FeedDiderot (Denis)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Diderot (Denis), einer der berühmtesten unter den franz. Encyklopädisten (s. d.), geb. 5. Okt. 1713 zu Langres in Champagne, wurde bei den Jesuiten erzogen und erhielt die Tonsur. Infolge seiner Abneigung gegen den geistlichen Stand für die jurist. mit Belletristik als mit seiner Wat Wiitosoiie studierte zugleich Mathematik, Physik, Philosophie und erwarb bald unter den glänzenden Geistern von Paris einen Namen. Den Grund zu seinem Ruhm legte er durch die Pensées philosophiquesv (Par. 1746), später unter dem Titel Etrennes aux esprits fortso wieder abgedruckt, eine gegen die sch Ihnn Religion gerichtete Flugschrift, die dur Besch uß des Die uLeliee vom Scharfrichter verbrannt wurde. ie Lettres sur les aveugles à l'usage de ceux qui voiento (Lond. 1749) zogen ihm ein Jahr Gefängnis im Turm zu Vincennes zu. Gleichzeitig mit der ersten Schrist hatte er im Verein mit Eidous und Toussaint ein Dictionnaire universel de médecinep (6 Bde., Par. 1746) herausgegeben. Der Beifall, mit welchem dieses mangelhafte Werk aufgenommen wurde, brachte ihn auf den Gedanken, ein encyklopädisches Lexikon herauszugeben, zu dessen Ausführung er sich 1751 mit Daubenton, Rousseau, Marmontel, Leblond, Lemonnier und d'Alembert vereinigte. D. selbst unterzog 2½ Ausarbeitung aller in die Künste und das Gewerbewesen einschlagender Artikel. (S. Encyklopädie.) Der Gewinn der 20jährigen Anstrengung war aber so unbedeutend, daß er 68 genötigt sah, seine Bibliothek zu veräußern. Die Kaiserin von Rußland kaufte sie Pen 500000 Livres, überließ sie ihm aber zum Gebrauch auf Lebenszeit. Auf ihre Einladung ging D. nach Petersburg, mißfiel jedoch durch ein zweideutiges Quatrain, sodaß er bald wieder abreiste. Während er mit der Encyclopédien beschäftigt war und viele Unannehmlichkeiten, die den Druck derselben oft ich zugle emmten, zu erfahren hatte, machte er sich zugleich als Romanschriftsteller und Lustspieldichter bekannt durch den sinnreichen, aber e Roman Les bijoux indiscretso und die beiden Lustspiele „Le fils naturelo (1757) und „Le père de familles (1758), welche letztern als Théatre de D.v (2 Bde., Par. 1758; deutsch von Lessing, 2 Bde., Berl. 1781) erschienen. Außerdem schrieb er eine Menge philos.⸗ästhetischer Werke. D. starb 31. Juli 1784. Di.s Freunde schildern ihn als einen offenen, uneigennützigen, biedern Mann; seine Feinde legen ihm Hinterlist und Eigennutz zur Last. aren Diser war er sehr empfindlich. Vorzüglich war es dieser Charakterfehler, welcher die Spannung mit dem nicht minder + Rousseau herbeiführte. Aus Dis Nachlasse erschienen sein Essai sur la peinturep (deutsch von Cramer, 2 Bde., Riga 1797) ein schon 1772 geschriebener Dithyramb Abdication d'un roi de la fèxve, welcher äußerst demokratische Gesinnungen verrät, und die Romane 4La religieuser (deutsch von Cramer, 2 Bde., Berl. 1792), Jacques le fataliste et son maitrev ('deutsch von Mylius, 2 Bde., Berlin 1792) und (Rameaus Neffer, den Goethe übersetzte (Lpz. 1805), noch ehe das Original erschien. Auch hat D. hervorragenden Anteil an der Abfassung von Holbachs Système de la naturer (2 Bde., Lond. 1770). D.s Stil hat nicht die flussige Klarheit und Schönheit des Rousseauschen; er fiel leicht ins Deklamatorische und haschte nach Effekt. Dagegen dachte er scharf und war im Urteilen außerordentlich gewandt. Besonders war es ihm um Ausbreitung der naturalistischen, die Moral auf die Anlagen der Menschennatur gründenden Ansichten, welche das 18. ahrh. erzeugt hatte, zu thun. In der Poesie verbreitete er die Richtung des moralisch Rührenden und der gefälligen Natürlichkeit. Noch mehr als seine Darstellungsgabe in Schriften wird von den Zeitgenossen seine römende, hinreißende Beredsamkeit im Gespräche gerühmt. Eine vollständige Ausgabe seiner Werke mit einer Einleitung besorgte Naigeon (15 Bde., Par. 1798 u. öfter). Eine andere erschien 1821 (22 Bde., Par.), der sich die kCorrespondance littéraire, philosophique et eritique de Grimm et D.„ Len Bde., Par. 1829), die viel vollständiger und besser geordnet ist als in der frühern Ausgabe, namentlich alle von der Censur unter Napoleon gestrichenen Stellen enthält, und die Mémoires et correspondance et ouvrages inédits de D.v (4 Bde., Par. 1830—32) anschlossen. Eine neuere Gesamtausgabe von D.s Werken besorgt Assezat — 1, Par. 1875 fg.). Interessante Beiträge zu s Biographie enthalten auch seiner Tochter, der Madame de Vandeuil, «Mémoires pour servir à Phistoire de la vie et des ouvrages de feu D.o Die gründlichste Würdigung von D.s Leben, philos. und litterarischen Verdiensten lieferte Rosenkranz in D.s Leben und Werkey (2 Bde., Lpz. 1866). Vgl. Morley, „D. and the encyclopaedistso (Lond. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 316Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6