Dijon, Hauptstadt des franz. Depart. Cöte-d'Or, sonst des Herzogtums Burgund, 315 km im SO. von Paris, am östl. Fuß der Cöte-d'Or, in einer weiten fruchtbaren Ebene in 245 m Höhe, am Fuße des 584 m hohen Mont-Affrique, am Einfluß des Suzon in die Ouche, an dem Burgunder⸗ oder Cöte-d'Or-Kanal, der das Saöne-Rhöne-Gebiet mit dem der Seine verbindet, sowie an der Straße von Paris nach Genf und an einem Knotenpunkte der Paris-Lyoner Eisenbahn, ist Sitz eines Bischofs, eines Appellationshofs für drei Departements, eines Tribunals erster Instanz, eines Assisenhofs, dreier Friedens⸗ und eines Handelsgerichts, einer Handelskammer und anderer Behörden. Die Stadt ist gut Uche 3 hat schöne breite Straßen und viele ansehnliche Häuser, prächtige Schaufenster wie Paris, 15 Plätze, zahlreiche Ouscen m welche aus einer 13 km langen unterirdischen Wasserleitung in jeder Minute 8000 1 herrlich klaren Wassers liefern, sowie schöne Mauern, bepflanzte Wälle, freundliche Umgebungen und herrliche öffentliche Spazieränge. Auf einem neuen Platze steht seit 1847 eine Bronzestatue des heil. Bernhard, der in dem 3 Em entfernten Fontaine-lez-Dijon geboren ward, auf einem andern Platze seit 1864 die Statue Rameaus. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus: die 1280 in got. Stil erbaute Kathedrale St.⸗ Benigne, eine der schönsten Kirchen 4% . mit einem 92 m hohen kühnen Turme, dem höchsten in ganz Burgund, einem schönen Portal aus dem 16. Jahrh. und prächtigen Mausoleen, z. B. des Königs Ladislaus von Polen, der Herzöge Philipp es Kühnen, Johann des Unerschrockenen u. a., und einer neuerlich aufgefundenen, völlig erhaltenen Krypta aus dem 11. Jahrh.; die Kirche Notre-Dame, 1331—1445 in got. Stile erbaut, mit einem ausgezeichnet schönen Portal und einer von Dubois habrt in Stein gehauenen Gruppe der Himmelahrt Mariä; die Kirche St. Michel, 1529 geweiht, mit einem schönen Basrelief des Letzten Gerichts und einem prächtigen Portal im Renaissancestil von Hugo Sambin; das A und Hurche dns mit einer ausgezeichneten Kuppel und Kirche; das ⁰08 lich eingerichtete allgemeine oder große Hospital; das feste Schloß oder die sog. Citadelle, von Ludwig XI. 1478 begonnen und unter Ludwig XII. 1512 vollendet, aber mit seinen Wällen und Bastio-Inen in Ruinen versinkend, nunmehr als Staatsgefängnis dienend; der Palast der Herzöge von Burgund, auch Palast der Generalstaaten oder Königs-Hufeisen genannt, jetzt Hötel de Ville, an dem in ufeisenform davor ausgebreiteten Hauptplatz der tadt, 1367 von Philipp dem Kühnen begonnen und von Karl dem Kühnen vollendet, 1592 abgebrannt, dann zu Gunsten der Prinzen von Conde, die erbliche Gouverneure von D. waren, wiederhergestellt und 1784 vollendet, später der Ehrenlegion überlassen, ein weitläufiges Gebäude, das in seinen Sälen ein naturhistor. und archäol. Museum, eine Schule der Künste und in neun Sälen ein Museum der Künste (mit 500 Gemälden, einer reichen Sammlung von etwa 40000 Kupferstichen, Statuen, Gipsabgüssen und antiken Vasen) und ein reiches Archiv birgt; ferner der große alte Justizpalast, das Prä1351943an die Rechtsschule, das Schlachthaus, 