Cromer (Martin), poln. Geschichtschreiber, geb. 1512 in Biecz unweit Krakau, besuchte die krakauer Akademie und zog hier die Aufmerksamkeit des Bischofs Chojenski auf sich, der ihm die Mittel verschaffte, Deutschland und Italien zu bereisen und insbesondere in Bologna und Rom zu weilen. Nach seiner Rückkehr erwarb sich C. die Gunst des Königs Sigismund I., der ihn seinem Sohne Sigismund August als Sekretär nach Wilna beigesellte. Auch nach seiner Thronbesteigung bebielt dieser C. an seiner Seite, benutzte ihn bei Staatsangelegenheiten und erhob ihn in den Adelstand, um ihm den Weg zu höhern geistlichen Würden zu bahnen. C. wurde Domherr in Krakau. Als solcher erhielt er den Auftrag, die in Krakau befindlichen ältern Staatsschriften zu ordnen, wodurch er zu dem Entschlusse gelangte, eine neue Geschichte Polens zu schreiben. Dieses Werk: De origine et rebus gestis Polonorumo (Basel 1555 u. öfter; beste Ausg., Köln 1589), wurde alsbald für die vorzüglichste poln. Geschichte erklärt und so gut aufgenommen, daß dem Verfasser von den poln. Ständen auf dem Reichstage ein Dank votiert ward. Es reicht von den Anfängen der poln. Geschichte bis zum J. 1506. Seine Zeit beschreibt C. nicht, er stellt nur in einem eleganten Latein, doch oft ohne Kritik, zusammen, was er in ältern Geschichtswerken vorgefunden. Später übertrug ihm Sigismund August die wichtigsten Missionen an Papst Paul V. und die Kaiser Karl V. und Ferdinand I., mehrere Jahre hielten ihn die ungar. und preuß. Angelegenheiten in Wien und Prag fest, nachher befand er sich auf dem Deutschen Reichstage in Frankfurt und in den Hansestädten. Nach dem Tode des Kardinals Hosins, mit dem C. in den freundschaftlichsten Verhältnissen gestanden und dem Tridentiner Konzil beigewohnt hatte, wurde er 1578 zum Bischof von Ermeland erhoben, auch als solcher vom Könige Stephan Bathori zu diplomatischen Verhandlungen in Betreff Preußens und Livlands benutzt. Er starb 23. März 1589. Höher als sein Geschichtswerk schätzt man jetzt sein geogr.⸗statist. Werk Polonia, sive de situ, populis, moribus ete. Poloniaer (Basel 1568 u. öfter), in dem er ein ziemlich genaues Bild von Polens Zustande in damaliger Zeit nach eigener Anschauung entwirft. Auch gehört C. zu den besten neulat. Rednern. Er war ein heftiger Gegner der Reformation und bekämpfte diese durch strenge Verordnungen in seinem Bistum, sowie durch zahlreiche Schriften.