FeedDämonomanie
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Dämonomanie lauch Dämonomelancholie genannt), Besessenheitswahn, eine Geistesstörung, wobei die Wahnvorstellung, von Dämonen besessen oder umgeben zu sein, und entsprechende Sinnestäuschungen (die Kranken fühlen sie in sich oder auf sich oder sehen und riechen sie u. s. w.) die hervorstechendsten Symptome bilden. Die vorgestellten „Dämonen » zeigen entsprechend dem Bildungsgrad, beziehungsweise der Kulturstufe des Kranken, beziehungsweise seiner Nationalität einen wechselnden Charakter. Im Mittelalter z. B., wo die D. vielfach epidemisch auftrat und insbef ondere in den Hexenprozessen große praktische Bedeutung gewann, spiegeln die dämonomanischen Zustände den Teufelsglauben jener Zeit getreu wider. Gegenwärtig findet sich D. weit seltener, am meisten noch in bigotten abergläubisch-beschränkten Bevölkerungen und bei der als Hysterie (s. d.) bezeichneten Nervenkrankheit; auf letzterer Basis hat auch die Neuzeit noch einige kleinere Epidemien von D. aufzuweisen. Eine besondere Krankheitsart stellt die D. nicht dar; sie ist Teilerscheinung verschiedenartiger krankhafter Gehirnzustände, z. B. auch der E ilepsie Dampf oder Dunst, der luftförmige Zustand tropfbarer Flüssigkeiten, in den sie durch Aufnahme einer gewissen, genau bestimmten Menge Wärme übergehen. Die Ausdrücke D. oder Dunst sind in der wissenschaftlichen Sprache völlig gleichbedeutend; im gewöhnlichen Leben jedoch entscheidet über ihre jeweilige Anwendung der Sprachgebrauch; so z. B. sagt man Dampfmaschine, aber nicht Dunstmaschine. Dagegen hört man im gewöhnlichen Leben öfter von Dünsten als von Dämpfen der atmosphärischen Luft sprechen. Die Dünste oder Dämpfe entstehen aus manchen Flüssigkeiten bei den verschiedensten Temperaturen. So verwandelt sich das Wasser an seiner Oberfläche auch bei den gewöhnlichen Temperaturen in D.; ja sogar, wenn es durch Erniedrigung der Temperatur unter den Gefrierpunkt zu einem festen Körper (Eis) erstarrt ist, entwickelt es ebenfalls noch Dämpfe, und zwar 19001 bei den tiefsten Kältegraden —40² 6.. Es ist wahrscheinlich, daß es für jede aterie eine gewisse Temperaturgrenze gibt, unterhalb welcher dieselbe zu verdunsten aufhört; so z. B. werden bei Quecksilber unter — 75 C. keine Dämpfe ofe üe Gewöhnlich erfolgt die Bildung der Dämpfe, infolge der natürlich aufgenommenen Wärme, nur an der Oberfläche der Körper (der Eis, 1 u. s. w.), und man spricht dann von der freiwilligen oder spontanen Verdunstung oder Verdampfung, oder auch kurzweg von der Verdunbon 28 Wenn dagegen durch absichtliche Zuführung von Wärme eine künstliche Verdampfung der Flüssigkeiten eingeleitet wird, so kann man auch turbulente Dammibildung im Innern der letztern hervorrufen, welche das Kochen oder Sieden (s. d.) heißt. Man war „ der irrigen Ansicht, daß die Dämpfe nicht selbständig entstehen könnten und daß sie nur von einer in der Luft erfolgenden Auflösung der betreffenden Körper herrührten. Allein, wenn man (nach Dalton 1801 — 2) in den obern luftleemmi luftleeren Raum des Barometers — Wasserdämpfe gebildet haben, welche Nrvermöge ihrer Spannkraft die Queck-LI. sich bilden, sondern daß dies sogar ⸗ schneller als im lufterfüllten Raum geöäschieht. Ist im Vakuum des Barome-Fig. 1. ters b“ das Wasser im überfluß vorhanbei der herrschenden Temperatur jenes Vakuum von den Dämpfen des Wassers die möglichst . ge. Menge aufgenommen hat oder daß es mit D. gesättigt oder saturiert 10 und man nennt die entsprechenden Dämpfe selbst gesättigte oder saturierte Dämpfe. Vergleicht man die Höhe der durch den D. herabgedrückten Quecksilbersäule b' mit dem Quecksilberstande eines luft- und dunstleeren Barometers b, so gibt der Unterschied der Höhen der Quecksilbersäulen das Maß der Spann⸗ oder Expansivkraft der in bentstandenen Dämpfe. 