Pegnesische Schäfergedichto (Nürnb. 1644). Von seinen geistlichen Liedern haben sich einige bis auf neuere Zeit herab in Gesangbüchern erhalten. Besonders be—⸗ merkenswert sind seine sog. geistlichen Trauer- und Freudenspielex, wie „Die Auferstehung Jesu Chui⸗ und „Die Höllen- und Himmelfahrt Jesu Christi nebst darauf erfolgter sichtbarer Ausgießung des Heiligen Geisteso, Herodes der Kindermördere, „Der leidende Christuso, Engel- und Drachenstreito, «Freudengedicht der seligmachenden Geburt Jesu Christiv u. s. w. Eine Auswahl der Gedichte des C. findet sich in W. Müllers Bibliothek deutscher Dichtero (Bd. 9, Lpz. 1826).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6