David Joris (eigentlich Joriszoon, d. h. Sohn des Georg), ein Jahrh der wiedertäuferischen Schwärmerei des 16. 665 geb. 1501 zu Brügge in Holland, betrieb die Glasmalerei und ließ sich nach einigen Reisen 1524 in Delft nieder. Der luth. Neuerung schloß er sich sofort an, bekämpfte vor allem den Bilderdienst und trat 1528 einer feierlichen Prozession mit heftigen Schimpfreden entgegen. Deswegen an den Pranger gestellt, gestäupt und auf drei Jahre aus der Stadt verbannt, wandte er sich immer mehr den Wiedertäufern zu. Auf dem Konvent zu Bocholt, Aug. 1536, führte D. eine vorläufige Versöhnung der sireitenden Parteien herbei durch den Beschluß: da man nur betreffs der Ehe und der Anwendung von Gewaltmaßregeln verschiedener Meinung sei, wolle man sich jedes Zwistes enthalten. Die Vereinigung zerfiel jedoch bald wieder, und erst jetzt trat D. unter Berufung auf empfangene Visionen als Stifter einer eigenen Sekte auf. Den Ausgangspunkt seiner Lehre bildet die Erwartung der nahe bevorstehenden Wiederkunft Christi, die Hauptsache ist die unbedingte Anerkennung seiner Person. Die Vollendung des Reiches Gottes vollzieht sich in drei Weltperioden, die erste eingeleitet durch David, in dem Gottes Kraft war, die zweite durch Christus, in dem die Gottheit wohnte, die dritte durch D. Joris, auf dem der Geist Gottes ruht. Bisweilen erscheint Christus als der Größte, meist aber D. Schon 1538 ergriff die Regierung die strengsten Maßregeln gegen die neue Sekte, * mehrere Anhänger D.s enthaupten, unter andern seine Mutter, er selbst J00 entfloh. Seit 1544 lebte D. unter dem Namen Johann von Brügge unerkannt zu Basel, hielt sich äußerlich zur reform. Kirche und war für seine Sekte nur durch Sendboten und Schriften thätig. In hohem Ansehen starb er hier 25. Aug. 1556 und wurde in der Leonhardskirche beigesetzt. Ein Diener verriet später seinen wahren Namen, worauf 1559 seine Leiche, sein Bildnis und seine Schriften zu Basel durch den Henker verbrannt wurden. Seine Anhänger, Davidisten oder Joristen genannt, hielten sich in Holland trotz aller Verfolgung bis zur Mitte des 17. Jahrh. Sie zerfielen in zwei Richtungen, einige führten bei aller religiösen Schwärmerei ein sittlich unanstößiges Leben, andere ergaben sich den gröbsten Ausschweifungen, besonders geschlechtlicher Art.