FeedDe Wette (Wilh. Martin Leberecht)
ReligionBrockhaus 1882

De Wette (Wilh. Martin Leberecht), hervorragender prot. Theolog, stammt aus einer alten weimarischen Predigerfamilie. Zu Ulla bei Weimar 12. Jan. 1780 geboren, bezog er 1799 die Universität zu Jena, wo er sich 1805 als Privatdocent Dofovhie w und 1807 außerord. Professor der Phiosophie wurde. Im J. 1809 siedelte D. als ord. Berlal or der Theologie nach Heidelberg, 1810 nach Berlin über. Hier ward der freidenkende Theolog den Führern der aufkommenden Reaktion bald verhaßt und sie suchten einen Anlaß, ihn zu beseitigen. Ein solcher fand sich in dem Briefe, welchen D. 31. März 1819 an die ihm persönlich bekannte Mutter Karl Sands richtete. Er verurteilte die That des Sohnes aufs schärfste, suchte sie aber der Mutter in möglichst günstigem Lichte darzustellen. Dieser Brief ward auf bisher unaufgeklärte Weise dem König von Preußen in die Hände gespielt und D. wegen revolutionärer Gesinnung seines Amtes entsetzt. Er begab sich nach Weimar und folgte 1822 einem Rufe nach Basel. Hier ward er 1829 Mitglied des Erziehungsrats und lehrte bis an sein Ende, 16. Juni 1849. Als Theolog hat D. sich um die biblischen wie um die systematischen Wissenschaften bleibende Verdienste erworhen. Die „Beiträge zur Einleitung in das Alte Testamento (2 Tle., Halle 1806—7) eröffnen die kritischen Untersuchungen über die Entstehung der biblischen Schriften, welche zum Abschluß gebracht wurden in dem Lehrbuch der histor. ritischen Einleitung in die Bibel Alten und Neuen Testamentso (2 Bde., Berl. 1817—26; 8. Aufl. des alttestamentlichen Teils bearbeitet von Schrader 1869; 6. Aufl. des neutestamentlichen, bearbeitet von Meßner und Lünemann, 1860). Dem Verständnis des Alten Testaments dienen auch das Lehrbuch der hebr.⸗ jüd. Archäologie (Opz. 1814; 4. Aufl. von Räbiger 1864) und der Kommentar über die Psalmenv (Seidelb. 1811; 5. Aufl. 1856). Über sämtliche Schriften des Alten Testaments verbreitet sich das „Kurzgefaßte exegetische Handbuch zum Neuen Testamento (11 Tle. in 5 Bdn., Lpz. 1839—48, später vielfach neu bearbeitet), noch jetzt wegen seiner Kürze und philol. Genauigkeit geschätzt. Für weitere Kreise sollte die mit Augusti zusammen unternommene libersetzung der »Heiligen Schriftv (3 Bde., 4. Aufl. 1858) das Verständnis derselben erleichtern. Als Dogmatiker schloß sich D. in philos. Bedie no aufs engste an seinen Freund Fries an, wie ie noch jetzt beachtenswerte Schrift cüber Religion und Theologies (Berl. 1815) beweist; das Euwiche der christl. Dogmatik in ihrer histor. Entwickelunge (Tl. 1: Biblische Dogmatiky, Berl. 1813; 2. Aufl. 1818; Tl. 2: Kirchliche Dogmatiko, Berl. 1816; 2. Aufl. 1821) hält sich dagegen rein historisch. Die Ethik behandeln die Christl. Sittenlehrer (3 Bde., Berl. 1819—23), (Vorlesungen über die Sittenlehres (2 Bde., Berl. 1823—24) 1833). Außerdem sind zu nennen die Briefe, Sendschreiben und Bedenken Luthersv (5 Bde., Berl. 1825—28), die beiden romanartigen Werke. Theodor oder des Zweiflers Weihey (2 Bde., Berl. 1822; 2. Aufl. 1828) und 4Heinrich Melchthal, oder Bildung und Gemeingeisto (2 Bde., Berl. 1829), sowie Sammlungen von Predigten. Vgl. Hagenbach, «éWilh. Martin Leberecht D.»(Lpz. 1850), Wiegand, Wilh. Martin Leberecht D. (Erfurt 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 287Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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