8 1843 an Stelle der alten Kartause erbaute Irrenhaus und das 1810—28 erbaute Schauspielhaus. Die Zahl der Einwohner beläuft sich mit Einschluß der Vorstädte (1881) auf 53899. Dieselben unteralten bedeutende Fabriken und Manufakturen in oll⸗ und Baumwollzeugen, in Leder, Senf und Wachs (Bougies de Dijon), betreiben Wein⸗ und Gartenbau sowie Blumenzucht und urdel Hie Wein⸗, Produkten⸗ und Fabrikatenhandel. Die Stadt hat Gießereien, Spinnereien, Hutfabriken, Zemische Produl fertigt Böttcherwaren, Tapeten, emische Hu¹u Dampfmaschinen, Honigkuchen u. s. w. D. besitzt eine Akademie der Künste und Wissenschaften (1725 errichtet und 1740 von Ludwig XV. bestätigt), eine 1722 gegründete Uni-Falulenten, ein e für fünf Departements mit drei Fakultäten, ein Lyceum, eine Mediziner⸗ und Pharmaceutenschule, ein theol. und ein Lehrer⸗ und Lehrerinnenseminar, eine Kunst⸗ und eine Musikschule, eine Gewerbeschule, eine Hebammenschule u. s. w., eine Ackerbaugesellschaft und zahlreiche geand esellschaften, eine Bibliothek von 80000 Bänden und 900 Manuskripten (in der Ecole du droit), einen botan. Garten mit 300 Rebensorten, ein Observatorium, eine numismatische Sammlung adt heitt e Archive u. s. w. Die Umgegend der Stadt heißt Le Dijonnais. ö D., schon unter den Römern ein befestigter Ort, Divio oder Castrum Divionense, zur Zeit der Baneis oder und Karolinger zum Pagus Alesiensis oder Alsensis gehörig, ist Grundu merkwürdig durch die 525 geschehene ründung der mächtigen Abtei St.⸗Benigne; eingeäschert wurde D. 737 durch die Sarazenen, 888 durch die Normannen; 1077 und 1199 wurden hier Wichofs sammlungen abgehalten. Als Lehn des Bischofs von Langres kam der Ort an die Grafen von D., die 1107 ausstarben. Dann fiel D. an die Herzöge von Burgund, erhielt 1183 Stadtrechte und ward deren Residenz. Nach Karls des Kühnen Tod (1477) fiel es an den König Ludwig XI., der hier das Parlament von Burgund errichtete. Im J. 1513 wurde es von 20000 Schweizern belagert, welche indes für Geld wieder abzogen. D. hing der Ligue an, unterwarf sich aber Heinrich IV. 1595. Im 5. 1731 wurde zu D. ein Bistum errichtet. Im Deutsch-Französischen Kriege fand 30. Okt. 1870 bei der Stadt ein Gefecht zwischen der badischen, zu Werders Korps gehörigen Division und vorgeschobenen Teilen der Armee von Lyon statt. Nachdem die Stadt selbst 31. Okt. mehrere Stunden lang hartnäckigen Widerstand geleistet hatte, kapitulierte sie und General Werder nahm sein Hauptquartier daselbst. Als gegen Ende Dez. 1870 die franz. Ostarmee unter Bourbaki heranrückte, ward D. 27. Dez. von den Deutschen geräumt und 28. Dez. von Garibaldi besetzt. Am 21. und 23. Jan. 1871 fanden in der Gegend von D. Gefechte zwischen den Garibaldianern und detachierten Abteilungen des 2. deutschen Armeekorps statt, durch welche Garibaldi mit seinem Korps bei D. festgehalten wurde, während General von Manteuffel der Armee Bourbakis die die Eindt au abschnitt. Garibaldi mußte 31. Jan. die Stadt räumen, worauf 1. Febr. die Deutschen wieder einzogen. Vgl. Garnier, «Chronique de PAbbaye Saint-Bénigne de D. (1876); Baschi, D. et ses environso (1867).