FeedDubois-Pigalle (Paul)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Dubois-Pigalle (Paul), franz. Bildhauer, geb. 18. Juli 1829 in Nogent-sur-Seine, studierte Jura in Paris, wandte sich aber seit 1856 der Bildhauerkunst zu, in welcher er Toussaint zum Lehrer hatte. Dem akademischen Herkommen abgeneigt und entschlossen, durch das Studium der besten Muster alter und neuer Kunst sich einen eigenen Stil zu schaffen, ging er nach Italien. Hier hatten die eigentlichen Antiken für ihn ungleich weniger Anziehendes als die von der ital. Renaissance modernisierten Antiken, vor allem die plastischen Werke der toscan. Meister des 15. Jahrh., aus welchen er seine besten Inspirationen schöpfte. Gleich seine ersten Arbeiten, der Narcissus im Bade (1863 in Gips, 1874 in Marmor ausgeführt), die Marmorstatue des kleinen Johannes (1864) und der Florentinische Sänger, Bronzefigur (1865), wovon das durch zahlreiche Nachbildungen in kleinem Maßstabe populär gewordene Original sich im Besitz der Prinzessin Mathilde befindet, machen das genaue Studium der florentin. Quattrocentisten entschieden bemerkbar. Auch in der allegorischen Marmorstatue der Melodie an der Hauptfagade der neuen Großen Oper zu Paris und in der Gipsgruppe der Madonna mit dem Kinde (1867) ist derselbe Einfluß nicht zu verkennen. Zeigt sich in seiner Eva (1874) noch eine gewisse Abhängigkeit von fremder Behandlungsweise, so tritt dagegen die volle Selbständigkeit des eigenen Stils hervor in den Skulpturen für das dem General Lamoricière in der Kathedrale von Nantes zu errichtende Grabmonument. D. lieferte dazu die auf der Deckplatte liegende Statue des Generals und vier an den Ecken des Fußgesimses sitzende allegorische Bronzestatuen: Glauben, christl. Liebe, Heldenmut und Bürgersinn. Die Gipsmodelle der Liebe und Tapferkeit in der pariser Ausstellung 1876, zwei Figuren von großer Reinheit der Formen und Innigkeit der Empfindung, gehören zu dem Vorzüglichsten, was die franz. lastit der jüngsten Vergangenheit hervorebracht hat, weshalb D. einstimmig die große hrenmedaille zuerkannt wurde. D. fü B Zeichenstift und Pinsel mit vieler Geschicklichkeit. Namentlich zeichnete er kleine Frauen⸗ und Kinderporträts von feiner Betonung und edelstem Schönheitsgefühl im Sinne des Quattrocento.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 606Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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