1e Spannn wird in solcher oder chen dut Weise die Spannkraft der Dämpfe angegeben durch die Höhe einer Quecksilbersäule, welcher sie das Gleichkraft d. Mafse vermögen. So beträgt die Spannraft der Wasserdämpfe, um nur einige Beispiele bmt ener bei — 20 C. ungefähr 0,9 mm (d. h. hält einer Quecksilbersäule von dieser Länge das Gleichgewicht); bei 0 4,6 mm; bei 50 C. 92 mm, bei 100* 760 mm, also soviel wie der Druck der Atmosphäre. Mit der Zunahme der Temperatur steigt die Spannkraft auf 2 Atmosphärendruck (also 2 4 760 mm Quecksilberhöhe) bei 120,6˙ C.; auf 5 Atmosphärendruck bei 152,22 C.; auf 10 Atmo-Werte miel bei 180,3° C. u. s. w. In ähnlicher Veise, wie beim D. des Wassers, mißt man auch die Spannkraft der Dämpfe anderer Flüssigkeiten, z. B. des Alkohols, Athers u. dgl. m., indem man einige Tropfen derselben in das Vakuum eines Barometers b“ aufsteigen läßt und dann die durch die entsprechenden Dämpfe bewirkte Herabdrückung (Depression) s der Quecksilbersäule in b“, durch Vergleichung mit dem Quecksilberstande im Barometer b, für die eben stattfindende Temperatur mißt. Für die aus verschiedenen Substanzen gebildeten Dämpfe sind die Spannkräfte für gleiche Temperaturen sehr verschieden; so z. B. beträgt die Spannkraft der Wasserdämpfe bei 25 C. 23,6 mm, der Alkoholdampf 59,4 mm, der Atherdampf 526, mm. Die Spannkraft der Dämpfe ist bei derselben Temperatur um so größer, bei je niedrigerm Wärme1 die betreffende Flüssigkeit siedet, und steigt bei „jeder Art mit der Temperatur, welche man bei den einschlagenden Versuchen durch geeignete Mittel (Wärme⸗- und Kältebäder u. s. w.) bewirkt. Zur Messung der Spannkraft der Dämpfe für Temperaturen unter dem Siedepunkt verwendet man Dampfbarometer, welche sich auch für Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes leicht und zweckmäßig verändern lassen. Um die Spannkraft von D. über dem Siedepunkte zu bestimmen, läßt man die in geschlossenen Gefäßen (z. B. in einem Papinschen Topf, einem Dampfkessel u. dgl. m.) entwickelten D. auf Manometer (s. d.) oder Druckventile drücken und mißt den entsprechenden Druck bei der stattfindenden Temperatur; .Fio. gehört ein sehr einfacher Apparat (s. Fig. 2), bei welchem in dem kür-Imen zugeschmolzenen Glasarm über dem uecksilber die zu verdunstende Flüssigkeit sich befindet. Wird dieser kurze Arm erwärmt, so bilden sich Dämpfe, welche, wie bei einem Manometer, die Quecksilbersäule im längern Rohr heben, wodurch man aus dem Niveauunterschied beider Quecksilbersäulen die Fig.2. Spannkraft der Dämpfe messen kann. Die Dämpfe, welche sich aus den Flüssigkeiten entwickeln, erlangen, wenn das Gefäß, worin sie sich zugleich mit der Flüffigkeit befinden, erwärmt wird, eine bestimmte Spannkraft, welche, solange noch Flüssigkeit im überschusse vorhanden ist, einzig und allein von der Temperatur abhängt, jedoch in rascher steigendem Verhältnisse als diese letztere zJunimmt. Eine Vergrößerung des Raums vermindert bei unveränderter Temperatur die Spannkraft der Dämpfe nicht, indem sich sofort aus der noch vorhandenen Flüssigkeit neue Dämpfe so lange entwickeln, bis die frühere Spannkraft vollständig wiederhergestellt ist. Ebenso erzeugt eine Verkleinerung des mit den Dämpfen angefüllten Raums bei unveränderter Temperatur keine Vergrößerung der Spannkraft, weil ein Teil der Dämpfe sich sofort niederschlägt oder kondensiert, d. i. zu Wasser verdichtet, bis der Rest die ursprüngliche Spannkraft wieder erreicht hat. Die Spannkraft von Dämpfen, welche noch mit ihrer Flüssigkeit in Berührung sind, läßt sich 0 bei derselben Temperatur weder vermindern noch vermehren, weil die Dämpfe immer wieder denselben Grad ihrer Sättigung herzustellen vermögen; man nennt diesen konstanten größten Druckwert des gesättigten D. das Maximum der Spannkraft bei der zugehörigen Temperatur. Dieses Maximum ist jedesmal gemeint, wenn von Spannkraft der Dämpfe bei einer bestimmten Temperatur die Rede ist; es findet sich in den Spannkraftstabellen (Von Magnus 1843, Regnault 1847 u. a.) in Millimeter neben den Nisherigen Temperaturen Nach dem Bisherigen kann man sagen: Dämpfe, welche bei einer bestimmten Temperatur das Maximum der Spannung sowie auch der Dichte besitzen, sind für diese Temperatur gesättigt; haben dagegen die Dämpfe das bei einer bestimmten Temperatur mögliche Maximum von Spannkraft und Dichte nicht, so nennt man sie ungesättigt, weil der sie umschließende Raum noch D. bis zur