Devrient (Philipp Eduard), der jüngere Bruder von Karl August D., ebenfalls ein trerfflicher Schauspieler, zugleich ausgezeichnet durch gründliche wissenschaftliche Bildung, als Dramendichter und dramaturgischer Schriftsteller, geb. 11. Aug. 1801 zu Berlin, war früher ein tüchtig geschulter Baritonsänger, widmete sich aber später dem recitierenden Rollenfache, in welchem er tiefes Studium und Korrektheit, doch weniger Feuer der Beeisterung bekundete. Seit 1819 Mitglied der beriner Hofbühne, trat er 1835 zum Schauspiel über und übernahm 1844 die Oberregie der dresdener Hofbühne. Konflikte mit den persönlichen Interessen seines jüngern Bruders bewogen ihn 1846, dies Amt niederzulegen und sich auf die Darstellung seiner Charakterrollen zu beschränken, in denen er sein eigentümliches Talent jetzt zu voller Entwickelung brachte. In dieser Epoche erwarb er sich namentlich auch durch seine schriftstellerische Thätigkeit große Anerkennung. Er verfaßte die Stücke: „Das graue Männleino, Die Gunst des Augenblickso, Die Verirrungeno, „Der Fabrikanto, Treue Lieber, die zwar ein hohes poetisches Interesse nicht beanspruchen, aber doch theatralischen Wert haben. Unter seinen Operntexten, deren er mehrere schrieb, gewann «Hans Heilingo an sich wie durch Marschners ansprechende Musik den meisten Beifall. Die Anregung, sich als Librettist zu versuchen, gab ihm Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit dem ihn freundschaftliche Beziehungen verbanden, die in seinem erk Meine Erinnerungen an Felix Mendelssohn-Bartholdy und seine Briefe an mich » (Lpz. 1869; 2. Aufl. 1872) behandelt sind. Bedeutenderes leistete er in seinen dramaturgischen Schriften. Zu diesen gehören die „Briefe aus Pariso (Berl. 1840; 2. Aufl. 1846), die Schrift «über Theaterschuleno (Berl. 1840), ferner Das Nationaltheater des neuen Deutschlando (Lpz. 1848), eine umfassendere Reformschrift voll trefflicher Ideen. Zur Geschichte der Schauspielkunst schrieb er: Das Passionsspiel in Oberammergaup» (Lpz. 1851, 3. Aufl. 1880) und die „Geschichte der deutschen Schauspielkunsto K Bde., Lpz. 1848—74), sein Hauptwerk, das mit echt die allgemeinste Anerkennung fand. Eine Sammlung seiner „Dramatischen und dramatur271 Schrifteno (8 Bde., Lpz. 1846—61) hat er elbst veranstaltet. Im J. 1852 entsagte D. der Schauspielkunst und folgte einem Rufe zur Reorganisation und Direktion des Hoftheaters in Karlsruhe, welcher Aufgabe er sich in mustergültiger Weise entledigte, bis er 1870 die Direktion niederlegte. D. starb 4. Okt. 1877 zu Karlsruhe. Sein jüngster Sohn, Otto D., geb. 3. Okt. 1838 51 Berlin, betrat 28. Sept. 1856 in Karlsruhe die ühne, gehörte den Hoftheatern zu Stuttgart und Berlin, dann dem Stadttheater zu Leipzig an, wo er ins Charakterfach überging. Von 1863 bis 1873 war er am karlsruher Hoftheater engagiert, und wurde im letztern Jahre als Schauspieler und Reisseur an das Hoftheater zu Weimar berufen. Im 5 1876 folgte er einem Ruf als Oberregisseur an das Hoftheater in Mannheim und übernahm 1877 die Stellung eines Intendanten am frankfurter Stadttheater, die er jedoch schon 1879 wieder aufgeben mußte. Seitdem gastierte er namentlich in der von ihm eingerichteten Bühnenbearbeitung beider Teile des Fausto und hielt Vorlesungen. Sein Domizil ist Jena. D. hat sich nicht nur als tüchtiger Charakterspieler, sondern auch als Dichter bekannt gemacht durch die Trauerspiele Zwei Königev (Karlsr. 1867), Tiberius Gracchuso (Karlsr. 1871), sowie durch das Volksschauspiel «Kaiser Rotbartv (Karlsr. 1871). Auch gab er unter dem Titel „Deutscher Bühnen- und Familien-Shakspearer (Bd. 1—4, 0an 1872—75) mit seinem Vater eine Auswahl Shakspearescher Dramen heraus und veröffentlichte außerdem Shakspeare-Vorträge (Karlsr. 1869), Ifflands und Schröders Briefe an den Schauspieler Werdy (Frankf. a. M. 1881) u. a. m. evrient (Gustav Emil), der jüngste Bruder von Karl Aug. D., einer der bedeutendsten Schauspieler der Neuzeit, geb. 4. Sept. 1803 210 Berlin, begann seine theatralische Laufbahn 9. Nov. 1821 in Braunschweig als Schauspieler und Baritonist und ging dann im nächsten Jahre nach Bremen, 1823 nach Leipzig, wo er sich 1825 mit Dorothea Böhler vermählte. D. gab um diese Zeit die Thätigkeit in der Oper auf und widmete sich ganz dem jugendlichen Fache, das er bis in sein höheres Alter beibehielt. Nachdem er 1828 Leipzig verlassen, spielte er erst in Magdeburg, dann 1829 in Hamburg. Seit 1831 gehörte er dem Hoftheater u Dresden an, zuletzt als Ehrenmitglied. Im .1842 trennte sich seine Gattin von ihm und verließ die Bühne. D. hat auf alljährlichen Gastspielzügen die größten und dauerndsten Erfolge gehabt. Er war ein Künstler, der mit schönen Naturmitteln eine harmonische Durchbildung vereinigte und dessen ganze Erscheinung den Charakter des Wohlgefälligen, Edeln, ja Poetischen trug. Leider hat auch er dem modernen Virtuosentum in stärkster Weise gefrönt und sich so den gerechten Tadel seines Bruders in dessen „Geschichte der deutschen Schauspielkunsto zugezogen. Er starb 7. Aug. 1872 zu Dresden. Vgl. Kneschke, «Emil D.» (Dresd. 1868); Gottschall, «Emil D.» (in Unsere Zeito, Jahrg. 1872, II); Prölß, „Beiträge zur Geschichte des Hoftheaters zu Dresdeno (Erfurt 1879). Seine Gattin Dorothea, geb. Böhler, geb. 1805 zu Kassel, hat in sentimentalen und naiven Rollen viel Wahrheit, Innigkeit und humoristische Finder gezeigt. Sie spielte schon 1816 in Prag inderrollen und dann 1817 zu Leipzig, wo sich ihr Talent entfaltete. In der Folge an den Engagements ihres Gatten teilnehmend, entsagte sie 1842 bei ihrer Trennung der Bühne und starb 21. Mai 1882 zu Blasewitz. —Marie, die Tochter aus ihrer Ehe mit Emil D., debütierte 1846 in Dresden, spielte dann in Braunschweig, Breslau und Stettin, zog sich aber 1850 von der Bühne zurück und wurde die Gattin des Getreidehändlers Marchand in Berlin.