Dachpappe, auch Stein- oder Teerpappe, heißt die zum Dachdecken verwendbare Pappe, welche durch Tränken mit gewissen Stoffen für Feuchtigkeit undurchdringlich gemacht worden ist. Eine der heutigen D. ähnliche Masse soll schon 1785 von einem Dr. Faxe in Schweden erfunden und zur Bekleidung von Schiffen angewendet worden sein. In Deutschland fand die D. erst seit den vierziger Jahren Eingang. Die rohen Pappen werden aus groben wollenen, leinenen, auch baumwollenen Lumpen, sowie Papierabfällen u. s. w. fabriziert, dürfen weniger fest, müssen vielmehr zähe und von filzartigem Gefüge sein. Ihre Stärke ist am besten derart, daß 1 qm etwa 1 kg wiegt. Sie werden entweder in Form von einzelnen Bogen oder Tafeln, oder in Gestalt von Rollen oder Pappe ohne Ende efertigt. Die Tafelpappe wird mit der Hand gesopft und an der Luft wie Handpapier getrocknet, während die Rollenpappe mit Maschinen hergestellt und teilweise gepreßt wird. Das Tränken der D. erfolgt mit heißem Steinkohlenteer oder auch mit einer Mischung von Steinkohlenteer und Pech, wobei die Pappbogen einzeln etwa 2—3 Minuten lang eingetaucht, die Pappen ohne Ende aber durch das Teerbad langsam hindurchgezogen werden. Damit der Teer besser ins Innere der Pappen eindringe, läßt man die in siedend heißen Teer getrauchten Ta501 trocknen und dann in kaltes Wasser tauchen. bwohl in der Regel die Tafelpappe besser getränkt und daher dichter ist als die Rollenpappe, so gibt man doch letzterer der leichten Verarbeitung und wenigen Fugen wegen den Vorzug. Nach dem Tränken wird die Papne mit Sand bestreut und unter luftigen Schuppen getrocknet. Gute D. soll beim Durchschneiden ein fettiges, glänzendes Innere zeigen, also vollständig mit Teer gesättigt, leicht biegsam und zähe sein. Teerpappe wiegt pro 1 àm circa 2,5—3 kg. Die Eindeckung mit D. gestattet eine Neigung von Dächern, die ½ — ½ der Gebäudetiefe zur Höhe haben, d. h. von 10—20 Grad, erfordert eine vollständige Schalung des Dachs mit etwa 2,5 em starken Brettern als Unterlage, jedoch des geringen Gewichts wegen nur eine leichte Dachkonstruktion. Die Eindeckung geschieht bei der Dach). be am besten in Diagonalbahnen (ebenes Dach), bei der Rollenpappe aber in Streifen von etwa 1m Breite rechtwinkelig zur Traufkante, mit dreikantigen oder trapezförmigen Leisten (Leistendach). Die an die Seitenflächen der Leisten sich anlegenden Ränder werden mit besondern Pappstreifen (Kappen) überdeckt, während die obern Enden der Papprollen etwa 10—15 em von jeder Seite über den Forsten hinweggreifen. Die Ränder des Dachs sind gegen das Aufreißen durch Wind mit Zinkblechstreifen zu sichern. Die Befestigung der Pappe erfolgt durch flachköpfige Nägel in etwa 4 em Entfernung. Die Pappränder werden an den überdeckungsstellen mit hei — — Teer gekittet. Nach dem Befestigen auf die Schalung wird die D. mit einem Anstrich von heißem Teer versehen, der mittels eines großen Pinsels aus Tuchlappen oder einer Bürste aufgetragen wird, worauf ein lübersieben mit scharfem Sand oder Steinkohlenasche erfolgt. Dieser Anstrich muß dünnflüssig sein, damit er tief genug eindringe, und alle zwei Jahre wiederholt werden, da sich der Teer an der Sonne allmählich verflüchtigt. Die D. erfüllt zwar bei guter Anfertigung und Unterhaltung fast alle Anforderungen an ein Deckmaterial, ist aber ihres weniger guten Ansehens und des ihr anhaftenden Geruchs wegen nur auf Gebäuden für interimistische Zwecke, sowie für landwirtschaftliche und gewerbliche Anlagen in Gebrauch. Sie zeichnet sich namentlich aus durch Leichtigkeit der Dachung, durch Versuche nachgewiesene und anerkannte Feuersicherheit, geringe Herstellungskosten und verhältnismäßig lange Dauer, erfordert aber eine tüchtige Herstellung und aufmerksame Unterhaltung. Der letztere Umstand ist es besonders, welcher oft versäumt wird und die Pappbedachung ure Grund in Verruf gebracht hat. Am sichersten ist es, die Eindeckung der Dächer den Teerpappfabriken zu übergeben und sich eine hinlängliche Garantie der leßtern zu sichern. Der Asphaltdachfilz ist eine komprimierte, aus dem Abfall von Flachsspinnereien hergestellte und mit Asphalt, Teer u. s. w. getränkte Watte. Er wird ähnlich der Rollenpappe eingedeckt, hat sich aber meist weniger bewährt als die D.