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Sport & SpielBrockhaus 1882

Degenfeld, ein altes deutsches Adelsgeschlecht, welches aus dem Aargau in der Schweiz stammt, bei seiner Übersiedelung nach Schwaben um 1280 Schwä und Herrschaft D. an der Lauter, unweit Schwäbisch-Gmünd, gründete und seine ununterbrochene Stammreihe mit Konradin von D. beinnt, der 1360 starb. Durch die Brüder Hans hristoph und Konrad von D. zerfiel das Geschlecht in zwei Linien, welche noch gegenwärtig blühen. Konrad, erstochen 1600 in einem Zweikampfe, gründete durch seinen Sohn Christoph Martin von D. (geb. 1599 auf der Stammburg Eybach im Württembergischen) die Dreipig reichsgräfliche Linie. Letzterer kämpfte im Dreißigjährigen Kriege unter Wallenstein und Tilly, wurde 1622 bei Höchst Oberstwachtmeister, focht dann in den Niederlanden unter Spinola vor Bergen op Zoom und bei Lutter a. B. 1626, hierauf unter Gustav Adolf, welchem er 1632 zwei Reiterregimenter zuführte. Seines Eifers wegen, womit er Schweden und (nach der Schlacht bei rin, e. Frankreich diente, wurde er zuletzt zum franz. Generalobersten der ausländischen Reiterei ernannt. Er trat jedoch 1642 in den Dienst der Republik Venedig über, stritt hier als General der Kavallerie tapfer gegen Papst Urban VIII. und die Türken, wurde 1645 Generalouverneur von Dalmatien und zog sich dann auf seine Güter in Schwaben zurück, wo er 13. Okt. 1653 zu Dürnau starb. Er war 1625 mit seinem Bruder und seinem Vetter in den Reichsfreiherrenstand erhoben worden. Vgl. Thürheim, «Christoph Martin Freiherr von D., General der Venetianer, und dessen Söhner (Wien 1881). Seine Tochter, Maria Susanna Loysa, Raugräfin von D., geb. 1636, kam noch sehr jung an den Hof des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und ward Hoffräulein bei dessen Gemahlin Charlotte, einer geborenen Landgräfin von Hessen-Kassel. In demselben Grade, als die Kurfürstin durch kaltes, stozes Benehmen das Herz ihres Gemahls von sich entfernte, fühlte sich der Kurfürst von der Schönheit, dem Geiste und der Anmut des Fräuleins angezogen. Es entspann sich zwischen beiden Liebenden ein lat. Briefwechsel, der, nach verschiedenen heftigen Scenen zwischen der Kurfürstin und ihrem Gemahl, mit der Trennung, wiewohl nicht förmlichen Scheidung des kurfürstl. Paares endigte. Am 15. April 1657 ließ sich der Kurfürst die Freiin öffentlich an die linke Hand antrauen. Später erhielt sie mit Zustimmung aller Agnaten und kaiserl. Bestätigung den Titel einer Raugräfin. Sie lebte mit ihrem Gemahl in der glücklichsten Ehe, starb im Wochenbette mit dem 14. Kinde 18. März 1677, und wurde mit großer Pracht zu Mannheim bestattet. Vgl. Lipowsky, „Karl Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, und Maria Susanna Loysa, Raugräfin von D.v (Sulzb. 1825); „Fredegunde, oder 790ePerl. zur geheimen Geschichte des hannöv. Hofso (Berl. 1825). ö Hannibal von D., Sohn des Freiherrn Christoph Martin, venet. Generalfeldmarschall, geb. 1648, ging 1666 nach Candia, diente 1671 unter Graf Waldech dann in Holland bei der Verteidigung von Gröningen, 1675 in Dänemark als General, 1681 als Feldmarschalllieutenant in Bayern, von 1685 ab in Venedig, schlug in Morea den Kapudan-Pascha, verteidigte Korinth gegen die Türken und starb 18. Okt. 1691 im Hafen von Napoli di Romana. ů Christoph Martin, Graf von D.⸗Schonburg lauch Schomberg), Enkel des obengenannten Freiherrn Christoph Martin, geb. 26. April 1689, est. 10. Aug. 1762 zu Frankfurt a. M., diente Eraunschweig, dem Kaiser, Pfalzbayern und Preußen, zeichnete sich im Spanischen Cesandtkriege aus, wurde mehrfach mit wichtigen Gesandtschaten betraut und war zuletzt preuß. Geh. Etats- und Kriegsminister, General der Kavallerie u. s. w. D. vermählte sich 1717 mit der Erbtochter des franz. Herzogs von Schonburg. Er ward 1733 in den Reichsgrafenstand erhoben und fügte Namen und Wappen seiner Gemahlin dem seinigen bei. Au gust chonbt Johann Christoph, Graf von D.⸗Schonburg, Urenkel des vorigen, österr. Feldzeugmeister, geb. 10. Dez. 1798 zu Groß-Kanischa in Ungarn, nahm bereits am 1855 Masor 1815 als Infanterieoffizier teil, wurde 1835 Major und war als solcher mehrere Jahre Adjutant beim Generalkommando in Böhmen; 1848 führte er als Generalmajor eine en Ae und nahm mit derselben 1849 wirksamen Anteil an der Schlacht bei Novara. Zum Feldmarschalllieutenant im Okt. 1849 befördert, wurde er zuerst Vizegouverneur von Mainz, 1850 als Sektionschef in das Kriegsministerium berufen, 1852 zur Dienstleistung beim Kaiser 89 Joseph kommandiert, 1855 Kommandant des 8. Armeekorps in den päpstl. Legationen, übernahm 1858 das 6. Armeekorps in Gratz und im Juni 1859 das Kommando der 4. Armee, im Juli das der 2. Armee und das Amt eines kommandierenden Generals im Lombardisch-Venetianischen Königreich, Küstenlande, Kärnten und Krain; im Okt. 1860 wurde D. zum Kriegsminister und Feldzeugmeister ernannt. Im Febr. 1864 legte D. wegen Kränklichkeit sein Portefeuille nieder; 1866 trat er vorübergehend wieder in aktiven Dienst und leitete die Armierung des Brückenkopfes bei Floridsdorf, auch vereinbarte er 26. Juli 1866 die Waffenstillstandskonvention zu Nikolsburg und trat nach dem Friedensschlusse wieder in den Ruhestand zurück. D. war Wirkl. Geheimrat und lebenslängliches Mitglied des österr. Herrenhauses und starb 5. Dez. 1876 in Altmünster bei Gmunden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 946Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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