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ReligionBrockhaus 1882

Desatir, Grundzüge, Normen (arab. Plural des persischen destür), ist der Name eines theol. Machwerks aus dem spätern Mittelalter, welches das Religionsbuch einer parsischen Sekte, der Sipasian, sein soll. Das Buch ist in einer augenscheinlich esselben die Aulieten ee nennen. Es soll der letzte der 15 Propheten, Sasan V., die dem Buche beigegebene neupers. Übersetzung angefertigt haben; aber zur Zeit Mohammeds und Omars existierte dieselbe noch nicht in der in dem Werke gebrauchten Form. Aus der entlegensten Urzeit stammend, sollen die cRormeno der «mahabadischenv Religion die Gesetze der 15 Propheten sein, zu denen noch als 16. Buch die Belehrung Sekenders, d. i. Alexander d. Gr., kommt. Diese 15 Propheten sind: Abad, der Stifter, Djafram, Schaikilio, Yasan, Gilsar, Siamek, Debd Tahmuras, Diemschid, Feridun, Minotschehr, Kai Kosru, Zirtuscht (Zoroaster), dann Sekender, Sasan I. und Sasan V. Alle preisen das höchste Wesen, welches Mazdan (persisch), Schemta (semitisch: Nane) und Läreng (farblos) genannt wird. Die Namen der Propheten, von denen die letztern dem pers. Sagenkreise angehören, von denen die erstern aber zum Teil erdichtet sind, verweisen das Buch unter die Klasse der litterarischen Fabrikate, an denen der mittelalterliche Orient nicht arm ist: die astrol., dämonologischen und eschatologischen Aussprüche sind ein Gemisch neuplatonischer, gnostischer, manichäischer, ind. Vedanta⸗ und sufischer aubn, ten. Der D. wird schon im Dabistan, Sittenbuch, des Mohsan Fani von Kaschmir (1645) citiert, wurde aber erst 1778 wieder aufgefunden von dem Parsen Kaus, der ihn von Ispahan nach Bombay brachte, wo sein Sohn Mullah Firuz ihn im Urtert und pers. übertragung, mit einer engl. übersetzung von Erskine zuerst veröffentlichte (D., the sacred writings of the ancient Persian prophets, in the original tonguer, 2 Bde., Bombay 1818; loeir auch in Kalkutta herausg.). Erskine und Silvestre de Sacy hielten sofort das Buch für unecht, für dessen Authentie mit naiver Energie Mullah Firuz und mit unkritischer übereilung Joseph von Hammer eintraten, der alles Ernstes das Machwerk dem fabelhaften pers. Propheten Mahabad vindizierte, als dem 11 der mahabadischen Religion und Sprache. Später hat auch David Shea, der Herausgeber des Wabistano (Lond. 1843), die Echtheit des D. ohne irgend welchen Erfolg zu retten gesucht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 76Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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