FeedCrescentius
ReligionBrockhaus 1882

Crescentius, ein röm. Patriciergeschlecht, dessen älteste Spuren sich zu Anfang. des 10. Jahrh. finden, wo die Familie in der Sabina begütert war und ihre Mitglieder den Titel Dux trugen. Unter Kaiser Otto I. führte ein C. den Beinamen avom Marmorpferder, nach den bei seiner Wohnung auf dem Quirinalischen Hügel stehenden berühmten ermißt, sind unter K aufzusuchen. Dioskurengruppen. Vielleicht war er derselbe, welcher 974 an der Spitze des Aufstandes stand, dessen Opfer Papst Benedikt VI. ward. Den größten Namen machte sich indes Jo hannes C., auch C. Nomentanus genannt, wa rscheinlich des Ebengenannten Sohn, in dessen Hand sich unter Kaiser Otto III. eine Zeit lang alle Gewalt in Rom vereinigt befand. Sein Leben war ein fortwährender Kampf gegen das Kaisertum, dem er sich, mit dem Titel eines Patricius, als weltlicher Herr der Stadt inmitten des tiefen Verfalls des Papsttums entgegenstellte. Obwohl nach Ottos III. Krönung 996 zu Gnaden angenommen, stiftete er doch den Aufstand gegen den von Otto eingesetzten Papst Gregor V. (Bruno, Sohn Herzog Ottos von Kärnten) an, welchen er unter Einsezung eines Gegenpapstes, Johanns XVI., zur Flucht nötigte. Bei des Kaisers Rücktehr 998 vermochte er die Stadt nicht zu halten. Er verteidigte sich noch längere Zeit in der Engelsburg, bis diese 29. April von den Deutschen erstürmt und er auf der Höhe derselben enthauptet ward. Die Sage hat sein Ende ausgeschmückt und mit demselben den frühen Tod des Kaisers verknüpft, indem sie letztern an Gift sterben läßt, welche des C. Witwe, Stephania oder Theodora, dem Kaiser, dessen Liebe sie gewonnen, gereicht haben soll. Ein ½½ erbaute im 11. Jahrh. das jetzt irrig Casa di Rienzi genannte Haus am Ponte-Rotto, das eigentümlich mit antiken Fragmenten verziert, das älteste hulihrem Roms ist. Die röm. Familie Serlupi hat ihrem Namen den der Crescenzi beigefügt. Marquis della Torre, geb. gegen das Ende des 16. Jahrh. in Rom, widmete sich der Malerei und erregte durch einige Jugendarbeiten die Auf-Rinal eit Pauls V. Er begleitete 1617 den Kardinal Zapata nach Spanien und wußte sich dort die Gunst Philipps III. zu erwerben. Einige Blumenstücke verschafften ihm den Auftrag, das Begräbnispantheon im Escurial auszuführen, welches durch seine Pracht und die Schönheit er einzelnen Teile zu den merkwürdigsten Denkmälern Europas gehörk. König PhilippIV. erhob ihn zum Granden von Castilien, mit dem Titel eines Marquis della Torre, und Hndrid ihn auf vielfache Weise aus. Er starb in Madrid 1660, nach andern 1665. reseimbeni (Giovanni Mario), ital. Dichter und Litteraturhistoriker, geb. 9. Okt. 1663 in Macerata, studierte die Rechts⸗ und schönen Wissenschaften, wurde im 16. Jahre Doktor der Rechte, ging sodann nach Rom, wo er sich vorzugsweise mit der Dichtkunst beschäftigte und 1690 die Gründung der Akademie der Arkadier (s. d.), deren langjähriger erster Kustos er wurde, veranlaßte. Von Clemens XI. zum Kanonikus ernannt, später Jesuit, starb er 8. März 1728. Sein Hauptwerk, die (Istoria della volgar poesias (zuerst Rom 1698, wozu Trattato della bellezza della volgar poesiao, Rom 1700, und Commentarii intorno alla volgar pocsiav, 5 Bde., Rom 1702—11; alle drei zusammen als «Istoria della volgar poesia in einer durch Anmerkungen von Seghezzi wesentlich bereicherten Ausgabe, 6 Bde., Vened. 1730—31), mit großem Sammelfleiße, aber geist- und kritiklos, ist nur als litterarische und biographische Notizensammlung brauchbar. Seine Rime erschienen 1695 in Rom (3. Aufl., Rom 1723); eine Sammlung seiner zahlreichen Gelegenheitsschriften und Elogien erschien unter dem Titel: Le vite degli Arcadi illustris (5 Bde., Rom 1708). Aus der aIstorias ist besonders abgedruckt: Le vite de' pin celebri poeti provenzali scritte in lingua franzese da Giovanni di Nostradama, e trasportate nella toscana, illustrate eaccresciutes (Rom 17²²) u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 671Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6