Deutsch-Französischer Krieg von 1870 und 1871. Als Napoleon III. im Juli 1870 mitten im tiefsten Frieden, der auf lange Zeit gesichert schien, unter nichtigen Vorwänden den Krieg an Preußen erklärte, befand sich König Wilhelm, nichts von dem beabsichtigten im Bade Ems, während Bismarck, der Kriegsminister von Roon, der General von Moltke Erholung auf ihren Landsitzen suchten. Als Vorwand zur Kriegserklärung benutzte Napoleon die span. Thronkandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollern, und als dieser freiwillig zurücktrat, erklärte sich Frankreich dennoch nicht befriedigt, sondern verlangte (13. Juli) vom Könige von Preußen eine demütigende Erklärung, die ihm von dem franz. Gesandten Benedetti zu Ems in aufdringlichster Weise angesonnen wurde. (S. Frankreich, Geschichte.) Der König wies diese Zumutung mit Würde und Festigkeit zurück und verließ Ems, um in Berlin die Maßregeln für den Krieg, welcher in Paris unzweideutig in Aussicht gestellt war, zu treffen. Überall wurde der greise Monarch mit Begeisterung empfangen; die ihm, dem mächtigsten Fürsten Deutschlands, dem Schirmherrn des Norddeutschen Bundes, dem Oberfeldherrn der gesamten Streitkräfte Deutschlands, widerfahrene Beleidigung wurde vom ganzen Volke mit gerechtem Zorne empfunden. Auf dem Bahnhofe zu Brandenburg, bis wohin ihm der Kronprinz mit dem Bundeskanzler und den Generalen von Roon und von Moltke entgegengefahren war, erhielt der König die n Tage von der in der franz. Kammer an demselben Tage (15. Juli) abgegebenen Erklärung des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, Herzogs von Gramont, der Bewilligung der Kreditforderung für Armee und Flotte, sowie der Einberufung der nächsten n em und der gesamten Mobilgarde. König Wilhelm befahl nun sofort noch in Brandenburg die Mobilmachung der gesamten norddeutschen Armee. Am 16. Juli trat der Bundesrat zusammen und erklärte sich mit den Eröffnungen des Kanzlers völlig einverstanden. Zum 19. wurde der Reichstag berufen. Die Thronrede, mit welcher ihn der König eröffnete, wurde in ganz Europa als ein Muster edler Würde und Mäßigung anerkannt. Unmittelbar nach der Feierlichkeit empfing Graf Bismarck die franz. Kriegserklärung, deren Mitteilung in der sogleich folgenden ersten Sitzung des Reichstags mit einem wahren Jubel aufgenommen wurde. Die Lage war nun geklärt, der Würfel gefallen, es galt, den Kampf für des Vaterlandes Ehre und Unabhängigkeit mit allem Nachdruck zu führen. Auch in Süddeutschland flammte das deutsche Nationalgefühl mächtig auf; alle bisherige Parteiung war bei dem Gewaltschritte Frankreichs wie durch einen Zauberschlag verstummt. Die süddeutschen Fürsten befahlen die Mobilmachung ihrer Truppen, der König von Bayern schon 16. Juli, ebenso der Großherzog von Baden, der König von Württemberg 17. Juli. So war die gesamte deutsche Heereskraft, vertragsmäßig unter dem einheitlichen Oberbefehl des Königs von Preußen, gegen den Feind aufgeboten. Napoleon hatte erwartet, daß die süddeutschen Staaten neutral bleiben würden. Durch das einmütige Zusammenstehen von ganz