FeedDeutsch-Dänischer
GeschichteBrockhaus 1882

Deutsch-Dänischer Krieg von 1848 bis 1850. König Christian VIII. hatte durch seinen Offenen Brief vom 8. Juli 1846 die Erbfolgeordnung aufgehoben, um das Auseinanderfallen des Dänischen Staats bei dem zu erwartenden Aussterben des Mannsstammes zu verhüten, und dadurch in den Herzogtümern Schleswig und Holstein große Erregung hervorgerufen. Am 20. Jan. 1848 starb der König, und vergeblich versuchte sein Sohn Friedrich VII. den Sturm durch Zugeständnisse zu heschwören. Die Februarrevolution und die Märztage brachten die Bewegung zum Ausbruch. In Kopenhagen fand eine Erhebung statt, deren Führer die Festhallung der Eiderlinie verlangten, während die zu Kiel versammelten Stände sich jeder Trennung Schleswigs von Holstein widersetzten. Nachdem mehrere Vermittelungsversuche gescheitert waren, konstituierte sich in der Nacht zum 24. März in Kiel eine Provisorische Regierung, welche sich am folgenden Tage der Festung Rendsburg durch überraschung bemächtigte; die deutschen Truppenteile schlossen sich, meist ohne Offiziere, der Bewegung an und das Deur Land erhob sich, soweit es deutsch war. Aus Deutschland strömten Freischaren herzu und Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg übernahm die Leitung der militärischen Organisation. Am 5. April war bereits Flensburg besetzt und an demselben Tage trafen die ersten preuß. Truppen in Rendsburg ein, denen eine preuß. Division und eine Division des 10. Bundesarmeekorps nach Holstein mit dem Auftrage folgten, unter Umständen auch in Schleswig einzurücken. Dänemark mobilisierte sehr schnell Heer und Flotte und die dän. Vorhut rückte von Kolding her schon am 29. März in Schleswig ein, während Kriegsschiffe vor Apenrade und Flensburg sowie im Alsensunde erschienen. Am 9. April siegten die Dänen bei Bau (s. d.) über die Schleswig-Holsteiner und rückten bis nach Schleswig und dem Danewerk (s. d.) vor, während die Truppen der Provisorischen Regierung hinter die Eider zurückgingen und nur ihre Nachhut an der Sorge und am Wittensee stehen ließen. Am 18. April fanden bei Sorgbrück, Husum und Altenhof-Holtsee Gefechte statt, worauf der preuß. General von Wrangel zum Oberbefehlshaber aller in Holstein befindlichen deutschen Truppen ernannt und ermächtigt wurde, die Eider zu überschreiten. Wrangel traf 21. April in Rendsburg ein und trat zwei Tage darauf mit der preuß. Division Fürst Radziwill (13000 Mann und 22 Geschütze) nebst den schleswig-holstein. Truppen unter den Friedrich (10000 Mann und 22 Geschütze) den Vormarsch an, welcher die Dänen unter General Hedemann (11500 Mann, 42 Geschütze) in der Stellung am Danewerk überraschte und unerwartet das blutige Treffen bei Schleswig herbeiführte. Die Dänen räumten am Abend die Stadt und gingen bis Ahrenholz, am folgenden Tage, an welchem ihr linker Flügel von Freikorps bedroht wurde, bis Flensburg zurück, wobei es zu einem Gefecht bei Oversee und Bilschaukrug kam. Die den preuß. Truppen folgende Division Halkett des 10. Bundeskorps wurde westlich der Hauptstraße vorgezogen und 25. April wurde Flensburg ohne Kampf besetzt. Die Dänen zogen sich nach Alsen, ihre Kavallerie nach Apenrade zurück, auch räumten sie Eckernförde. General Wrangel ließ die Bundesdivision Halkett am Sundewitt gegen Alsen stehen und rückte mit den übrigen Truppen in breiter Front über Tondern und Apenrade nach Norden vor, überschritt 2. Mai die Königsau, besetzte tags darauf das von den Dänen Pudastene Friedericia und nahm den südöstl. Teil von Jütland in Besitz als Pfand für den durch die dän. Flotte dem deutschen Handel, beziehungsweise den Küstenplätzen zugefügten Schaden. Es trat nun eine Pause in den Operationen ein, während welcher die Diplomatie allein wirkte; indessen sammelte sich ein schwed. Heer von 12000 Mann bei Malmö, von welchem gegen Mitte Juni 5000 Mann nach Fünen übersetzten, wodurch es den Dänen ermöglicht wurde, ihre gesamte Macht