FeedDonauwörth
ErdkundeBrockhaus 1882

Donauwörth, unmittelbare Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwahen, 46 kKmim NNW. von Augsburg, links an der Donau, an der Mündung der Wörnitz und an der Linie Pleinfeld-Augsburg der Bayrischen Staatsbahn, die hier nach Regensburg und Ulm abzweigt, ist der Sitz eines Bezirksamts und eines Amtsgerichts, sowie nächst Passau und Regensburg der wichtigste bayr. Donauhafen. Die Stadt zählt (1880) 3857 E., welche ansehnlichen Obst⸗, Getreide⸗, Flachs- und Hanfbau und Leinweberei treiben, beträchtliche Bierbrauerei, einen Wollmarkt und allmonatlich große Viehmärkte, zum Teil auch Frachtfuhrwesen, Schiffbau und Schifffahrt auf der Donau unterhalten. Die schönen Gebäude der ehemaligen, 1029 von Mangold, Grafen von Dillingen, gestifteten Benediktinerabtei zum Heiligen Kreuz, in deren Nebenkapelle sich der prachtvolle Sarkophag der Herzogin Maria von Brabant, Herzogin in Bayern, befindet, gehören jetzt dem kath. Erziehungsverein. — D., 1030 Wörth, später Schwäbisch-Wörth genannt, lag an der seit dem Abbruch der Stadtmauer 1818 gänzlich zerstörten, außerhalb des bisherigen Bahnhofs durch eine Tafel angedeuteten Burg, die 900 von dem Grafen Hupald J. von Dillingen erbaut, von dessen Sohn Mangold Mangoldstein genannt und nach dem Aussterben der Nachlommen desselben 1191 eine Besitzung der Hohenstaufen wurde. In der Mitte des 13. Jahrh. wurde D. der Sitz der Herzöge von Oberbayern, und hier war es, wo 1256 Herzog Ludwig der Strenge in der Raserei grundloser Eifersucht seine Gemahlin Maria von Brabant enthaupten ließ. Von Gewissensbissen gepeinigt, verlegte er später seine Residenz von hier nach München. Im J. 1308 verwüstete Albrecht J. die Burg, und 1348 ward die Stadt zur Reichsstadt kihee me die jedoch nur nach wechselvollen Kämpfen ihre Reichsunmittelbarkeit gegen Bayern behauptete. Als 1606 eine Prozession des Abts vom Kloster zum Heiligen Kreuz von der ganz prot. Bevölkerung gehindert wurde, erklärte der Kaiser Rudolf II. die Stadt 3. Aug. 1607 in die Acht und übertrug die Vollzie-Darog dem Herzoge Maximilian von Bayern. Dieser esetzte 17. Dez. 1607 die Stadt und behielt sie für die Kosten des Exekutionszugs fortan im Besit, trotz der Einsprüche des Schwäbischen Kreises. Dies wurde einer der Anlässe zum Dreißigjährigen Kriege, in dem D. mannigfache Drangsale erlitt, 27. März 1632 von Gustav Adolf dem Herzog von Lauenburg durch Sturm entrissen und 1634 von König Ferdinand erobert ward. An dem nahe-Barern Schellenberge wurden 2. Juli 1704 die ayern und Franzosen durch die Kaiserlichen unter Prinz Ludwig von Baden und dem Herzoge Marlborough völlig besiegt. Durch Kaiser Joseph I. erhielt D. 1705 seine Reichsunmittelbarkeit zurück. Doch schon im Frieden von Baden 1714 wurde es wieder an Bayern gegeben, welches auch den Besitz trotz der Bemühungen des Schwäbischen Kreises behauptete. Am 6. Okt. 1805 fand bei D. ein Gefecht zwischen den Franzosen unter Soult und den Osterreichern unter Mack statt, infolge dessen letztere sich ber die Donau zurückzogen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 465Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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