FeedDionaea
PflanzenreichBrockhaus 1882

Dionaea nannte Linné eine zur 5. Klasse, 1. Ordnung, seines Systems und zur Familie der Droseraceen gehörige Pflanzengattung, welche einen fünfteiligen Kelch, fünf Blumenblätter, 10 — 20 Staubgefäße und einen Griffel mit fünf eng zusammengeneigten Narben besitzt. Die Frucht ist eine einfächerige, mehrsamige Kapsel. Man kennt nur eine Art: die gewöhnliche Fliegenklappe oder Fliegenfalle der Venus (D. muscipula), welche an sumpfigen Stellen des wärmern Nordamerika besonders in Florida, wächst, ausdauernd und durch die Reizbarkeit der Blätter ausgezeichnet ist. Sie hat in der Tracht viel Ahnlichkeit mit dem auf torfigen, feuchten Wiesen nicht seltenen rundblätterigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) und könnte eine Allen entwickelte Form desselben genannt werden. Alle Blätter sind wurzelständig, und aus der Blätterrosette erhebt sich ein etwa 15 em hoher blattloser Schaft, der in eine Doldentraube von weißen Blumen endet. Der verlängerte, breitgeflügelte Blattstiel trägt auf seiner Spitze eine rundliche, an beiden Enden breit ausgeschnittene, am Rande mit langen, steifen Borsten besetzte Blattscheibe, welche oberseits mit vielen kleinen Drüsen besetzt ist und bei jeder Berührung sich nach oben wie zwei Klapden zusammenschlägt. Setzt sich nun ein Insekt auf ie Oberfläche eines Blattes, um den Saft der Drüsen zu genießen, so klappen die beiden Hälften desselben zusammen und fangen das Insekt, indem die Randborsten, welche sich dabei aufwärts emporrichten, sich kreuzen und so dem Insekt jeden Ausweg versperren, bevor das Blatt noch das Insekt festllemmt. Erst wenn das Insekt tot ist oder h ruhig verhält und also durch seine Bewegungen das Blatt nicht mehr reizt, öffnet sich dieses wieder. Darwin hat in seinem 1875 erschienenen Werke «Insectivorous plantso (deutsch von Carus, Stuttg. 1876) nar eise or⸗ versucht, daß die in f olcher und ähnlicher Weise organisierten Gewächse die gefangenen Insekten aussaugen und die aufgenommenen Stoffe wie der tierische Magen verdauen und zur Ernährung verwenden. In neuester Zeit hat man viele Beobachtungen ähnlicher Art registrieren wollen; doch weisen noch viele Pflanzen5.— diese Annahme als unbegründet zurück, inem sie zwar eine Zersetzung der Tierleichen zugeben, aber in Rücksicht auf die als undurchdringliche Scheidewand sich verhaltende Epidermis des Blattes eine Aufnahme der Zersetzungsprodukte für unmöglich erklären. (Vgl. Fleischfressende Pflanzen.) Die Pflanze liebt lockeres, stets feucht und mit Moos bedeckt zu erhaltendes, jedoch leicht Wasser durchlassendes Erdreich und einen hellen, frostfreien Standort.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 372Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Pflanzenreich 6