auf Alsen zu versammeln und die rückwärtige Verbindung des in Jütland stehenden deutschen Heers ernstlich zu gefährden. General Wrangel räumte vom 25. Mai ab Jütland, und die Bundesdivision Halkett wurde 28. Mai von den Dänen im Sundewitt zurückgedrängt, während von Alsen her dän. Truppen nach Jütland geschafft wurden und dort 2. Juni Lygumkloster und Apenrade wieder in Besitz nahmen. General Wrangel griff die im östl. Sundewitt verbliebenen Dänen 5. Juni mit den preuß. Truppen und dem größten Teile der Bundestruppen bei Nübel, Düppel (s. d.) und Satrup an und warf sie nach Alsen zurück; doch stand schon 21. Juni das dän. Heer 17000 Mann stark wieder nördlich von Flensburg im Felde, wohin dasselbe mit Hilfe der Flotte geschafft worden war. Am 28. Juni rückte General Wrangel von Flensburg her nach Norden vor und gelangte bis zur Königsau, von wo aus ein Teil der Bundesdivision nach dem Sundewitt zurückkehrte; die Dänen gingen, der Übermacht weichend, zurück, und nur bei Hadersleben kam es 29. Juni zu einem Gefecht gegen die schleswig-holstein. Truppen unter Prinz Friedrich. Am 26. Aug. kam unter Garantie Großbritanniens ein Waffenstillstand in Malmö zu Stande, nachdem 8. Juli der dän. Dampfer Odin bei Arösund durch eine schleswig-holstein. Strandbatterie zerstört worden war und dän. Schiffe 18. Aug. bei Holdenäs im Kampfe gegen deutsche Artillerie unterlegen waren. Nach der übereinkunft sollten die Herzogtümer Schleswig-Holstein von deutschen und dän. Truppen geräumt werden und nur 2000 Mann Deutsche in Altona und 2000 Dänen auf Alsen zurückbleiben; die schleswig-holstein. Truppen durften im Lande verbleiben, die vorhandenen Befestigungen blieben bestehen und die Blockade der deutschen Küste durch die dän. Flotte wurde aufgehoben. Der Waffenstillstand war auf die Dauer von 7 Monaten mit einmonatiger Kündigung abgeschlossen. Am 22.Okt. trat die infolge des Waffenstillstandsvertrags eingesetzte gemeinschaftliche Regierung der Herzogtümer an die Stelle der Provisorischen Regierung, und der preuß. General von Bonin überzahm den Befehl über die schleswig-holstein. Trupden. Von dän. Seite wurden die für den Waffentillstand vereinbarten Bedingungen nicht erfüllt, der größte Teil des Heers blieb auf Alsen. Der Schutz der Großmächte, namentlich Englands, steigerte den übermut der in Kopenhagen herrschenden Partei und veranlaßte schließlich die Kündigung des Waffenstillstands zum 26. März 1849. Dänemark mobilisierte 22. Febr., wo die Kündigung erfolgt war, Heer und Flotte, sammelte die Hauptmacht (20000 Mann) auf Alsen und 10000 Mann hinter der Koldingau, die Flotte größtenteils bei Alsen, wogegen der Deutsche Bund die Entsendung eines 35000 Mann starken Bundesheers unter dem preuß. General von Prittwitz nach Schleswig beschloß, zu welchem noch w15000 Mann schleswig-holstein. Trupen unter General von Bonin hinzukamen. Das undesheer bestand aus einer preuß. Division, je einer säch. und hannöv. Brigade und drei aus Truppen fast aller Bundeskontingente bunt zusammengestellten Brigaden; später wurde aus nachgesandten Verstärkungen noch eine Reservedivision formiert, sodaß mit Einschluß der Schleswig-Holsteiner in fünf Divisionen und einer Brigade rund 60000 Mann Feldtruppen gegen die Dänen zur Verfügung standen, außerdem einige vom Bunde, beziehungsweise von Schleswig-Holstein ausgerüstete bewaffnete Fahrzeuge. Die wichtigsten Küstenpunkte, insbesondere auch Eckernförde, waren durch Batterien geschützt. General von Prittwitz übernahm 24. März 1849 den Oberbefehl und befahl die Versammlung der Bundestruppen bei Flensburg, wo die schleswigholstein. Truppen unter General von Bonin bereits standen, und hatte dort 5. April 18 Bataillone und 7 Batterien beisammen, mit denen er nach Norden hin vorrückte. General von Bülow hatte zwar 3.April von der jüt. Grenze und demAlsensunde her den Vormarsch gegen Flensburg angetreten, wagte jedoch den Angriff nicht und ging, gefolgt