FeedClemens Romanus
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Clemens Romanus, einer der Apostolischen Väter, war der Sage nach der 1213 oder dritte er uih. von Rom nach dem Apostel Petrus. In der überlieferung des 2. Jahrh. spielt derselbe als Schüler des Petrus und als Mittelsmann zwischen Judenchristentum und Heidenchristentum eine hervorragende Rolle. Zuverlässiges über seine Per son ist nicht bekannt. Ob der im Briefe an die Philipper 4, s als Mitarbeiter des Paulus erwähnte C. derselbe ist, wie schon ältere Kirchenlehrer annahmen, muß ebenso zweifelhaft bleiben als die allerdings durch manches empfohlene Idendität des röm. Gemeindehauptes mit dem wegen Hinneigung zum Christentume hingerichteten Vetter Domitians, dem Konsular Flavius Clemens. In letzterm Falle würde sein Tod etwa ins J. 96 n. ei fallen. Die spätere Sage weiß dagegen von seiner Verbannung in den Thrazischen Chersones und seinem Märtyrertode 102 n. Chr. zu erzählen. Die ½W5 dem C. zugeschriebene Litteratur zerfällt in einen heidenchristlichen und einen judenchristl. Zweig. Zu dem erstern gehört namentlich der ihm zugeschriebene, jetzt vollständig wieder aufgefundene Brief an die Korinther, ein nach den meisten ums J. 94, nach andern erst um 120 verfaßtes röm. Gemeindeschreiben zum Zwecke der Herstellung kirchlicher Ordnung in der von Parteien zerrissenen korinth. Gemeinde. Der Grundcharakter der Theologie in diesem Schreiben ist ein abgefärbter und stark ins Gesetzliche hinüberspielender Paulinismus. Der sog. 4«zweite Brief v des C. ist, wie sich seit der Wiederauffindung des vollständigen Textes ergeben hat, enle kein Brief, sondern eine in der H Hälfte des 2. Jahrh. verfaßte Homilie, welche gewiß nicht von C. geschrieben worden ist. Zu den judenchristlichen Schriften, welche seinen Namen tragen, gehören außer den Apostolischen Konstitutionen (s. d.) besonders die sog. Clementinischen Rekognitionen und Homilien. Dieselben sind eine doppelte Überarbeitung einer ältern judenchristl. Schrift und gehören zu den wichtigsten Denkmälern des essenischen Judenchristentums im 2. Jahrh. Petrus erscheint darin als der eigentliche Heidenapostel, während Paulus unter der Maske des Magiers Simon als falscher Apostel bestritten wird. Christus wird darin aufgefaßt als der wahre Prophet, der schon in den Erzvätern erschienen ist, das Christentum als das wahre Judentum, die Heidenchristen nur als Proselyten des Thores, wogegen der Opferkultus und ein großer Teil des Alten Testaments als Verfälschung verworfen und ein streng ascetisches Leben empfohlen wird. Die Clementinische überarbeitung kleidet diese Streitunterredungen des Petrus mit Simon in eine Art von Familienroman, als dessen Held der von Petrus bekehrte römische C. erscheint. Außerdem existieren unter dem Namen des C. in syr. Sprache noch zwei Briefe an die Jungfrauen, ein frühestens aus dem 3. Jahrh. stammendes Machwerk. Am besten sind die beiden Briefe des C. von Lightfoot (Lond. u. Cambridge 1869; dazu ein Appendix, Lond. 1877), Hilgenfeld (Novum Testamentum extra canonem Freceptum v, Fascikel 1, Lpz. 1866; 2. Aufl., Lpz. 1876), Bryennios (Konstantinopel 1875), Harnack und Gebhardt (2. Aufl., Lpz. 1876), Funk (Tüb. 1881) herausgegeben worden. Die syr. Briefe sind mit lat. übersetzung von Beelen (Löwen 1856) und (nur lateinisch) von Funk (Tüb. 1881), die Rekognitionen (in der allein erhaltenen lat. Übersetzung des Rufinus) von Gersdorf (Lpz. 1838), die Homilien von Schwegler (Stuttg. 1847), vollständig von Dressel (Gött. 1853) und Lagarde (Opz. 1865) herausgegeben. Vgl. Lipsius, De Clementis Romani epistola ad Corinthios priore (Lpz. 1855), und über die Homilien und Rekognitionen [Baurs «Gnosisv (Tüb. 1835) und die Schriften von Schliemann (1844), Hilgenfeld (1848) und Uhlhorn (1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 450Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sagen & Mythen 6