FeedCochlaeus (Johs.)
ReligionBrockhaus 1882

Cochlaeus (Johs.), eigentlich Dobenek, bisweilen nach seinem Geburtsorte Wendelstinus genannt, einer der heftigsten Gegner Luthers, war 1479 zu Wendelstein in Franken geboren, studierte zu Köln, ward 1510 Leiter der Schule bei St. Lorenz zu Nürnberg, wo er die humanistischen Studien sehr förderte, begleitete 1515 die Neffen Wilihald Pirkheimers nach Italien und ward 1520 Dechant an der Frauenkirche zu Frankfurt a. M. Von hier erschien er auf dem Reichstage zu Worms, 1520, und forderte Luther auf zu einer Disputation; später schrieb er sehr heftige polemische Schriften gegen Luther, worauf dieser jedoch nur anfangs antwortete, Wider den gewappneten Mann C.» (1523). Nach mancherlei Irrfahrten ward C. 1528 Sekretär beim Herzog Georg von Sachsen und nahm als solcher auf dem Reichstage zu Augsburg an der Abfassung der Konfutation teil. Im J. 1539 ward C. Kanonikus zu Breslau, war 1540 auf dem Hagenauer Konvent, 1546 auf dem Regensburger Reliionsgespräch zugegen, lebte alsdann in Eichstätt, In olstadt und Mainz seiner schriftstellerischen Thätigkeit und starb 10. Jan. 1552 zu Breslau. Von den polemischen Schriften, welche durch vielseitige Gelehrsamkeit und spitzfindige Dialektik glänzen und in maßlos heftiger Sprache geschrieben sind, hat namentlich Bedeutung die Historia de actis et scriptis Luthericis 1517—47v (Mainz 1549 u. öfter). Hier wird der Versuch gemacht, die ganze Kirchenspaltung aus der Eifersucht des Dominikaner⸗ und Augustinerordens abzuleiten. Von den histor. Arbeiten haben Wert die Historiae Hussitarum libri XIIY (Mainz 1549). Vgl. Otto, Johann C., der Humanisto (Bresl. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 476Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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