Dlugosz (Jan), lat. Longinus, poln. Historiker, wurde 1415 in Brzeznica geboren und erhielt seine Ausbildung auf der krakauer Akademie. Er trat in den geistlichen Stand und wurde zum Domherrn bei der krakauer Kathedrale ernannt. Als lolcher entfaltete er eine besondere Geschicklichkeit bei polit. Unterhandlungen, sodaß ihm der König Kasimir IV. oft die wichtigsten dipklomatischen Sendungen anvertraute. Nachdem er kurz zuvor zum Erzbischof von Lemberg ernannt worden war, starb er 1480. Zur Abfassung seiner Mistoria polonicay (herausg. von van Hapnen, 2 Bde., Lpz. 1711—12) veranlaßte ihn sein Gönner, der Bischof Zbigniew von Krakau. Die ersten Bücher derselben haben geringern Wert; unschätzbar dagegen sind die letzten drei Bücher, die von 1386—1480 reichen, in welchen D. teils nach gleichzeitigen Dokumenten, teils nach eigenen Erlebnissen seine Zeit schildert. Außerdem verfaßte D. eine Vita beatissimi Stanislaiv (Krak. 1511), ferner eine interessante Beschreibung der in der Schlacht bei Tannenberg von den Polen er1beuteten Feldzeichen der preuß. Ordensritter: Banderia Cruciferorum in Prussiav, das wichtige Werk Mites et res gestae inter Polonos ordinemque cruciferorumo (3 Tle., Posen 1855). und verzeich-Inete in dem Liber beneficiorum dioecesis Cracoviensiso (3 Bde., Krak. 1863) die Gerechtsame der ekrakauer Kathedrale. Graf Alexander Przezdziecki veranstaltete eine Ausgabe sämtlicher Werke von D. in 14 Bänden (Krak. 1876 —80), in der insbesondere die Mistoriap viele Berichtigungen nach Manuskripten gefunden hat. Am 19. bis 21. Mai 1880 wurde das Gedächtnis seines 400 jährigen Todestags von der Akademie in Krakau auf das feierlichste begangen.