von den deutschen Truppen, nach Jütland zurück. Die Deutschen besetzten 20. April Kolding und nahmen 13. April die vordern Werke der Düppelstellung, deren Kernwerk, der die Verbindung mit Alsen sichernde Brückenkopf, indessen im Besitz der Dänen blieb. Auch auf der See traf die Dänen Mißgeschick; ein 5. April gegen Eckernförde (s. d.) unternommener Angriff schlug gänzlich fehl und hatte den Verlust mehrerer Schiffe zur Folge. Ein großer Teil der auf Alsen befindlichen dän. Truppen wurde nunmehr zu Schiff nach Jütland geschafft und 23. April griffen die Dänen mit lübermacht die Deutschen bei Kolding an, wurden jedoch abgeschlagen und durch die zum Angriff ach Wele un jungen schleswigholstein. Truppen nach Veile und Friedericia zurückgedrängt. In den nächsten beiden Wochen fanden bemerkenswerte Ereignisse nicht statt, doch wurden die dän. Kriegsschiffe dem deutschen Handel und den Küstenplätzen lästig und General von Prittwitz wurde deshalb zum Einmarsch nach Jütland ermächtigt. Am 6. Mai überschritt derselbe mit einer preuß., einer aus bayr. und hess. Truppen zusammen estellten, sowie der lond icnd an d. Division bei Kolding die Grenze und schlug an den beiden nächstfolgenden Tagen die Dänen bei Alminde, Viuf, Veile und Gudsö, schloß Friedericia mit den schleswig-holstein. Truppen ein und rückte mit den beiden übrigen Divisionen bis Aarhuus vor, welches 25. Juni besetzt wurde. Eine sächsisch-hannöv. Division stand als Reserve bei Apenrade und Flensburg, die Reservedivision im Sundewitt zur Beobachtung von Alsen und eine Reservebrigade bei Kiel und Eckernförde zum Küstenschutzq. Die dän. Feldarmee war inzwischen bis auf 40000 Mann verstärkt worden und konnte mit Hilfe der Flotte ziemlich unbemerkt von Friedericia nach Ahen verlegt werden, um von einem dieser beiden Punkte aus zum Angriff vorzugehen; trotz numerischer überlegenheit befand sich deshalb das deutsche Heer in keineswegs günstiger Lage. Gegen Ende Juni stand die dän. Kavallerie an den Straßen von Randers und Viborg, 6000 Mann Infanterie nebst Artillerie auf der Halbinsel Holgenäs, wo Transportschiffe bereitlagen, 5000 Mann in Friedericia, 18000 Mann auf Fünen, 10000 Mann auf Alsen. Als man am 4. Juli im deutschen Hauptquartier erfuhr, daß die Truppen auf Holgenäs nach Fünen gebracht worden und von Alsen eine Flotte in nördl. Richtung gesegelt sei, wurde die Versammlung der deutschen, in Jütland stehenden Truppen bei Kolding und Veile angeordnet und der vor Friedericia stehende General von Bonin +7½½ verständigt. Letzterer empfing diese Nachricht erst 6. Juli morgens nachdem ein in der vorhergehenden Nacht von den Dänen mit großer Übermacht aus Friedericia (s. d.) unternommener Altlsfall völlig geglückt war; die schleswig-holstein. Truppen mußten sich zurückziehen und trafen gegen Abend bei Veile ein. In Berlin wurden nunmehr Friedenspräliminarien vereinbart und zunächst ein sechsmonatiger Waffenstillstand mit sechswöchiger Aufkündigung abgeschlossen, welcher folgende militärische Festsetzungen enthielt. Schleswig wurde durch eine südlich von Flensburg nach Westen gezogene Demarkationslinie, welche Tondern südlich liegen ließ, geteilt; das nördl. Schleswig sollte durch neutrale Truppen (2000 Schweden und en der südliche durch deutsche Truppen (6000 kann) besetzt ;werden; Alsen und Aarö blieben in dän. Besitz. Der schleswig-holstein. Truppen wurde nicht gedacht; dieselben wurden nach Holstein zurückgezogen. So endete das zweite Kriegsjahr für die Dänen noch günstiger als das erste, weil Deutschland ohnmächtig zur See war und Preußen den Krieg zu beendigen wünschte, um ernstern Verwickelungen mit auswärtigen Mächten aus dem Wege zu gehen. Seit 17. Jan. 1850 schwebten zwischen Dänemark einerseits und Preußen (für sich und im Namen des

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 106Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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