FeedDeismus
ReligionBrockhaus 1882

Deismus bezeichnet in der Kirchengeschichte eine in England im 17. und 18. Jahrh. herrschende Richtung des verständigen Fragens und Forschens in Rücksicht auf die Religion mit dem Streben, alle positiven Religionen aus der Einen natürlichen Religion abzuleiten. Es ist falsch, dem D. und allen seinen Anhängern (den Deisten oder Freidenkern) Feindschaft gegen die Religion schuld zu eben. Der ungebrochene Glaube an die unmittelar göttliche Wahrheit der positiven Lehren der christl. Religion ist allerdings nicht mehr vorhanden, an dessen Stelle tritt ein unablässiges Forschen und Suchen, hinter den als unhaltbar erkannten Dogmen das zu Grunde liegende bleibend Wahre zu finden; wie aber die Annahme unmittelbarer göttlicher Offenbarungen noch nicht in Anspruch genommen wird, so ist auch mit wenig Ausnahme der Geist des Forschens ein wahrhaft ernst religiöser. Als das Gemeinsame des im Einzelnen vielgestaltigen engl. Deismus dürfte dies Doppelte zu be-Heligist ein: als das Wertvolle an der persönlichen eligiosität erscheint nicht mehr das Fürwahrhalten der einzelnen, zum Teil unserer vernünftigen Einsicht widersprechenden und deshalb unannehmbaren Dogmen, sondern die Annahme einiger allgemeiner Sätze, welche dem vernünftigen Denken von selbst einleuchten, ein sittlich gutes Leben oder die innere Kraft des Herzens; von den verschiedenen positiven Religionen erscheint nicht mehr die christliche als allein wahre, alle übrigen als ohne jede Wahrheit, sondern hinter allen sucht man die Eine, allein ganz wahre anatürliche Religiono, welche in allen positiven wenigstens zum Teil enthalten, aber in jeder durch mancherlei Zusätze abgeändert ist. Begründet durch Herbert von Cherbury (1581—1648), Thomas Hobbes (1588 — 1679) u. a. erreicht der englische D. seine Blüte durch John Locke (1632— 1704), John Toland (1670—1722), Shaftesbury (1671—1713), Matthews Tindal (1656—1733), Thomas Morgan (gest. 1743) u. a., während Bolingbroke, David Hume (gest. 1776) u. a. seine letzten Ausläufer sind. Vgl. Lechler, Geschichte des englischen D. v il u. Tüb. 1841); Pünjer, „Geschichte der Seaur Religionsphilosophie seit der Reformationo (Braunschw. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 2Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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