Erreichung des Maximums der Spannkraft (des Sättigungsdrucks) und der maximalen Dichte (der Sättigungsdichte) aufnehmen könnte. Die ungesättigten Dämpfe können in einem geschlossenen Gefäße nur dann vorhanden sein, wenn kein überschuß der verdampfenden Flüssigkeit mehr da ist und sowohl die Dichte als die Spannkraft der Dämpfe kleiner sind, als sie es nach dem Maximum bei der stattfindenden Temperatur sein sollten. Die Spannkraft der ungesättigten Dämpfe ist also bei derselben Temperatur geringer als jene der gleichartigen gesättigten Dämpfe. Um die Spannkraft beider gleich zu nbiss muß man die Temperatur der ungesättigten bis zu einem gewissen Grade erhöhen, wes-Dan die ungesättigten Dämpfe auch überhitzte ämpfe heißen. Die letztern lassen sich durch Zusammendrückung oder Erkaltung, oder durch beide zugleich in gesättigte Dämpfe, und dann durch weitere Abkühlung und Zusammendrückung zu Flüssigkeiten kondensieren. Solange jedoch die Ssantands Dämpfe noch weit von ihrem Sättigungszustande entfernt sind, befolgt ihre Spannkraft in Bezug auf die Verkleinerung oder Vergrößerung ihres Volumens sowie auf Temperaturveränderung alle Gesetze der Gase, sodaß heutzutage wissenschaftlich zwischen überhitzten Dämpfen und Gasen kein wesentlicher Unterschied mehr besteht; im praktischen Leben nennt man jedoch die sehr leicht kondensierbaren ausdehnsam flüssigen Körper Dämpfe, während die schwieriger kondensierbaren, luftförmigen Körper Gase heißen; seit Ende 1877 mußte auch die Unterscheidung von eoêrcibeln (s. d.) und permanenten Gasen (s. d.) Raleiche Die Spanndiee der Dämpfe bleibt für Ladere Temperaturen dieselbe, der Raum im verschlossenen Gefäße (Fig. 1 u. 2) oberhalb der Flüssigkeit, in welchem sie sich bilden können, mag mit Luft oder Gasen angefüllt oder luftleer sein. Ist das Gefäß luft-oder gashaltig, so fügt sich zu dem Drucke, welchen seine Wände von seiten der Luft oder des Gases auszuhalten haben, noch der durch die Spannkraft der hinzutretenden Dämpfe erzeugte Druck, und zwar (nach Dalton 1802) so, daß die Spannkraft des Gemenges gleich der Summe der Spannkräfte der Luft oder des Gases und des D. ist. Nach Regnault (1854) ist zwar jene Summe kleiner, als sie nach Daltons Gesetz sein sollte, aber nur um so geringes, daß letzteres annäherungsweise aufrecht bleibt. Die Verdampfungswärme, d.i. die Wärmemenge, welche zur Verwandlung der Flüssigkeiten u. s. w. in D. verbraucht wird und ehedem latente Wärme der Dämpfe genannt wurde, ist für die verschiedenen Flüssigkeiten verschieden. Man glaubte früher, daß 516 Wärmemenge, welche verbraucht wird, um 1 kg Wasser von 0 in D. zu verwandeln, wenn es auf verschiedene Temperaturen erhitzt wird, dieselbe sei und daß sie nahe 640mal größer sei als diejenige, welche zur Erwärmung einer gleichen Wassermenge von 0 bis auf 1 nötig it. Regnault hat indes nachgewiesen, daß Ukg Wasser von 0e, wenn es bei 0 verdampft, nur 606mal, wenn es aber von 0 bis 100 C. erhitzt und bei dieser letztern Temperatur verdampft wird, 637mal so viel Wärme verbraucht als 1kg Wasser, um von 0˙ bis 1 erwärmt zu werden. Die bloße Umwandlung des Wassers von 100 in D. von 100˙ verbraucht also 537mal die angeführte Wärmemenge. Alkohol, Ather und Terpentinöl verbrauchen eine weit geringere Wärmemenge bei ihrem Verdampfen. Die Dichtigkeit der Dämpfe ist verschieden. Setzt man die Dichtigkeit (das spezifische Gewicht) der atmosphärischen Luft = 1, so ist die Dichtigkeit des Wasserdampfes bei derselben Temperatur und Spannkraft etwa 0,62, die des Alkoholdampfes 1,59. Ein Kubikmeter Wasser liefert bei 100“ C. an 1700 ebm Wasserdampf unter dem Drucke von einer Atmosphäre. Für überhitzte Dämpfe und Gase gilt das wichtige Gesetz: die Dampfdichten der verschiedenen Materien sind den Molekulargewichten der letztern proportional. Dieser Satz kann sowohl zur Auffindung des Molekular- und Atomgewichtes mittels der Dampfdichte oder umgekehrt, sowie auch zur gegenseitigen Kontrolle beider dienen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 803Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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