FeedDeutsch-Altenburg
ErdkundeBrockhaus 1882

Deutsch-Altenburg, Dorf am Südufer der Donau im Bezirke Bruck des österr. Kronlandes Niederösterreich, 45 Km unterhalb Wien und 15 km von der ungar. Grenze, Gar (1880) 965 CE., ein schönes Schloß mit einem Garten und ein Museum muuer, in der Umgegend ausgegrabener Altertümer, sowie warme, in Hautkrankheiten sehr wirksame Schwefelquellen, welche schon den Römern bekannt waren. Vor dem Dorfe steht auf einem Felsenhügel die Kirche zu St. Peter und Paul, eins der interessantesten Denkmäler des spätromanischen und übergangsstils in Niederösterreich, 1235 gegründet und im 14. Jahrh. umgebaut; neben derselben eine merkwürdige und schöne Rotunde im byzant. Stile, welche 1822 restauriert worden ist. Von D. westlich bis Petronell, östlich bis Hainburg reichen die ausgedehnten Trümmer und Grundmauern von Befestigungswerken, Straber⸗ Wasserleitungen, Kloaken, Bädern u. s. w. er kelt. Stadt und röm. Festung Carnuntum in Oberpannonia. Von ihr aus unternahm schon Tiberius 6 n. Chr. seinen Feldzug gegen Marbod; sehr gehoben ward sie durch Mare Aurels dreijährigen Aufenthalt während des Markomannenkriegs (172 — 175), der hier einen Teil seiner Selbstgespräche schrieb. Sie war das gewöhnliche Winterlager röm. Heere, der Standort der Legio XIV. Gemina und einer Donauflotte, hatte eine Waffenfabrik, sah 193 den Septimius Severus und 307 den Licinius zu Imperatoren ausrufen, wurde im 4. Jahrh. von Deutschen zerstört, erholte sich wieder unter Valentinianus und scheint erst im Mittelalter durch die Ungarn völlig zu Grunde gerichtet worden zu s ein. (berg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 105Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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